"Die Post ist da!"

Neunkirchen. Tausende Briefe und Päckchen legen täglich einen Zwischenstopp in der Poststelle in der Neunkircher Brückenstraße ein, ehe sie von da aus an ihren Bestimmungsort gebracht werden. Schon von weitem lässt sich das traditionelle Posthorn auf gelbem Grund erkennen. In einem Seitenhof werden fleißig Pakete in gelbe Laster geladen

Neunkirchen. Tausende Briefe und Päckchen legen täglich einen Zwischenstopp in der Poststelle in der Neunkircher Brückenstraße ein, ehe sie von da aus an ihren Bestimmungsort gebracht werden. Schon von weitem lässt sich das traditionelle Posthorn auf gelbem Grund erkennen. In einem Seitenhof werden fleißig Pakete in gelbe Laster geladen. Ein Tor weiter laufen Frauen und Männer in Uniformen mit dunkelblauen Shorts und hellblauen Hemden umher und machen sich startklar für ihre Tour. Auch Bernd Lambert ist schon seit sechs Uhr auf den Beinen. In einer riesigen Halle werden die Briefe nach ihrer Ankunft in Neunkirchen nach Bezirken einsortiert. Ein Teil von ihnen sitzt auch jetzt noch ordentlich nebeneinander in den verschiedenen Gefächern. Postbote Lambert hat seine beiden Taschen für den ersten Teil seiner Tour bereits gepackt. Da er pro Tag schon mal 1500 normale Briefe und 600 größere Kuverts austragen muss, geht er zweimal los. "Ich habe mir die Tour so eingeteilt, dass die Geschäftsleute bis 12 Uhr ihre Post haben", erklärt Lambert und verstaut die beiden gelben Posttaschen auf einem dazugehörigen Wagen, den er hinter sich herziehen kann. Außerdem hängt er sich eine kleine Ledertasche um. Darin hat er jede Menge Schlüssel und ein paar Bogen Briefmarken. "Ich habe immer Marken dabei. Die können die Leute bei mir kaufen, und ich nehme ihre Briefe dann gleich mit." Jetzt noch schnell die ersten Briefe unter den Arm geklemmt, und schon startet Lambert schnellen Schrittes auf seine Tour. Schon seit mehr als 20 Jahren trägt er im Bezirk Hüttenberg die Post aus und das natürlich zu Fuß. "Ich bin noch nie ein Postauto gefahren", lächelt er und wirft den ersten Brief ein. Es ist ein herrlicher Morgen, noch nicht zu warm, und die Vögel zwitschern vergnügt. Aber auch bei schlechtem Wetter ist der Briefträger gerne unterwegs. "Wir haben gute Uniformen und gute Schuhe", lobt er seine Dienstausrüstung. Unterwegs ist auch mal detektivisches Gespür gefragt. Der Zusteller entdeckt einen ihm unbekannten Namen auf einem Brief. An der angegebenen Adresse ist weder eine Klingel noch ein Briefkasten mit diesem Namen versehen. Kurz entschlossen erkundigt sich Lambert in der Kneipe nebenan nach der möglichen neuen Mieterin. Doch auch hier kennt den Namen niemand. "Den nehme ich jetzt wieder mit zurück!", sagt Lambert und setzt seine Tour fort. Schon als Kind hat der 50-Jährige Zeitschriften ausgetragen - jetzt sind es eben Briefe und Päckchen. Seit 1974 arbeitet er bei der Post. Das Schönste ist für ihn ist der Kontakt mit den Menschen, und so ist hier und da auch ein kurzer Plausch drin. "Die Post!" ruft Lambert gut gelaunt und betritt den Laden von "Schlüssel Thielen". Hier wartet schon Elisabeth Thielen auf den - wie sie sagt - "nettesten und liebsten Briefträger aus ganz Neunkirchen". Man scherzt kurz, erkundigt sich, was es Neues gibt, und schon schnappt sich Lambert seinen Postwagen und zieht weiter. Nach so vielen Jahren auf einer Tour ist es selbstverständlich, dass man sich kennt. Bekommt jemand aus Lamberts Revier an einem Tag auffallend viele Briefe, liegt der Verdacht nahe, dass derjenige Geburtstag hat. Dann klingelt der Briefträger kurz, um zu gratulieren. "Eine Frau", so erzählt Lambert, "bekommt jeden Monat einen Brief von ihrer Schwester aus Amerika. Sie hat mir mal erzählt, dass da 10 Dollar drin sind. Seitdem klingele ich und gebe ihr den Brief in die Hand." Vielleicht sagt auch deshalb Traudel Sammel, deren Versicherungsbüro in Lamberts Bezirk liegt, lächelnd: "Das ist noch so ein richtiger Briefträger der alten Schule." "Das ist noch so ein richtiger Briefträger der alten Schule."Traudel Sammel