Der Schaumberg ist wieder spitze

Der Schaumberg ist wieder spitze

Wer in den Gemeinderat will, der will seine Ideen auch verwirklichen. Die SZ hat die Spitzenkandidaten deshalb darum gebeten: Nennen Sie uns die drei wichtigsten Ziele Ihrer Partei in der kommenden Amtszeit des Gemeinderates Tholey. Hier die Antworten.

33 Sitze sind im Tholeyer Gemeinderat am Sonntag, 25. Mai, zu vergeben. Vier Parteien bewerben sich. Ausführliche Infos zur Wahl in Tholey bietet die SZ heute auf dieser Seite. Seinem Namen als Hausberg des Saarlandes macht er wieder alle Ehre, der Schaumberg in Tholey. Zehntausende Menschen haben ihn und den sanierten Turm seit der Eröffnung im August des vergangenen Jahres schon besucht. Allein in den ersten beiden Monaten nach der Wiedereröffnung passierten auf dem Weg zum Turmplateau in 37,5 Meter Höhe 20 500 Besucher das Drehkreuz am Fuße des Turmes.

Die Sanierung des Turmes und die Neugestaltung des dazu gehörigen Bergrückens auf dem 569 Meter hohen Berg war das aufwendigste Projekt in der zu Ende gehenden Amtszeit des Gemeinderates Tholey. 7,5 Millionen Euro hat die Gemeinde mit Zuschüssen von Land, Bund und EU dort investiert. Der Turm erhielt einen gläsernen Aufzug, eine völlig neue Technik sowie Ausstellungsräume. Die Mobilfunk-Firmen haben ihre Anlagen erneuert.

Das Turmplateau selbst ist nicht mehr wiederzuerkennen. Große Resonanz findet die Gaststätte, die Schaumbergalm, samt Biergarten und Kinderspielplatz. Über den Hang hinaus führt direkt in der Nähe der Alm ein Steg mehrere Meter über den Abgrund, es gibt ein Kunstwerk, eine Freiluftarena. Und sogar einen Buswendeplatz. Wanderwege runden das Angebot ab, darunter auch der Herzweg, dessen Eingangsbereich ebenfalls neu gestaltet wurde.

Aber nicht nur am Schaumberg hat die Gemeinde Tholey investiert, auch in allen Ortsteilen. Die Grundschule in Theley ist saniert, der Kindergarten in Sotzweiler neu gebaut, der in Überroth-Niederhofen erneuert. Die Löschbezirke in Theley und Tholey haben neue Gerätehäuser, in Hasborn wird das Wertstoffzentrum gut angenommen. Hallen und Dorfgemeinschaftshäuser wurden modernisiert. Platz für neue Firmen ist im Industriepark BAB 1. Das 15 Hektar große Areal wurde im März 2012 eingeweiht.

Das größte Sorgenkind von Tholey steht in Sichtweite des Schaumbergturmes, das Erlebnisbad. Dessen Defizit macht der Gemeinde angesichts der Schuldenbremse immer mehr zu schaffen. Einig aber war sich der Rat, dass dieses Bad so lange wie möglich erhalten werden soll, schließlich ist es ein weiterer Publikumsmagnet in der Kommune, zieht jedes Jahr fast 200 000 Menschen an.

Trotz der vielen Investitionen in den vergangenen Jahren, Tholey muss auch sparen, denn die Ausgaben eines Jahres übersteigen wie in vielen Kommunen des Landes die Einnahmen. Tholey muss so seinen Haushalt jedes Jahr um 240 000 Euro verbessern, durch Mehreinnahmen oder auch Minderausgaben. Bisher ist dies gelungen.

Gewählt haben die Tholeyer zwischen den Kommunalwahlen 2009 und 2014 in der Direktwahl ihren Bürgermeister. Mit 82,2 Prozent der Stimmen bestätigten sie den Amtsinhaber Hermann Josef Schmidt (CDU) im Amt. Heike Schreiber (SPD) kam auf 17,8 Prozent.

