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Das "Urgestein" des Jugendcafés geht

Das "Urgestein" des Jugendcafés geht

Neunkirchen. Das Jugendcafé ohne Ursula Jakoby? Eigentlich undenkbar. Doch am 9. Dezember wird sich "es Ursel", wie die Diplom-Sozialpädagogin von vielen genannt wird, tatsächlich von der Königstraße 11 verabschieden. Anfang Januar 2010 bezieht Ursula Jakoby ein Büro im Ottweiler Rathaus, wo sie die vakante Stelle der Jugendpflegerin übernimmt

Neunkirchen. Das Jugendcafé ohne Ursula Jakoby? Eigentlich undenkbar. Doch am 9. Dezember wird sich "es Ursel", wie die Diplom-Sozialpädagogin von vielen genannt wird, tatsächlich von der Königstraße 11 verabschieden. Anfang Januar 2010 bezieht Ursula Jakoby ein Büro im Ottweiler Rathaus, wo sie die vakante Stelle der Jugendpflegerin übernimmt. Dort wird die Stiftung Hospital St. Wendel ihr neuer Arbeitgeber sein, in Neunkirchen war dies in den vergangenen 16 Jahren die Pfarrgemeinde St. Josef/St. Johannes als Trägerin des Jugendcafés. Denn Jakoby ist das "Urgestein" des Offenen Jugendtreffs, der am 3. Juni 1994 offiziell eröffnet wurde.Die Männer kamen und gingen, doch Ursel Jakoby war die Konstante in all den Jahren. Von Johannes Olenek bis jetzt zu Marc Oster hatten die Jugendlichen wechselnde Ansprechpartner; dass sie jetzt selbst gehen würde, kam auch für die 42-Jährige "überraschend", wie sie gestern im SZ-Gespräch sagte. Zwei schlaflose Nächte habe sie gehabt, bevor sie sich im September zu einer Bewerbung für den Jugendpfleger-Posten entschloss. "Seitdem bin ich durch alle Gefühlslagen gegangen", gibt Ursel Jakoby zu. Denn einerseits habe sie immer mal wieder daran gedacht, aus der vordersten Front rauszugehen und etwas Neues zu wagen. Andererseits hänge "unheimlich viel Herzblut" in der Einrichtung. Vor allem lasse sie jedoch viele Leute in Neunkirchen zurück, mit denen sie auf Stadtebene kooperiert habe und zu denen mit der Zeit Freundschaften entstanden seien.

Auch zu etlichen Jugendlichen konnte sie ein gutes Verhältnis aufbauen, obwohl hier natürlich ein Kommen und Gehen herrscht. An der letzten Sommerfreizeit des Jugendcafés habe ein Junge teilgenommen, dessen Vater schon in der Einrichtung war. "Da dachte ich mir, jetzt wird's Zeit", lacht Jakoby. Übrigens habe sich die Arbeit im Jugendcafé im Laufe der Jahre sehr wohl verändert. War es in den Anfängen eher ein Freizeittreff, suchten und fanden die Jugendlichen hier später Unterstützung beim Übergang von Schule zu Beruf und beim Lösen persönlicher Probleme mit Eltern, Freunden und der Schule. Dazu sei es wichtig gewesen, gute Kontakte zum Netzwerk der Hilfe in Neunkirchen zu pflegen.

Dies ist auch eines der Ziele, die sich Ursel Jakoby für Ottweiler vorgenommen hat. "Ich kenne dort aber bereits einige", sagt sie. "Ich springe nicht ins kalte Wasser, es hat schon Schwimmtemperatur."

Meinung

Ohne Zweifel

ein Verlust

Von SZ-RedakteurinHeike Jungmann

Einfach nur reden und 'ne billige Cola dazu trinken. So titelte die SZ vor 16 Jahren, als das Jugendcafé Neunkirchen eröffnet wurde. Doch aus dem reinen Freizeittreff hat sich viel mehr entwickelt. Die Einrichtung ist auch eine Anlaufstelle für Jugendliche, die Probleme mit der Schule oder dem Elternhaus haben. Vor allem die projektbezogene Arbeit hat einen größeren Raum eingenommen, wie zum Beispiel die Tanzgruppen oder das Gesundheitsprogramm für Mädchen und junge Frauen. Das Jugendcafé ist ein Erfolgsmodell, weil es an seinen Aufgaben gewachsen ist. Einen erheblichen Anteil daran hat Ursel Jakoby. Ihr Weggang bedeutet deshalb einen großen Verlust für die Einrichtung. Und eine große Verantwortung für die Entscheidungsträger, hier die geeignete Nachfolgerin zu finden.

Auf einen Blick

Das Jugendcafé Neunkirchen in der Königstraße 11 wurde am 3. Juni 1996 eröffnet, Trägerin ist die katholische Kirchengemeinde St. Josef/St. Johannes. Die Öffnungszeiten: Montag: 15 bis 20 Uhr, Dienstag: 15 bis 20 Uhr, Mittwoch: auf Anfrage, Donnerstag: 17 bis 22 Uhr, Freitag: 13 bis 18 Uhr. red