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Der "Dachs" ist weit hungriger als versprochen

Der "Dachs" ist weit hungriger als versprochen

Wiebelskirchen. Der Dachs in seinem Keller ist Wolfgang Quack viel zu gefräßig. Der "Dachs" ist in diesem Fall ein kleiner kompakter Kasten, der Strom und Wärme erzeugt. Das Ganze nennt sich Blockheizkraftwerk (BHKW)

Wiebelskirchen. Der Dachs in seinem Keller ist Wolfgang Quack viel zu gefräßig. Der "Dachs" ist in diesem Fall ein kleiner kompakter Kasten, der Strom und Wärme erzeugt. Das Ganze nennt sich Blockheizkraftwerk (BHKW). Das Erzeugnis der Firma Senertec mit dem Fabrikatnamen "Dachs" schluckt nach den Berechnungen Quacks eine gute Portion mehr Erdgas als vom Anbieter versprochen.Der Wiebelskircher hatte sich vor mehr als drei Jahren dazu entschieden, ein Mini-Blockheizkraftwerk in den Keller seines Zweifamilienhauses zu stellen - um Energiekosten zu sparen und der Umwelt etwas Gutes zu tun. Er war damit der dritte Betreiber einer solchen Kleinanlage zur Kraft-Wärme-Kopplung in Neunkirchen - bei diesem Trio ist es dann seither geblieben."Ich würde das heute nicht mehr machen", sagt Quack im Rückblick. Grund: Das Vertriebs-Center, das ihm das Mini-BHKW schmackhaft gemacht habe, habe zu viel versprochen. Nämlich eine schriftlich garantierte Einsparung von mehr als 1900 Euro im Jahr gegenüber seiner bis dahin betriebenen Erdgas-Heizung. Womit sich die 25 000-Euro-Investition (3000 Euro davon schießt ein Förderprogramm des Bundes zu) in etwa elf oder zwölf Jahren amortisiert hätte.Eine Rechnung, deren Fehlerhaftigkeit Wolfgang Quack schnell auf die Spur kam. Nicht nur, dass der zu erzielende Preis beim Einspeisen des erzeugten Stroms ins Netz vom Anbieter optimistisch hoch angesetzt sei. Viel gravierender sei, dass der Verbrauch an Primärenergie (in diesem Fall Erdgas) durch das BHKW selbst nach Abzug einer Toleranzgrenze um mehr als zwölf Prozent höher sei als angegeben. "Das ist, wie wenn man ein Auto kauft, das sich entgegen der angegebenen Verbrauchswerte als Spritschlucker entpuppt - nur, dass hier die Fahrweise keine Rolle spielt", stellt Quack fest. Denn die Kosten pro Betriebsstunde seien klar fixiert und nicht beeinflussbar.So habe er im ersten Betriebsjahr vordergründig nur 650 Euro eingespart. Und wenn er einrechne, dass seine Investitionskosten als Kapitalanlage 800 Euro Zinsen (kalkulierter Zinssatz: 3,35 Prozent) gebracht hätten, seien es sogar 150 Euro Verlust gewesen. Unter denselben Vorzeichen seien 2008 dank besserer Preise an der Strombörse 300 Euro Gewinn geblieben. Und zu berücksichtigen sei darüber hinaus, dass die 5,11 Cent Extravergütung pro Kilowattstunde Strom, die das BHKW produziert, nur für zehn Jahre garantiert seien. Unter diesen Prämissen, so hat der Wiebelskircher errechnet, werfe sein "Dachs" erst nach 80 Jahren Gewinn ab. Angesichts dieser Zahlen beschritt Wolfgang Quack den Rechtsweg und verklagte den Anbieter auf Nachbesserung. Sein Pech: Der Lieferant, das Senertec-Center Saar-Mosel, ging mittlerweile in Insolvenz. Und ein Nachfolge-Center am gleichen Ort mit weitgehend identischem Personal gilt offenbar nicht als Rechtsnachfolger und lehnt auch eine Kulanzregelung ab. So bleibt dem Wiebelskircher Rentner in spe wohl nichts anderes übrig, als seinen gefräßigen "Dachs" weiter durchzufüttern.

HintergrundBlockheizkraftwerke sind kompakte Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung. Sie bestehen meist aus einem Verbrennungsmotor, der über einen Generator Strom erzeugt und die Motorwärme für Heizung und Warmwasserbereitung nutzt. Der Strom wird - soweit benötigt - im Haus verbraucht, überschüssiger Strom wird ins Stromnetz eingespeist, also verkauft. Beim Einsatz eines Blockheizkraftwerks mit einem Wirkungsgrad von 90 Prozent werden etwa 65 Prozent Wärme und 25 Prozent Strom erzeugt, verloren gehen nur zehn Prozent der eingesetzten Energie. gthAuf einen BlickDer Neunkircher Energieversorger KEW beteiligt sich nach eigenen Angaben in Sachen Blockheizkraftwerke an einem Feldversuch, der in diesem Jahr anläuft. Dabei werde unter Experten-Begleitung unter anderem die Effizienz von Mini-BHKWs für Ein- und Mehrfamilienhäuser getestet. gth