„Den Kindern geht es besser“

„Den Kindern geht es besser“

Zwei Kinderheime, Häuserbau für Witwen, Unterstützung für aidskranke Kinder. Und und und. Die Indienhilfe des Jochen-Rausch-Zentrums ist seit Jahren in Südindien aktiv. Projektleiter Peter Adams berichtet von seinem jüngsten Besuch.

Die Witwe Shaila Lakshmi mit ihren und Nachbarskinder vor dem neuen Haus, finanziert von Hasborner Grundschülern.
Peter Adams hilft bei der Ausgabe von Lebensmitteln für an Aids erkrankte Kinder und ihre Familien.
Dankesschild am Haus der Witwe Lakshmi.
Die Kinder des St. Michaels-Heimes und ihre Mütter freuen sich über neue Kleider, ein willkommenes Weihnachtsgeschenk.

14. Januar 2014 in der Nähe von Duraikudieruppu: Für die Witwe Shaila Lakshmi und ihre drei Kinder ist ein Festtag. Heute wird hier neues Haus eingeweiht. Ein kleines einfaches Haus mit zwei Zimmern. Für die arme Familie, die kaum genug Geld zum Überleben hat, geht ein Traum in Erfüllung.

Erfüllt haben diesen 210 Schüler der Grundschule Hasborn-Dautweiler, fast 8000 Kilometer Luftlinie entfernt. Sie haben im Sommer letzten Jahres einen Hungermarsch organisiert und dabei 5100 Euro eingenommen. Geld, das sie der Indienhilfe des Jochen-Rausch-Zentrums gespendet haben. Geld, das ohne einen Cent Verwaltungskosten für die Ärmsten in Südindien verwandt wird. Und mit diesem Geld und mit Mitteln des Hungermarsches St. Wendel wurde ein weiteres Witwenhaus im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu gebaut.

Peter Adams, ehrenamtlicher Projektleiter der Indienhilfe, der jedes Jahr mehrere Wochen vor Ort verbringt, war bei der Einweihung der Häuser dabei. Wenige Tage zuvor legte er den Grundstein für das 100. Haus. "Für eine arme Witwe mit sechs Kindern von vier bis 17 Jahren, der Vater ist vor einem Jahr an Krebs gestorben", sagt Adams. Witwen gehören laut Adams zu den Ärmsten der Armen in Indien. Zum einen, weil der Ernährer fehlt, die Frauen kaum genug für den Unterhalt verdienen. Dann fehlt auch das Geld für eine vernünftige Schulausbildung der Kinder. Zum anderen, weil die Witwen sehr auf das Wohlwollen der Familien des verstorbenen Mannes angewiesen sind, in der sie traditionsgemäß leben. Im eigenen Haus haben die Frauen und ihre Kinder ein sicheres Dach über dem Kopf, verbessern sich ihre Lebensverhältnisse deutlich. Zumal viele der Kinder während der Schulzeit in einem Kinderheim untergebracht sind und sie so regelmäßig die Schule besuchen können.

"Denn Bildung weist den Weg aus der Armut", ist sich Peter Adams sicher. So unterstützt die Indienhilfe des Jochen-Rausch-Zentrums zwei Kinderheime. Das ältestes ist das Kinderheim Shanthi-Bhavan. Bis vergangenes Jahr waren in diesem und dem direkt benachbarten Kinderheim, das von einem deutsch-indischen Verein aus Bonn finanziert wird, Jungen und Mädchen in getrennten Gebäuden untergebracht. Neue Vorschriften der indischen Regierung forderten aber eine noch strengere Trennung von Mädchen und Jungen. Dies hätte umfangreiche und teure Bauarbeiten zur Folge gehabt. So entschlossen sich die Verantwortlichen beider Heime dazu, dass in einem der Heime die Mädchen und in dem anderen die Jungen beherbergt werden, zumal beide Heime unter der gleichen Leitung des örtlichen Caritasverbandes stehen. Im Kinderheim Shanthi Bavhan sind jetzt die Jungen untergebracht. "Das war die beste Lösung", betont Peter Adams. Im Shanthi Bhavan leben 40 Jungen, die die erste bis zwölfte Klasse verschiedener Schulen besuchen.

