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DGB: Arbeit muss Existenz sichern

DGB: Arbeit muss Existenz sichern

Neunkirchen. Mehr als 300 Städte in Deutschland hat der "Mindestlohn-Truck" des DGB bereits bereist. In Neunkirchen machte er zwischen Saarbrücken und Merzig Station. Das Interesse hier sei erfreulich gewesen, so Thomas Schulz, Sprecher des DGB Saar, gestern auf SZ-Anfrage. Überlebensgroße Puppen hatten sich am vergangenen Mittwoch über den Stummplatz bewegt

Neunkirchen. Mehr als 300 Städte in Deutschland hat der "Mindestlohn-Truck" des DGB bereits bereist. In Neunkirchen machte er zwischen Saarbrücken und Merzig Station. Das Interesse hier sei erfreulich gewesen, so Thomas Schulz, Sprecher des DGB Saar, gestern auf SZ-Anfrage. Überlebensgroße Puppen hatten sich am vergangenen Mittwoch über den Stummplatz bewegt. Mit ihnen stellten Schüler Krankenschwestern oder Arbeitnehmer im Wachschutz und Reinemacherdienst dar, die trotz Arbeit von ihrem Lohn nicht leben können. Neben dem Haupteingang zum Saarpark-Center stand ein wuchtiger Truck mit der Aufschrift "Arm trotz Arbeit. Deutschland braucht den Mindestlohn". Viele Passanten, so das Fazit des DGB Saar, hätten für einen gesetzlichen Mindestlohn von 7,50 Euro brutto, wie ihn die Gewerkschaft fordert, unterschrieben. So wie eine junge Mutter mit ihrem Sohn, nach eigenem Bekunden allein erziehend und in zwei Jobs arbeitend: "Das darf nicht so bleiben, dass ich von einer Arbeitsstelle nicht leben kann und mir nicht genügend Zeit für mein Kind bleibt."Am Mindestlohn-Truck hatte sich zur Mittagszeit eine illustre Diskussionsrunde zu einem harten, aber fairen Disput eingefunden. Zu ihr gehörte der gelernte Kellner Gerd Bleyer. Er schilderte, dass ihm für vollschichtige, schwere Arbeit als Kellner eine Stelle für 900 Euro brutto im Monat angeboten worden sei. Dies sei beleidigend, aber leider Realität im Saarland und in Deutschland. Die SPD-Landtagsabgeordnete Gisela Kolb sagte, mit Blick auf die europäischen Nachbarn sowie auf die sinkenden Realeinkommen der letzten Jahre sei der Mindestlohn nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Ihr Fraktionskollege, der saarländische DGB-Chef Eugen Roth, ergänzte, dass die Gewerkschaften es sich selbst mit dieser Forderung nicht einfach gemacht hätten. Letztendlich haben aber das leider ständig wachsende Armutsrisiko sowie die sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich den Ausschlag gegeben. Der Metallarbeitgeber-Präsident im Saarland, Georg Weisweiler (FDP), hielt eine staatlich verordnete Lohnuntergrenze dagegen nicht für hilfreich, weil die Gefahr der Vernichtung nicht ausreichend produktiver Arbeitsplätze, die zu hoch bezahlt würden, drohe. red/gth