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Krisen-Alltag: „Die meisten Patienten haben abgesagt“

Krisen-Alltag : „Die meisten Patienten haben abgesagt“

Physiotherapeutin Annette Buck hat ihre Praxis in Gonnesweiler geschlossen – obwohl sie eigentlich noch öffnen dürfte. Wegen der Corona-Pandemie bleiben aber die Patienten aus. Von den Hilfsprogrammen für Selbstständige ist die 48-Jährige enttäuscht.

Seit Montag ist die Tür von Annettes Physio-Fit in Gonnesweiler verschlossen. Inhaberin Anette Buck hat entschieden, ihre Praxis aufgrund der Corona-Pandemie zu schließen – und das obwohl sie als Heilmittelerbringerin genau wie Podologen, Ergotherapeuten, Masseure oder Logopäden weiter geöffnet haben dürfte.

„Der Grund hierfür ist eine Mischung aus zu wenig Arbeit und Angst vor einer Ansteckung“, berichtet die 48-Jährige alleinerziehende Mutter eines 15-jährigen Sohnes. Buck präzisiert: „Die meisten Patienten haben zuletzt einen Tag vor ihrem Termin abgesagt. Dadurch sind Riesenlücken im Terminkalender entstanden. Dies und die ganze Telefoniererei waren schon frustrierend“, berichtet die Selbstständige. Hinzu sei die Tatsache gekommen, dass sie als Physiotherapeutin nahen Körperkontakt zu ihren Patienten haben muss. „Wir sind sehr nah an den Patienten und ich persönlich kann nicht mit Handschuhen arbeiten, weil ich dann nicht gut fühlen kann.“

Bis zum Ende der Ausgangsbeschränkungen am 20. April will die 48-Jährige die Praxis noch geschlossen lassen. Von der Schließung ausgenommen sind bei ihr aber Patienten, die eine Behandlung dringend notwendig haben. Für sie ist Buck weiter da. Termine können telefonisch vereinbart werden. Doch obwohl einige Patienten ihre Dienste noch in Anspruch nehmen, reißt die aktuelle Lage ein riesiges Loch in ihre Finanzen. „Ich habe vorher zirka 50 Stunden in der Woche gearbeitet, aktuell sind es noch 16. Ich habe rund drei Viertel weniger Patienten und das bedeutet auch drei Viertel weniger Geld.“ Was Buck wichtig ist: „Anderen Heilmittelerbringern geht es genauso.“

Die Soforthilfemaßnahmen für Selbstständige und kleine Unternehmen der Landes- und Bundesregierung kann die 48-Jährige nicht in Anspruch nehmen. „Im Moment kommt das für mich nicht in Frage, weil ich mir einen finanziellen Puffer zugelegt habe.“ In den Bedingungen für die Soforthilfe heißt es, dass diese nur bei einem Liquiditätsengpass in Anspruch genommen werden können. Und dass zuvor liquides Privatvermögen ins Unternehmen eingebracht werden muss.

Andere Möglichkeiten, zu denen die Regierung kleinen Unternehmen rät, hält die 48-Jährige nicht für zielführend. „Ich werde sicher nicht auf die Idee kommen, einen Kredit aufzunehmen. Und Steuern werden sich vielleicht einmal, aber sicher nicht zwei Mal stunden lassen. Denn irgendwann muss ich das Ganze dann ja doch bezahlen“, ist die Physiotherapeutin überzeugt.

Buck hat einen Lösungsvorschlag, der ihr und anderen Selbstständigen ihrer Meinung nach deutlich mehr helfen würde: „Meine Idee wäre, dass auch Selbstständige in Kurzarbeit gehen können“, sagt die 48-Jährige. Kurzarbeit gibt es aktuell nur für Arbeitnehmer. Sie erhalten 60 Prozent ihres Nettoeinkommens von der Bundesagentur für Arbeit.

Ein Bedarf für eine solche Regelung sei da. Vor allem kann laut Buck damit verhindert werden, dass einige Heilmittelerbringer ihre Praxen komplett dicht machen müssen. Dies könne nämlich zu großen Problemen führen. „Normalerweise müssen Patienten bei mir bis zu sechs Wochen auf einen Termin warten. Wenn nur ein Fünftel der Praxen jetzt kaputt gehen, dann wird diese Zeitspanne noch größer.“