Das zweite von St. Wendel aus finanzierte ist das St. Michaels-Kinderheim. Weil dieses Grundschulkinder der ersten bis vierten Klasse besuchen und auf dem Gelände von Schule, Heim und Kirche wenig Platz ist, müssen keine so strengen Trennungsvorschriften eingehalten werden. Man habe lediglich weitere Toiletten bauen müssen. Die Mädchen schlafen hier in einem Raum des Hostels, die Jungen in der neuen Schule. 42 Kinder besuchen das St. Michael-Kinderheim.

Finanziert werden beide Heime über Patenschaften. 20 Euro im Monat zahlen die Paten. Damit sind alle Kosten abgedeckt, Essen, Kleidung, Unterkunft und Schulbesuch.

Was den Heimen sehr zu schaffen macht, ist die anhaltende Trockenheit in Südindien, verursacht durch das Ausbleiben des Monsuns. Bohrungen nach Grundwasser geben nicht mehr viel her, so Adams, der Rest müsse mit Tankwagen teuer gekauft werden. Peter Adams: "Wassermangel ist ein großes Problem für die Haushalte, die Schulen, Heime und die Landwirtschaft. Mit der Folge, dass die Preise für das alltägliche Leben rapide steigen." Mit Tausenden von Euro, vor allem aus dem Hungermarsch St. Wendel und Zuschüssen das Landes, hat die Indienhilfe auch den Bau und die Erweiterung der St. Josephs-High-School in Duraikudieruppu finanziert. Diese besuchen mehr als 300 Kinder. Für diese und die Lehrerinnen werden in den großen Schulferien im Mai weitere Toiletten gebaut.

Jüngstes Hilfsprojekt des Jochen-Rausch-Zentrums ist die Unterstützung aidskranker Kinder und Jugendliche mit Lebensmitteln. 21 Kinder werden seit dem vergangenen Jahr versorgt. Jeden letzten Sonntag im Monat kommen die Familien nach Samugai, einem Ort im Bezirk Vallioor, und holen sich ein elf Kilo schweres Paket mit Lebensmitteln ab, von Bohnen über Linsen bis zu Weizenmehl und Palmzucker. 15 Euro kostet so ein Paket pro Kind und Monat. Finanziert wird diese Aktion ebenfalls über Spenden. Der Hintergrund hier: Die unterstützten Kinder kommen ebenfalls aus ärmsten Verhältnissen. Der Staat übernimmt zwar die medizinische Versorgung, viele Kinder sind jedoch nicht richtig ernährt und so anfällig für weitere Krankheiten. Nach fast einem Jahr stellte Peter Adams vor Ort fest: "Den Kindern geht es besser, sie sind gesünder und haben eine bessere Konstitution."

Weitere Unterstützung leistet die Indienhilfe in Einzelfällen bei schweren Krankheiten oder Unfällen. So konnten bisher Gelder für 15 Herz-Operationen von Kindern und Jugendlichen gesammelt werden, ebenso für eine erfolgreiche Nierentransplantation des 15-jährigen Mädchens Smilin. Ein weiteres, erst fünf Jahre altes Mädchen, Daicy Shamli, wird noch im April in Madurai am Herz operiert. Um die Kosten zu tragen, bittet das Jochen-Rausch-Zentrum um weitere Spenden.

Zuguterletzt gibt die Indienhilfe auch immer wieder Zuschüsse für College-Studenten aus armen Familien, die das Schulgeld nicht zahlen könnten, sowie für die Hochzeit armer Mädchen.

Wer mehr über die Hilfsprojekte erfahren will, kann sich an Peter Adams wenden, Tel. (0 68 51) 76 81, E-Mail: pit.adams@web.de. Adams gibt auch Auskunft über das Patenschaftsmodell.

Wer spenden will, der kann dies auf folgendes Konto tun: Jochen-Rausch-Zentrum St. Wendel, Konto: 846 16, Bankleitzahl: 592 510 20, neu: Iban: DE 45592510200000084616, Bic: SALADE51WND, Vermerk: Indienhilfe. Auf Wunsch stellt das Zentrum auch Spendenbescheinigungen aus.

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