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Die Jugendlichen waren zutiefst betroffen

Die Jugendlichen waren zutiefst betroffen

Seit mehreren Jahren finden an der Gesamtschule Nohfelden-Türkismühle Zeitzeugenbegegnungen statt. Die Schüler der Klassenstufe 12 hatten im Rahmen dieser Veranstaltungen die Möglichkeit, mit der Holocaust-Überlebenden Emmie Arbel über deren KZ-Erfahrungen zu sprechen.

Türkismühle. Emmie Arbel wurde 1937 geboren und kam als Vierjährige zusammen mit ihrer Familie in das Zwischenlager für holländische Juden in Westerburg (Holland). 1943 wurde sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in das Frauenlager Ravensbrück bei Berlin verlegt. Ein halbes Jahr vor der Befreiung durch die Briten kam sie dann in das KZ Bergen-Belsen, das sie in ihrem Vortrag als das Schlimmste der Lager beschrieb. Sie erinnere sich noch gut an die Berge von Leichen, die es dort gab. Zwei Tage nach der Befreiung des Lagers starb ihre Mutter auf dem Fußboden einer Baracke, die beiden Geschwister, sie, mittlerweile sieben Jahre alt, und ihr Bruder, mittlerweile zehn Jahre alt, saßen zwei Tage neben ihrer Mutter, ohne dass sich jemand um sie kümmerte.Ihr weiterer Lebensweg führte sie in ein schwedisches Kinderheim, von wo aus sie 1946 wieder nach Holland kam, weil sie von einer Pflegefamilie aufgenommen wurde. Erst mit neun Jahren wurde sie dort eingeschult. Nur eineinhalb Jahre später musste sie ihr Leben wieder radikal ändern, weil die Pflegefamilie nach Israel auswanderte. Fortan lebte sie in einem Kibbuz. Nach einem zweijährigen Militärdienst lebte sie in Haifa und wanderte dann nach Brasilien aus, um zwei Jahre später wieder nach Israel zurückzukehren.

Emmie Arbel ist es wichtig, vor der deutschen Jugend zu sprechen, weil diese, so Arbel, die Zukunft Deutschlands seien und nur diese Jugend verhindern kann, dass so etwas wie der Nationalsozialismus wieder passieren könne.

Neben den erschreckenden und emotionalen Schilderungen ihrer Erlebnisse in den verschiedenen Lagern verstand es Emmie Arbel den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, welchen Einfluss ihre Kindheitserlebnisse auf ihr ganzes Leben hatten. Sie konnte so beispielsweise jahrelang nicht mehr weinen oder Gefühle zeigen, weil sie dies im Lager aufgeben musste. Weinen galt im Lager, so die Zeitzeugin, als Schwäche und schwache Menschen konnten nicht überleben. Auch heute noch fühle sie sich in großen Menschenmengen nicht wohl und kann sich dort nur aufhalten, weil sie eine jahrelange Therapie hinter sich habe.

Die Schüler zeigten sich von den Schilderungen von Emmie Arbel zutiefst betroffen. Der Holocaust-Überlebenden erreichte durch ihre persönlichen Schilderungen, dass die Schüler sich in die Situation dieses kleinen Mädchens während dessen Zeit in dem Konzentrationslager hineinversetzen konnten. Dazu beigetragen hat auch die Übersetzung und anschauliche Erläuterung des auf holländisch gehaltenen Vortrages durch Emmie Arbels Schwägerin, die Kabarettistin und Schauspielerin Alice Hoffmann. red