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Der kleinste Zeitverlust kann tödlich sein

Der kleinste Zeitverlust kann tödlich sein

Es war ein Ernstfall, wie er dieser Tage leicht Wirklichkeit werden könnte: Ein Mann bricht auf dem Bostalsee ins Eis ein und muss gerettet werden. Das war die Ausgangslage für eine Übung, an der Einsatztaucher der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und die Feuerwehren aus Oberthal und Bosen-Eckelhausen teilnahmen

Bislang ist die Eisfläche auf dem Bostalsee offiziell zum Betreten noch nicht freigegeben worden. Das kümmert einen leichtsinnigen Zeitgenossen ("Opfer" Christian Paulus) wenig, er bewegt sich auf dem dünnen Eis und bricht ein. Den Unfall beobachtet ein fiktiver Jogger, der sofort einen Notruf absetzt und eine spektakuläre Tauch- und Eisrettungsübung im Bostalsee beginnt.

Das Thermometer zeigt eine Lufttemperatur von minus fünf Grad, das Wasser ist unter der Eisoberfläche etwa drei Grad warm. "Wer bei einer so niedrigen Temperatur durch einen Eisbruch ins Wasser fällt, hat ohne schnelle Hilfe schlechte Überlebenschancen", erklärt Notarzt Stefan Linsler vorneweg. Im Notfall müsse deshalb alles schnell gehen. Bei dieser Rettungsaktion sind die Feuerwehren aus Oberthal , Bosen-Eckelhausen und die DLRG-Rettungstaucher bereits vor Ort. "Ich muss abschätzen, wo ist die Eisfläche tragfähig, wo ist sie brüchig", sagt Einsatztaucher Bernd Besch. Über ihm fahren die Feuerwehrmänner die Drehleiter mit dem Rettungsschlitten aus, Moritz Mathieu sichert Besch mit einer Leine. Vorsichtig robbt sich der 100-Kilogramm-Hüne in Bauchlage über die zwischen fünf bis acht Zentimeter dicke Eisfläche zum eingebrochenen "Opfer" Paulus. "Wegen des Bergungstodes darf der Verunglückte nur so wenig wie möglich bewegt werden", sagt Notarzt Linsler. Behutsam wird das unterkühlte "Opfer" aus dem Eisloch geborgen und in den Rettungsschlitten gelegt. Per Handzeichen fordert Besch den Kollegen Mathieu zur Unterstützung an. "Man muss schnell handeln, jede Zeitverzögerung kann tödlich sein", betont Besch.

Umso wichtiger sei es, dass man während einer realen Übung die Vor- und Nachteile der verschiedenen Rettungsmöglichkeiten testen könne, weiß Besch. Paulus ist für den Transport vorbereitet und wird im Rettungsschlitten von den Tauchern zur medizinischen Versorgung an Land geschoben. "Bei einer Unterkühlung darf man dem Unfallopfer die Kleidung nicht ausziehen. Mit Infusionen muss von innen seine Körpertemperatur aufgewärmt werden", so Notarzt Linsler.

Im Wasser hat für das "Opfer" während der Rettungsaktion keine Gefahr bestanden. "Eigentlich, so kalt habe ich es im Wasser gar nicht empfunden. Ich war für die Übung gut genug geschützt", schildert der Oberthaler Feuerwehrmann Paulus.

An einem zusätzlich geschlagenen Eisloch üben die Taucher die Personensuche unterhalb der Eisfläche . "Da bekommt man schnell ein komisches Gefühl, wenn sich über einem eine dicke Eisschicht befindet und man nicht eben mal auftauchen kann", berichtet Einsatztaucherin Carina Freichel. Eine Signalleine gibt den Tauchern Sicherheit und dient zur Kommunikation mit dem Leinenmann am Seeufer. "Ein Tauchgang dauert rund zwanzig Minuten", erzählt Freichel. Getaucht wird in einem sogenannten Scheibenwischerverfahren, um den See systematisch nach vermissten Personen abzusuchen.

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Auf einen BlickAn der Tauch- und Eisrettungsübung haben 30 Einsatzkräfte, darunter Einsatztaucher ders DLRG-Landesverbandes Saar und Feuerwehrmänner aus den Löschbezirken Oberthal und Bosen-Eckelhausen teilgenommen. Der Lehrgang diente der Aus- und Fortbildung von Tauchern und Taucheinsatzführer. frf