Der Streit um die Giebelwand

Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag (wir berichteten) konnte neben Nieders Haus in Bexbach auch die ehemalige Synagoge in Homburg und die Limbacher Mühle besichtigt werden. Fachleute gaben erschöpfend Auskunft.

Ohne Zweifel, das Geburtshaus des Sozialreformers Ludwig Nieder (1880 bis 1922) in Bexbach ist ein unbequemes Denkmal. Und damit passte es thematisch ohne Mühe ins Motto des "Tages des offenen Denkmals" am vergangenen Sonntag: "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?" (wir berichteten). Seit Jahren ist das Gebäude im Kreuzungsbereich Rathausstraße und Niederbexbacher Straße mit seiner bröckelnden Giebelwand in Richtung Straße kein Aushängeschild. Und seit Jahren ist dieser Zustand einer, der die Gerichte beschäftigt. Die Kontrahenten: der Eigentümer Hans-Joseph Britz und die Bexbacher Verwaltung. Am Sonntag verdeutlichte Britz seine Sicht der Dinge. Und die steht für die Verantwortung der Stadt, als Eigentümer der Hälfte der besagten Giebelwand auch für deren Sanierung einzutreten, immerhin zeige ein Grenzpunkt, dass Bexbach Miteigentümer des maroden Mauerwerks sei - eine eher unübliche Situation.

Dass diese Sanierung dringend notwendig ist, das machte am Sonntag ein Blick ins Innere des Baudenkmals deutlich - nasse Wände machen ein Wohnen in einigen Räumen unmöglich. 1999 erwarb Britz das Nieder'sche Anwesen, "aus Idealismus", wie er am Sonntag sagte. Und bis vor eineinhalb Jahren wohnte er auch dort. "Doch dann ging es einfach nicht mehr. Man kann nicht mal eine Heizung einbauen, so feucht ist der Bau." Schon vor neun Jahren zog Britz in dieser Angelegenheit vor Gericht, dort sollte geklärt werden, wer denn nun in dieser recht kuriosen Eigentümer-Situation rund um die Giebelwand tatsächlich in der Pflicht ist. Nach vielem Hin und Her, unterschiedlichen Gutachten und Einschätzungen stand ein Vergleich. So ist die Stadt verantwortlich für die Sanierung der Giebelwand im unterirdischen Bereich, Hans-Joseph Britz für den Teil, der sichtbar ist - so der Stand der Dinge.

Doch eine Nachfrage bei Wolfgang Imbsweiler, dem für das städtische Bauwesen zuständigen Beigeordneten, brachte gestern weiteres Ungemach zu Tage. Zwar bestätigte Imbsweiler den Vergleich, machte aber auch klar, dass man gegenwärtig noch auf der Suche sei nach einem Bauleiter, "der das Risiko einer solchen Baumaßnahme übernimmt. Denn die ist nicht ganz ungefährlich". Und erst wenn diese Suche erfolgreich sei, könne man ein Unternehmen damit beauftragen, mit den Untergrund-Arbeiten zu beginnen.

Neben dem Haus Nieder in Bexbach standen auch die Türen der Limbacher Mühle und der ehemaligen Synagoge in Homburg am Sonntag offen. Dort waren es unter anderem Ulla Feifel vom Freundeskreis der Synagoge und Michael Emser, der städtische Abteilungsleiter Denkmalpflege, die Auskunft gaben. Emser verdeutlichte, dass sich die Arbeiten an der Ruine der Synagoge in den zurückliegenden Jahren ausgezahlt hätten. "Wenn man in diesem Raum steht und sieht, was wir mit Entrümpelung und Mauerwerkssanierung erreicht haben, dann können wir schon stolz sein."

Die Zukunft dieser mahnenden Erinnerung an ein dunkles Kapitel deutscher und Homburger Geschichte, Stichwort Pogromnacht und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im Dritten Reich, soll offener werden. Feifel vom Freundeskreis der Synagoge: "Wir möchten in der Zukunft einmal in der Woche die besondere Atmosphähre des Raumes am Nachmittag als Ort der Begegnung und des Gesprächs nutzen."