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"Das ist eine Stimme, die die Seele berührt"

"Das ist eine Stimme, die die Seele berührt"

Neunkirchen. Mit ihrer glasklaren, äußerst intensiven Stimme erfüllte Angelika Milster (Foto: SZ) am Sonntagabend die hohe Halle der Herz-Jesu-Kirche auf beeindruckende Weise. Angelika Milster ließ ihre Zuhörergemeinde den Atem anhalten, wenn sie scheinbar problemlos lange Haltetöne geradezu zelebrierte oder in hohen Lagen locker blieb

Neunkirchen. Mit ihrer glasklaren, äußerst intensiven Stimme erfüllte Angelika Milster (Foto: SZ) am Sonntagabend die hohe Halle der Herz-Jesu-Kirche auf beeindruckende Weise. Angelika Milster ließ ihre Zuhörergemeinde den Atem anhalten, wenn sie scheinbar problemlos lange Haltetöne geradezu zelebrierte oder in hohen Lagen locker blieb. Nie und nimmer wird man diese Künstlerin auf eine Stilart festlegen können. Die Bandbreite ihrer Stimmgewalt und ihrer Literatur, aber auch ihre Überzeugungs- und Darstellungskraft, ist so umfangreich, dass es schade wäre, sie nur als Musical-Star oder Brecht-Sängerin zu erleben. Schon zur Pause formulierte die Neunkircherin Heike Wachter poesievoll: "Das ist eine Stimme, die die Seele berührt." Die Geschäftsfrau gestand sogar, dass sie bereits beim "ersten Lied (einem Vaterunser) Tränen in den Augen hatte". Auch Daniela Birnbacher war begeistert: "Super, ganz wie ich es erwartet hatte". Nach dem neunzigminütigen Konzert lagen die Zuhörerinnen und Zuhörer Angelika Milster geradezu zu Füßen. Stehende Ovationen folgten dem stimmungsvollen Schlusslied von Matthias Claudius: "Der Mond ist aufgegangen". Da durfte das Auditorium sogar mitsingen. Zuvor aber zog Angelika Milster wie ihr hervorragender Begleiter an der Orgel, der Organist Jürgen Grimm, alle Register. Grimm aber hat einen nicht geringen Anteil am Erfolg des Abends, an dem sich Angelika Milster sogar einen verpatzten Einsatz leisten konnte. Das Publikum klatschte dazu Beifall. Es ist aber auch die menschliche Ausstrahlung der Künstlerin, die die Menschen so in ihren Bann zieht. Trotz des strengen, schwarzen Ornats, mit dem sie vor dem Altarraum stand, strahlte sie Lebensfreude aus. Sie hatte, ein ähnlich lautendes Zitat von ihr benutzend, "Sonnenschein statt Falten im Gesicht". Ihre Zwischentexte sind spontan und beinahe unaufgesetzt. "Gott hat mir die Musik in ihrer Vielfalt geschenkt und ich will noch lange von diesem großen Kuchen naschen" wird sie häufig zitiert. Und sie zitierte sich auch an diesem Abend. Ob mit Rusticellis "Kyrie", einem etwas zu laut vorgetragenen "Agnus Dei" oder das "Panis Angelicus", die Milster meisterte auch schwierige Passagen. Im zweiten Teil dann aber ihre ganz große Ausstrahlung als Musicalsängerin. Absoluter Höhepunkt das Lied der "Grizabella" aus "Cats". Aber auch das bekannte opernhafte "Jerusalem" und Bernsteins "Somewhere" (hier mit Orgel) gingen zu Herzen.