Seit der Kommunalwahl 2009 ist der Tholeyer Gemeinderat bunter geworden. Von 2004 bis 2009 teilten sich CDU (24) und SPD (9) die 33 Sitze im Gemeinderat. 2009 gingen mit den Grünen, FDP und den Linken drei weitere Parteien ins Rennen. Die CDU kam auf 58,7 Prozent (minus 9,8 Prozentpunkte), die SPD auf 23,6 Prozent (minus 3,8 Punkte), die Grünen auf 4,0 Prozent (minus 0,1 Punkte). Erstmals traten FDP und Linke an. Die FDP erreichte 4,8 Prozent, die Linke 8,9 Prozent. Wegen des Wegfalls der Fünf-Prozent-Hürde sind alle im Rat vertreten.

So hat die CDU nach wie vor eine große Mehrheit von 20 Sitzen, die SPD kommt auf acht, die Grünen und die FDP auf jeweils einen. Die Linke eroberte drei Sitze. Zwei Linken-Politiker traten allerdings später aus der Partei aus und gründeten die Fraktion Freie Bürgerbewegung.

Viele Beschlüsse hat der Rat einstimmig gefällt. Gab es Diskussionen und unterschiedliche Meinungen, so haben die Fraktionen diese in sachlicher Atmosphäre ausgetragen.

Für den neuen Gemeinderat bewerben sich mit CDU, SPD, Grüne und Linke noch vier Parteien. Die FDP tritt nicht mehr an, ebenso nicht die Freie Bürgerbewegung. Mehr zu den Zielen der Parteien steht in einem weiteren Artikel auf dieser Seite.CDU: Bürgermeister Hermann Josef Schmidt führt als Spitzenkandidat seiner Partei die Gebietsliste an. Schmidt ist 57 Jahre, verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Tholey. Mit seiner Kandidatur will Schmidt die CDU unterstützen, als Bürgermeister kann er das Gemeinderatsmandat aber nicht annehmen. Auf den nächsten vier Plätzen der CDU-Gebietsliste folgen Elisabeth Biwer, Lindscheid, Thomas Naumann, Theley, Martin Backes, Hasborn-Dautweiler, Hans-Herbert Scheid, Sotzweiler.

SPD: Andreas Türk aus Scheuern ist Spitzenkandidat der SPD in der Schaumberggemeinde Tholey. Türk ist 40 Jahre, verheiratet, er hat zwei Kinder und arbeitet als Informationselektroniker. Die nächsten vier Kandidaten der SPD sind: Ruth Kirch, Theley, Armin Schütz, Hasborn-Dautweiler, Rosemarie Steinlechner, Tholey, und Walter Schütze, Sotzweiler.

Linke: Christof Falkenhorst aus Tholey bewirbt sich als Spitzenkandidat der Linken erneut um einen Sitz im Gemeinderat. Falkenhorst ist 53 Jahre, verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Sicherheitsfachkraft und arbeitet als Selbstständiger. Auf Platz zwei der Liste steht Rainer Himbert aus Hasborn, Platz drei: Dennis Bard, Theley.

Grüne: Ewald Müller bewirbt sich für eine weitere Amtszeit im Gemeinderat von Tholey als Spitzenkandidat der Grünen. Müller ist Jahrgang 1963, verheiratet, hat drei Kinder. Der Malermeister wohnt in Theley. Auf den Listenplätzen zwei und drei folgen Nicole Schlaup und Lars Schlaup aus Theley. Hermann Josef Schmidt (CDU): 1. Bewältigung der demographischen Entwicklung: Verhinderung von Abwanderung, Erhaltung der öffentlichen Infrastruktur, Bewältigung der Leerstandsproblematik, Erhaltung der ehrenamtlichen Strukturen, Unterstützungsleistungen für Senioren und Pflegebedürftige. 2 Konstruktiver Umgang mit Sparzwängen: klug sparen, zukunftsfähige Infrastruktur aufbauen, Weiterentwicklung von Tourismus und Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze. 3. Attraktive Gemeinde mit hoher Wohn- und Freizeitqualität für alle Generationen in einer gesunden Umwelt: klimaschützender Energiemix, Erhalt der Naturlandschaft, bedarfsgerechter ÖPNV, familienorientierte Angebote, Aktivierung von Bauplätzen, Stärkung der Ortsmitten und Durchgangsstraßen, kulturelle Vielfalt und Erhalt der Sport- und Freizeitinfrastruktur, Förderung von Solidarität und Mitmach-Kultur.

