Delegation aus Nohfelden war zu Gast in Balingore

Anbahnungsbesuch in Balingore : Nohfelden will mit Pumpen kurzfristig helfen

Eine Delegation um Bürgermeister Andreas Veit war im Senegal. Im Redaktionsgespräch berichtet er von seinen Eindrücken und konkreten Projekten.

„Total beeindruckt“ ist eine Delegation um Nohfeldens Bürgermeister Andreas Veit (CDU) aus Balingore im Senegal (Afrika) zurückgekehrt. Im SZ-Redaktionsgespräch erzählt der Bürgermeister von zahlreichen Eindrücken in dem islamischen Land. „Wir haben Dinge mit eigenen Augen gesehen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt“, so Veit. Die Delegation war in Afrika, um auszuloten, wie die Gemeinde die Menschen in Balingore nachhaltig unterstützen kann (wir berichteten). Vom kalten Deutschland ging es ins mehr als 35 Grad heiße Afrika. Dabei sei es wichtig, von den Bedingungen nicht nur zu hören, sondern sie vor Ort zu sehen. „Wir sind in eine andere Welt selbst eingetaucht“, so Veit weiter.

Die unmittelbare Begegnung mit den Menschen, ihnen in die Augen schauen, die Hand geben. Das sei alles so wichtig, um zu verstehen, wie die Leute dort leben. „Sofort war die Hemmschwelle überwunden“, erzählt Veit, „und wir waren gleich mittendrin“. Das Leben dort sei sehr einfach. Aber demokratisch. Ansehen wollten sich die Gäste aus der Gemeinde Nohfelden, wie sie Balingore mit konkreten Projekten unterstützen können. „Es soll keine Eintagsfliege sein“, so Veit. Der Verwaltungschef möchte gemeinsam mit seinen Mitarbeitern sowie den Experten vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (Ifas) am Umwelt-Campus Birkenfeld, das auch den Kontakt in das afrikanische Land herstellte, drei Projekte realisieren. Zum einen geht es um den Kindergarten. Der bestehe aus zwei Räumen; drei seien aber dringend notwendig. „Daran wollen wir uns beteiligen.“ Außerdem betrieben Frauen einen großen Garten, wo jede Familie ein Eckchen bewirtschafte, um von dem Gemüse zu leben. Dort gibt es einen Brunnen, aber keine Pumpe. „Es ist unheimlich müßig, das Wasser aus dem mehr als 20 Meter tiefen Brunnen zu ziehen und dann in Eimern über das ganze Feld zu tragen“, beschreibt Veit die Arbeit der Frauen. Derzeit würden Leitungen verlegt, damit die Frauen mehrere Zapfstellen nutzen können. Diese seien nutzlos, solange es die Pumpe nicht gibt. Da will die Gemeinde Nohfelden helfen. Um ein ähnliches Problem geht es auch beim dritten Projekt. An einer weiterführenden Schule gibt es ebenfalls einen Brunnen ohne Pumpe. Auch da will Veit Abhilfe schaffen. Gleichzeitig soll sichergestellt sein, dass die Pumpen nicht nur gebaut, sondern auch gewartet werden. „Das sind die einfachen, praktischen Dinge, bei denen wir kurzfristig Abhilfe schaffen können.“ Er hat aber noch ein langfristiges Ziel, das Ifas-Mitarbeiter für die Gemeinde ebenfalls in ein Konzept einarbeiten. Und das betrifft den Mango-Anbau. Mangos werden nur im Sommer geerntet und verkauft. Es gelte, davon auch den Rest des Jahres leben zu können. Dafür sind Kühlhäuser und anderes technisches Gerät notwendig. „Das kann man nicht innerhalb von einem Jahr auf die Beine stellen“, betont Veit. Außerdem müsse es vor Ort einen Hauptamtlichen geben, der die ganze Sache managt. Mit dem Umwelt-Campus gehe die Gemeinde nun der Frage nach, was geschehen muss, damit das alles funktioniert. Langfristig. Nachhaltig eben.

Viele Jungen und Mädchen gehen in den Kindergarten. Zu viele für zwei Räume. Die Gemeinde Nohfelden will helfen, einen dritten Raum zu bauen. Foto: Marco Trockur
Frauen bewirtschaften diesen großen Garten im fernen Afrika gemeinschaftlich, um von dem Ertrag leben zu können. Foto: Marco Trockur
Dieser Brunnen ist mehr als 20 Meter tief, eine Pumpe gibt es nicht. Das Hochziehen und Schleppen der Eimer ist für die Frauen sehr mühsam. Foto: Marco Trockur

Und damit auch Arbeitsplätze geschaffen werden. Denn diese gebe es in Balingore nicht. Dort werde gearbeitet, um Nahrung haben. Aber nicht, um sich ein Polster anzusparen. Diese Perspektivlosigkeit bewege viele junge Menschen – die Hälfte der Bevölkerung sei jünger als 20 Jahre – dazu, das Land zu verlassen. Damit sieht Veit in der Unterstützung auch Migrationspolitik. Denn wer in seiner Heimat Geld verdienen könne, der müsse nicht weggehen. „Es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es ist ein Anfang.“ Finanziert hat diese Anbahnungsreise in den Senegal – für Veit war es der erste Besuch in Afrika – die Engagement Global gGmbH, eine Tochtergesellschaft des Bundes. Für die drei Projekte soll das Preisgeld verwendet werden, das Nohfelden kürzlich beim Wettbewerb „Global nachhaltige Kommune“ gewonnen hat (Bericht folgt).