Die Allianz bröckelt

Die saarländischen Hochschulen müssen sparen. Bisher schien die Front zwischen Landespolitik und Hochschulleitung zu verlaufen. Doch mittlerweile kriselt es auch zwischen Fachhochschule und Universität.

Beim gemeinsamen Feierabendbier konnte man sich die beiden zwar nur schwer vorstellen. Aber das Verhältnis von Volker Linneweber, dem Präsidenten der Universität des Saarlandes, und Wolrad Rommel, dem Rektor der Hochschule für Technik und Wirtschaft, galt gemeinhin als von gegenseitigem Respekt geprägt. Als der Wissenschaftsrat dann Ende Januar sein Gutachten zur saarländischen Hochschullandschaft präsentierte, schien aus dem Psychologen Linneweber und dem Juristen Rommel eine kampflustige Allianz geworden zu sein. Schließlich treffen die Sparvorgaben des Landes beide Institutionen hart. Um sechs bis sieben Prozent sinken die Landesmittel bis 2020, rechnet man die Tarifsteigerungen ein, fehlen den Hochschulen am Ende wohl 20 Prozent. Die Fronten schienen geklärt. Auf der einen Seite die sparwütige Landesregierung, auf der anderen die Hochschulen, mit ihren beiden Leitern an der Spitze.

Doch im Laufe der zermürbenden Spardiskussionen hat die Allianz Risse bekommen. Ausgerechnet das Verhältnis der beiden Leiter, die in Zukunft ja noch viel enger zusammenarbeiten sollen, wirkt brüchig. Spätestens Rommels Vorwurf, die Universität blockiere eine Reform der Wirtschaftswissenschaften (wir berichteten), hat den Konflikt offen zutage treten lassen. Vorwürfe, die Rommel am Dienstag bei der Diskussionsrunde der Industrie- und Handelskammer über die Zukunft der Hochschulen, moderiert von SZ-Chefredakteur Peter Stefan Herbst, wiederholte: "In allen Bereichen außer den Wirtschaftswissenschaften sind wir auf einem guten Weg. Aber dort drehen wir uns im Kreis." Während in den Ingenieursstudiengängen und bei den Gesundheitsberufen die Kooperationsverhandlungen fortschreiten, wirkt bei den Wirtschaftswissenschaften eine Einigung ferner denn je. Der implizite Vorwurf: Linneweber habe seine Mitarbeiter nicht unter Kontrolle. Der hingegen verteidigte am Dienstag seine Professoren: "Wir bilden an der Uni ganz unterschiedlich aus. Das ist mit den Ingenieuren nicht vergleichbar."

Doch die Zeit drängt. Im Juni wollen die Arbeitsgruppen unter Susanne Reichrath (CDU), der Beauftragten der Landesregierung für die Hochschulen, ihre Ergebnisse präsentieren. Linneweber hingegen plant, demnächst ein neues Konzept für eine Universität der Großregion vorzustellen. Die Universitäten der Region sollen enger zusammenarbeiten. Ob das allerdings alleine reicht, die Sparvorgaben zu erfüllen, scheint fraglich. Das weiß auch Linneweber. Und so setzt er Hoffnungen in die neun Milliarden Euro, die die große Koalition in Berlin für Bildung und Wissenschaft versprochen hatte. Doch dort streitet man sich noch über Wege, das Geld zu verteilen. Es könnte also zu spät im Saarland ankommen.