Die Toten Hosen am Bostalsee : Punkrock mit verbalen Zwischentönen

Zwei der Vorbands des Toten Hosen-Konzerts am Freitag rocken bereits bei Festivals in der Region. Deren Macher erinnern sich.

Was die Auswahl der Vorgruppen anbelangt, hat die Düsseldorfer Punkband Die Toten Hosen den gleichen Musikgeschmack wie die Macher von zwei regionalen Festivals im Landkreis St. Wendel. Beim ausverkauften Bostalsee-Konzert am Freitag wird der Dauerbrenner unter den deutschen Megakapellen von den Beatsteaks und Feine Sahne Fischfilet unterstützt. Beide kennen Musikfreunde aus der Region. Die Berliner Beatsteaks rockten im Jahre 2001 beim Primsrock-Open-Air auf dem Waldsportplatz. „Wir haben schon immer einen guten Riecher für aufsteigende Punkbands gehabt“, sagt Marcus Gramlich, heute wie damals einer der Primsrock-Macher. Den Kontakt mit den Beatsteaks konnte Daniel Arm über eine Agentur herstellen. „In der Szene waren die Beatsteaks angesagt, wir waren uns sicher, die hauen voll rein“, erinnert sich der Primsrock-Booker Arm. Zum Preis von rund 2000 Mark war der Vertrag fix. „Heute könnten wir die Beatsteaks nie und nimmer bezahlen“, sagt Arm. Vor ihrem Auftritt wurden die vier Bandmitglieder von Beatsteaks immer unruhiger. In München stand gleichzeitig der Fußball-Kracher Deutschland gegen England kurz vor dem Anstoß. „Sie sind dann zu uns gekommen und haben gefragt, ob wir ihnen noch kurzfristig ein Fernsehgerät besorgen könnten“, berichtet Gramlich, der eine Schwarz-Weiß-Flimmerkiste im Bandzelt ablieferte. Die Kicker des damaligen Bundestrainers Rudi Völler wurden in dem WM-Qualifikationsspiel von David Beckham, Michael Owen und Co. mit 1:5 vermöbelt, ehe Beatsteaks die Bühne betraten. Mit dem Song „Panic“ schüttelte die Band 1200 Fans in Primstal durch. Und die grölten im Chor „Another Sunday afternoon“. Nach dem Manowar-Cover „Kings of metal“ sprangen die schweißnassen Musiker im Tennisheim unter die Dusche. „Das sind noch heute die gleichen geilen Typen“, sagt Arm, der beruflich mit Schlagzeuger Thomas Götz in Kontakt steht.

Vom zeitweiligen Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes ist die Gruppe Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern zu einer der angesagtesten Punkbands im Lande aufgestiegen. 2014 hat die antifaschistisch eingestellte Formation beim Theleyer Volcano-Festival gespielt. „Wir hatten schon die Befürchtung, dass ihr Auftritt in einer schwarzen Gemeinde wie Tholey schon für Aufruhr sorgen könnte“, blickt Yannick Meisberger, Vorsitzender des Vereins Volcano, zurück. Zu einem fairen Preis, so Meisberger, habe der Verein neben Egotronic als Co-Headliner Feine Sahne Fischfilet engagieren können. Bei letzterer Band ist Party die eine Seite der Medaille, die andere ihre politische Haltung. „Es ist ein Spagat zwischen Party und Politik. Was sie auf der Bühne sagen, machen sie auch“, sagt Meisberger. Über den Theleyer Keltenplatz schallte ihre Hymne „Komplett im Arsch“ dazu brüllte der hünenhafte Sänger Jan „Monchi“ Gorkow ins Mikrofon „Ich bin komplett im Arsch, hab`hier wirklich nichts zu verlieren“. Gewonnen hat der Festivalveranstalter: 700 Besucher bedeuteten eine neue Rekordmarke. „Auch im Nachgang haben wir nichts gehört, dass wir eine linksextreme Band haben spielen lassen“, erzählt Meisberger. Seinerzeit erklärte Feine Sahne Fischfilet, dass sie weiterhin gegen rechtsextreme Demonstrationen und Veranstaltungen aufrufen werde. Das gefiel dem früheren Justizminister Heiko Maas (SPD), der 2016 dafür die Band via Twitter lobte. Darauf rügte ihn die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Mecklenburg-Vorpommern. Es sei nicht gut, wenn man Bands hofiere, die gegen den Staat seien, so die GdP . Die Band hatte zu einem Konzert gegen Rechts eingeladen – für Maas ein „tolles Zeichen“ gegen Fremdenhass. Ein lautes, krachendes Zeichen haben die Toten Hosen jüngst nach den Aufmärschen von Rechtsextremen in Chemnitz unter anderem mit Feine Sahne Fischfilet gesetzt.

Jan „Monchi" Gorkow, der Sänger von Feine Sahne Fischfilet bei seinem Auftritt 2015 beim Volcano-Festival in Theley. Foto: Frank Faber

Dritte Vorband am kommenden Freitag ist die argentinische Rockband Attaque 77. Das Aufwärmprogramm für die „Laune der Natour“-Tour am Samstag gestalten die schwedische Alternativ-Punkrock-Combo The Hives, die Belgier Triggerfinger und Schmutzki aus Stuttgart.