Andreas Türk (SPD): Die wichtigsten Ziele: 1. Erhalt der vorhandenen Infrastruktur einschließlich ÖPNV vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung. Ein wichtiges Instrument sehen wir in dem von uns initiierten Leerstandsmanagement. Hier muss noch stärker unterstützt werden, um speziell die Ortskerne lebendig zu erhalten. 2. Verbesserung der finanziellen Situation der Gemeinde, damit verbunden vor allem Defizitsenkung Schaumbergbad. Das Bad ist eine wichtige soziale Einrichtung in unserer Gemeinde, welches wir erhalten wollen. Eine andere Eigentümerstruktur ist gerecht und sinnvoll. 3. Erhalt der vorhandenen und Schaffung neuer, wohnortnaher Arbeitsplätze, zum Beispiel die Vermarktung des Industriegebiets BAB1. Wohnortnahe Arbeitsplätze sehen wir als einen wichtigen Standortfaktor für eine zukunftsfähige Gemeinde, mit dem angenehmen Nebeneffekt von Gewerbesteuereinnahmen.

Christof Falkenhorst (Linke): 1. Erhalt und Neuansiedlung von Handwerk und Mittelstand. 2. Sichere Schulwege, Schulbusse, 3. ÖPNV: Dass auch weiterhin die kleinen Ort, zum Beispiel das Bohnental, zu bezahlbaren Preisen angefahren werden. Allgemein: Wir in den Kommunen, Kreisen und Städten müssen uns energisch dagegen wehren, dass wir auf Kosten der Bundes- und Europapolitik kaputtgespart werden. Die Wende dieser Politik müssen wir anstoßen. Wie sollen wir in Zukunft unserer Verpflichtung gegenüber den Bürgern ohne jeglichen finanziellen Spielraum noch gerecht werden. Immer öfter stehen wir vor der Frage der Schließung von Hallen, Bädern und Museen. So kann und darf es nicht weitergehen. Unsere Kommunen dürfen wir nicht ausbluten lassen.

Ewald Müller (Grüne): Die drei wichtigsten Ziele im Gemeinderat Tholey für die nächste Wahlperiode sind: 1. Kinder-, Jugend- und Familienförderung in der Gemeinde, damit alle eine Chance haben, am kommunalen Leben teilhaben zu können. 2. Ausbau der Tourismuskonzepte Schaumberg, Ausgrabungsstätte und dörfliche Kultur im Zusammenhang mit den durch Center-Parcs und vor allem dem geplanten Nationalpark gegebenen Möglichkeiten der Aufwertung sowie der wirtschaftlichen Wertschöpfungsmöglichkeiten. 3. Dabei den Natur- und Umweltschutzgedanken weiter voranbringen, damit auch die Gemeinde, im Rahmen ihrer strukturellen und finanziellen Möglichkeiten am Projekt Null-Emission-Landkreis ihren Anteil hat.

Seit August 2013 ist der Schaumbergturm wieder für Besucher geöffnet.
Hermann Josef Schmidt.
Andreas Türk.
Christof Falkenhorst.
Ewald Müller.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Spitzenkandidaten der Parteien in der Gemeinde Tholey für die einzelnen Ortsräte:Bergweiler: CDU: Wolfgang Recktenwald, SPD: Andreas Franz.Hasborn-Dautweiler: CDU: Walter Krächan, SPD: Franz-Josef Löwen, Linke: Rainer Himbert.Lindscheid: CDU: Elisabeth Biwer, SPD: Helmut Risch.Neipel: CDU: Aloysius Berwanger, SPD: Aloysius Risch.Scheuern: CDU: Dietmar Lauck, SPD: Klaudia Warken.Sotzweiler: CDU: Klaus Peter Moutty, SPD: Werner Krämer.Theley: CDU: Friedbert Becker, SPD: Claudia Forster-Bard, Linke: Dennis Bard, Freie Bürgerliste Theley: Elke Neis.Tholey: CDU: Marianne Weicherding, SPD: Gabriele Gläser.Überroth-Niederhofen: CDU: Andreas Groß, SPD: Viktor Schug, Linke: Christof Falkenhorst. vf

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