Damit Wissen nicht verloren geht

Damit Wissen nicht verloren geht

Schafe halten und nutzen möchte die Familie Benz Kindern erklären. Denn das Wissen darum gerate in Vergessenheit, ist die Familie überzeugt. Daher ist deren Schäferei als außerschulischer Lernort ein Teil des Bildungs-Netzwerkes St. Wendeler Land.

Es begann mit einem verstoßenen Lamm: Ein vorbeiziehender Schäfer schenkte Wilfried Benz vor seinem Elternhaus in Mosberg-Richweiler das von der Mutter nicht gewollte Jungtier. Mehr als 30 Jahre ist dies her. Und heute ist Benz Schäfer, wenn auch nur im Nebenerwerb. Und die familieneigene Schäferei ist ein außerschulischer Lernort Teil des Bildungs-Netzwerkes St. Wendeler Land. Diese Initiative verbindet Bildungseinrichtungen und eben außerschulische Lernorte, damit der Nachwuchs Besonderheiten der Heimat kennen lernt, Kultur und Natur vor Ort und nicht trocken im Unterricht erfährt.

"Franz nannte ich das Schaf, das mir der Schäfer damals geschenkt hatte", erinnert sich Benz. Denn früher zogen viele Wanderschäfer durch die Gegend, ließen ihre Herden auf den hügeligen Wiesen im Landkreis grasen. Lämmer, die nicht stark, nicht robust genug waren, um mitzuziehen, vom Mutterschaf verstoßen, wurden zur Last. Franz gehörte dazu. Benz zog das Lamm mit Kuhmilch auf. "Ich bin auf dem Bauernhof aufgewachsen, meine Familie hatte Rinder und Schweine. Doch das Schaf hat es mir angetan", erinnert sich der 55-Jährige.

320 Mutterschafe hat Benz heute. Mit seiner Frau und drei Kindern werden 42 Hektar Land bewirtschaftet. "Denn Schafe sind auch Landschaftspfleger", erläutert Hildegard Benz. Ganzjährig weiden die Tiere, die ganze Familie packe an. Dies sei auch nötig, merkt sie an: "Sich um Schafe zu kümmern ist aufwendiger, als Rinder oder Schweine zu halten. Wohl auch deshalb sind Schäfer heutzutage auf der roten Liste, ein aussterbender Beruf."

Das Wissen um die Schafzucht weiterzugeben, ist der Familie eine Herzensangelegenheit. Hildegard Benz: "Wir wollen die Leute für für die Landwirtschaft sensibilisieren." Heutzutage fehle, auch im ländlichen Raum, zunehmend das Verständnis für die Landwirtschaft, für den krähenden Hahn, das blökende Schaf, den stinkenden Mist. "Das Verständnis wächst, wenn man weiß, was Landwirtschaft bedeutet", sagt Hildegard Benz. "Am besten ist es, wenn man das in jungen Jahren aufschnappt,das prägt", ergänzt Wilfried Benz. "Je eher das Kind das alles mitbekommt, umso besser. Im Erwachsenenalter kann man dann darauf zurückgreifen", ist er überzeugt. Daher mache die Familie beim Bildungs-Netzwerk mit, möchte der jungen Generation zeigen, was Schafhaltung ausmacht.

Bereits 2008 besuchte eine Kindergruppe den Hof: die 5a der Erweiterten Realschule aus Freisen. In dieser Klasse war Tochter Anna. Ein Elternteil hatte die Idee, der Lehrer griff diese auf. "Wir holten dann einige Schafe von der Weide, haben den Kinder gezeigt, wie ein Schaf geschoren wird, das Zahnbild erklärt, die Klauen geschnitten", erinnert sich Hildegard Benz. "Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so interessiert waren die Besucher", fügt der Ehemann an. Die Schüler nahmen auch Wolle mit, färbten diese und knüpften eine Wandteppich. "Dieser hängt noch heute in der Schule, in der Cafeteria", erklärt Anna.

Diese Einblicke bietet die Familie Kindergärten und Schulen an. Die Benz-Schäferei halte etwa drei Rassen, züchte hauptsächlich zur Fleischproduktion. Dabei achte man auf kurze Wege. Winfried Benz: "Alle Lämmer werden im Landkreis St. Wendel geschlachtet."

Und was geschah eigentlich damals mit Franz, dem verstoßenem Lamm? Schon bald tauschte Benz es ein, gegen ein weibliches Schaf. Denn aus einem Bocklamm allein kann keine Herde werden.