Der Betrug kommt per E-Mail

St. Wendel/Türkismühle. Gauner haben es zurzeit offensichtlich verstärkt auf den Landkreis St. Wendel abgesehen. Denn die Polizei registriert nicht nur zahlreiche Wohnungseinbrüche, wobei die Beamten auf Grund der jeweiligen Vorgehensweise in allen Fällen von den selben Tätern ausgehen (wir berichteten). Jetzt suchen laut Ermittler auch noch Betrüger ihre Opfer in der Region

St. Wendel/Türkismühle. Gauner haben es zurzeit offensichtlich verstärkt auf den Landkreis St. Wendel abgesehen. Denn die Polizei registriert nicht nur zahlreiche Wohnungseinbrüche, wobei die Beamten auf Grund der jeweiligen Vorgehensweise in allen Fällen von den selben Tätern ausgehen (wir berichteten). Jetzt suchen laut Ermittler auch noch Betrüger ihre Opfer in der Region. Die jüngste Masche schildert Reiner Alles, stellvertretender Leiter der Polizei in Türkismühle: Per E-Mail aus dem Ausland suchen Unbekannte den Kontakt zu Ferienwohnungsbesitzern. "Es wird ein TV-Team angekündigt, das gleich für vier Wochen die Wohnung mieten will." Die Reservierungsanfrage, ob die Unterkunft frei ist und was sie für den besagten Zeitraum kostet, ist meist auf Englisch verfasst. Alles: "Auf die Besitzer wirkt diese Anfrage natürlich verlockend, weil sie auf den ersten Blick eine sichere Einnahmequelle über einen längeren Zeitraum verspricht." Die Angesprochenen antworteten auch prompt. Einige Tage später flattere ein Scheck bei den Wohnungsbesitzern im Landkreis ein. "Doch statt der eigentlichen Mietsumme ist der Scheck deutlich überdotiert." Statt beispielsweise der 2000 Euro liege der Betrag um die 5000 Euro. Der vermeintliche Kunde fordere vom Vermieter kurz darauf, den überschüssigen Betrag auf ein ausländisches Konto zu überweisen. Polizeihauptkommissar Alles warnt: Bloß kein Geld überweisen. Denn die Schecks seien in der Regel nicht gedeckt. Damit sei das aufs fremde Konto überwiesene Geld pfutsch.Warnung per RundbriefAuf diese üble Masche habe bereits die Tourist-Info im Landkreis mit Rundschreiben an Ferienwohnungsbesitzer reagiert und davor gewarnt. Alles: "Bislang kam es im Polizeibezirk St. Wendel glücklicherweise nur zu zwei Anzeigen." Aber täglich gingen derartige Reservierungsanfragen ein. "Eine seriöse Anfrage ist in der Regel immer durch einen offiziellen Absender sowie eine offizielle E-Mail-Adresse erkennbar", weist Reiner Alles hin. Info: Polizei in St. Wendel, Tel. (0 68 51) 89 80.

HintergrundAuch Privatleute können Opfer dubioser E-Mails werden - wenn sie sich auf die darin enthaltenen Forderungen einlassen. Laut Polizei erreichen betrügerische Schreiben zurzeit auch Haushalte in der Region, in denen unerwarte Nachlässe verstorbener Verwandten versprochen werden. Diese Vermögen sollen in einigen Fällen sogar in die Millionen gehen. Um an das Geld zu kommen, bitten die scheinheiligen Informanten ihre gutgläubigen Opfer darum, ihre Kontendaten anzugeben. Dann werde die Summe umgehend überwiesen. Zuvor allerdings werde eine Bearbeitungsgebühr fällig, die auf ein Auslandskonto überwiesen werden soll. Die Ermittler warnen eindringlich davor, auf diese Forderungen einzugehen. Denn die so genannte Nigeria-Connection, die in vielen Fällen hinter diesen Machenschaften stecke, nutze die ausgekundschaften Konten oftmals, um zusätzlich Geld abzubuchen. Neben E-Mails gingen die kriminellen Schreiben auch per Fax und ganz klassisch per Brief ein. Nach Polizei-Erfahrung funktioniere dieser Trick bei einem von 100 Empfängern. hgn