Der Fichte fehlen die Freunde

Kreis Neunkirchen. "Oh Tannenbaum", eines der beliebtesten Weihnachtslieder, hätte in früheren Jahren eigentlich "Oh Fichtenbaum" gesungen werden müssen. Doch die Fichte musste ihrem schlechten Ruf Tribut zollen. Ihre spitzen, harten Nadeln pieksen beim Dekorieren

Kreis Neunkirchen. "Oh Tannenbaum", eines der beliebtesten Weihnachtslieder, hätte in früheren Jahren eigentlich "Oh Fichtenbaum" gesungen werden müssen. Doch die Fichte musste ihrem schlechten Ruf Tribut zollen. Ihre spitzen, harten Nadeln pieksen beim Dekorieren. Noch unangenehmer ist ihre Unart, nach dem Aufstellen im gut geheizten Wohnzimmer ratzfatz diese harten Nadeln abzuwerfen wie ein Wildpferd seinen Reiter.Deshalb: "Es gibt einen eindeutigen Trend hin zu den Edeltannen", berichten unisono die von uns befragten Weihnachtsbaumverkäufer im Kreis Neunkirchen. Blautannen, Nordmanntannen, Nobilis oder Congolor, auch Colorado-Tanne genannt, sind etwa bei Hermann Fourman stark nachgefragt. Seit vielen Jahren verkauft er in der Hauptstraße 121 in Illingen in der Adventszeit Weihnachtsbäume, die er mit Helfern selbst schlägt. "Wir fangen damit erst am 10. Dezember an," betont Fourman, "unsere Bäume sind also wirklich ganz frisch." Auf Wunsch werden diese in den Großgemeinden Illingen und Merchweiler auch frei Haus geliefert. Die Bäume wachsen im Hunsrück und im Hochwald, einige auch auf eigenen Kulturen im Saarland.

Wer einen heimischen Weihnachtsbaum möchte, muss jedoch unter Umständen weite Wege in Kauf nehmen. Im Kreis Neunkirchen gibt es nur noch eine Verkaufsstelle vom SaarForst, nämlich in Eppelborn. Im Dienstleistungszentrum im Klingelfloß werden am Samstag, 18. Dezember, von 10 bis 16 Uhr frisch eingeschlagene Fichten und Edeltannen zum Preis von 16 Euro für Fichten, 22 Euro für Blaufichten und 31 Euro für Edeltannen angeboten. Dass es weniger Weihnachtsbäume aus dem heimischen Wald als früher gibt, bestätigt Annette Schmidt von der SaarForst-Öffentlichkeitsarbeit. "Es hat ein, zwei Jahre gegeben, da wurden keine Kulturen angelegt."

Nach Rheinland-Pfalz weicht deshalb auch ein Anbieter aus, der auf einem Parkplatz Im Solch in Merchweiler frisch geschlagene Bäume aus Bitburg verkauft. Die Nordmanntannen gehen hier auf Größe, die Blautannen kosten 25 Euro. Noch etwas teurer sind die Nobilistannen. "Aber wenn man etwas wirklich Gutes will, muss man schon ein bisschen mehr ausgeben", findet der 40-Jährige.

So sieht es auch Markus Spoo, dessen Vater bereits auf dem Eisweiher in Neunkirchen Weihnachtsbäume verkauft hat. Er setzt seit Jahren die Tradition fort, selbst wenn der Markt durch die Billig-Konkurrenz der Baumärkte schwieriger geworden ist. Spoo bringt gerade eine frische Lieferung auf den Platz, als sich das Ehepaar Klaus und Marianne Vester nach einem Baum umschaut. Die beiden suchen eine gleichmäßig gewachsene Edeltanne und lassen sich einige "Modelle" vorführen. "Je mehr man sieht, desto schwieriger wird die Entscheidung", weiß Manfred Spoo, der dem Ehepaar, das vor 37 Jahren aus München ins Saarland kam und blieb, ein duftendes Exemplar verkaufen kann.

Geschmückt wird dieses im Hause Vester mit traditionellem Baumschmuck, also handgemachten Strohsternen und Strohengeln. Darauf freuen sich schon die Enkel und Urenkel.

Auf einen Blick

Im Kreis Neunkirchen bieten auch Vereine Weihnachtsbäume zum Verkauf. manche mit einem kleinen musikalisch-kulinarischen "Begleitprogramm". So verkaufen ehrenamtliche Naturschützer des NABU Schiffweiler am Samstag, 18. Dezember, an der Freizeit-Anlage am Mühlbach-Stadion Rot- und Blau-Fichten sowie Nordmanns-Tannen in allen Größen. Der Verkauf erfolgt am Vormittag ab Tagesanbruch. In der benachbarten Hütte werden Käufer mit Gebäck und warmen Getränken verwöhnt. Selbst geschlagene Bäume bietet auch die CDU Lautenbach an. Der Verkauf findet statt am Samstag, 18. Dezember, ab 14 Uhr am Lautenbacher Feuerwehrgerätehaus. Und in Dirmingen verwendet der Kulturverein die Einnahmen aus dem Baumverkauf für Projekte in Dirmingen. Ebenfalls am Samstag, 18. Dezember, beginnt in der Dirminger Ortsmitte vor dem Klese Keller die Verkaufs-Aktion, die bis zum 23. Dezember läuft. Der Dirminger Kulturverein sorgt dabei an einigen Tagen für ein musikalisches Programm. An allen Verkaufstagen gibt es im Klese Keller leckeren Glühwein und knuspriges Gebäck. red