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Der Berg ruft, Schedler antwortet

Der Berg ruft, Schedler antwortet

Saarbrücken. Wenn sich der Mönch hinter der Jungfrau erhebt, gerät Martin Schedler ins Schwärmen. Aber erst der Dritte im Bunde, der Eiger, komplettiert den prachtvollen Anblick. "Das Panorama ist nicht zu übertreffen", sagt der 31-jährige Bergläufer

Saarbrücken. Wenn sich der Mönch hinter der Jungfrau erhebt, gerät Martin Schedler ins Schwärmen. Aber erst der Dritte im Bunde, der Eiger, komplettiert den prachtvollen Anblick. "Das Panorama ist nicht zu übertreffen", sagt der 31-jährige Bergläufer. Das Schweizer Jungfrau-Gebirge im Berner Oberland mit den drei markanten Gipfeln ist für ihn "die schönste Marathonstrecke der Welt". Nicht nur deswegen wird der Eppelborner, der für das Leichtathletik-Zentrum (LAZ) Saarbrücken startet, sie in bester Erinnerung behalten.Schedler ist am Sonntag vor einer Woche beim Jungfrau-Marathon über durchschnittlich 1829 Höhenmeter mit der Herrenmannschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) auf den dritten Platz gelaufen - und hat damit Bronze bei der Berglauf-Weltmeisterschaft geholt. "Es ist das schönste Ereignis meines bisherigen Lebens, meine Träume sind in Erfüllung gegangen", beschreibt der Athlet seinen "völlig überraschenden" Erfolg.

Als 29. von gut 3800 Startern lief er ins Ziel, verbesserte seine Zeit von vor drei Jahren um sechs Minuten auf 3:18,19 Stunden. "Ich war sehr zufrieden mit meiner Leistung. Aber als ich im Ziel erfahren habe, dass wir mit der Mannschaft die Bronzemedaille gewonnen haben - mehr kann man sich nicht wünschen", sagt er überwältigt.

Für diesen Erfolg hat er hart trainiert. Er sei sehr ehrgeizig, laufe 20 "ernsthafte Wettkämpfe" im Jahr. "Trainingsweltmeister" steht in seinem Läuferprofil als Schwäche. "Das ist mit einem Augenzwinkern zu sehen", sagt der Knappschafts-Beamte. "Aber in der Vergangenheit konnte ich nicht immer das zeigen, was ich zeigen wollte. Daher ist die Medaille auch eine Genugtuung."

Acht Mal die Woche schnürte er seine Laufschuhe in der Vorbereitung. Lange Ausdauerläufe, auf der Bahn, im Feld oder auf sämtlichen Hügeln des Saarlandes; auch Sprints standen im Trainingsplan. "Alle zwei, drei Wochen bin ich in die Berge gefahren. Dort kann ich mehr Höhenmeter laufen. Zehn Kilometer lange Strecken bergauf sind dort leichter möglich", erklärt Schedler.

Der Sport hat seinen Preis: "Man muss schon einiges auf sich nehmen. Für das Training nehme ich einen Großteil meines Jahresurlaubs", sagt er. Es scheint sich zu lohnen, wie seine Erfolge beweisen. Und letztlich "ist alles eine Sache des Zeitmanagements." Seine "Sportlerfamilie", wie er sagt, unterstützt ihn, Schwester Michaela ist selbst erfolgreiche Marathonläuferin. "Als ich aus der Schweiz wiederkam, hat mir meine Familie einen tollen Empfang bereitet und ein kleines Fest gegeben."

Noch lange nicht satt

Satt ist Martin Schedler von seinem Erfolg aber noch längst nicht. Seine Regenerationszeit beginne erst im November. "Als Sportler willst du dich immer verbessern. Wenn nicht, kannst du auch gleich aufhören", meint er. Daher will er in diesem Jahr unter anderem an dem "Keep-on-Running"-Lauf in St. Wendel Anfang Oktober teilnehmen. "Das ist einer von zwölf Wettkämpfen meines Sponsors. Sechs aus der Reihe werden gewertet", erklärt er. Derzeit ist er Zweiter, sein Fokus lag bisher auf der WM-Vorbereitung. "Aber natürlich ist es mein Ziel, noch vorne zu landen", sagt er mit einem Lachen - auch, wenn das Panorama nicht ganz mithalten kann.