Damit Hartz IV nicht zur Dauerlösung wird

Damit Hartz IV nicht zur Dauerlösung wird

Um Menschen wieder in Arbeit zu bringen, lassen sich 80 Mitarbeiter des Jobcenters einiges einfallen. Gut 18 Millionen Euro wurden 2012 für Leistungen zum Lebensunterhalt, für Heizung und Unterkunft gezahlt.

Mit Kennerblick beobachten die Profis ihre Schützlinge. Wie halten sie die Säge? Wie hantieren sie mit Pinsel und Farben? In acht Berufen können sich Jugendliche unter den Argusaugen von Meistern bei der Christlichen Erwachsenenbildung (CEB) ausprobieren - eine Möglichkeit, den Job fürs Leben zu finden. Auch das SOS-Kinderdorf haben die Verantwortlichen des Jobcenters ins Boot geholt, um ihren Kunden einen Weg in den Beruf und damit raus aus Hartz IV zu ebnen, wie Geschäftsführer Klaus Rink verrät.

Hoffnungen können die Arbeitsvermittler auf die Stellenbörse setzen, die dieser Tage erstmals mit Erfolg startete. So soll der Marktplatz, bei dem sich alles um Einstellung dreht, nach Worten von Petra Finkler-Schmitt keine Eintagsfliege bleiben. "Gut 200 Leute haben wir eingeladen, mehr als 100 haben sich informiert", sagt die Mitarbeiterin, zuständig für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Unter dem Motto "Einstellungssache! Jobs für Eltern" hatten sich die Verantwortlichen aus dem Grünen Kreis am vergangenen Dienstag dem bundesweiten Aktionstag angeschlossen und über mögliche berufliche Perspektiven informiert. "Es waren auch Leute da, die keine Kinder haben. Auch sie haben wir willkommen geheißen", meint Petra Finkler-Schmitt.

Denn eines ist dem Team des Jobcenters, in dem Mitarbeiter des Arbeitsamtes und der Kreisverwaltung zusammenarbeiten, nach Darstellung von Daniela Schlegel-Friedrich wichtig: Berufliche Perspektiven für die Leute zu finden statt die Kunden mit Hartz IV oder Sozialhilfe abzuspeisen. "Wir fordern und fördern die Kunden", nennt Schlegel-Friedrich, Vorsitzende der Trägerversammlung des Kooperationsmodells von Kreisverwaltung und Bundesagentur, die Maxime. Und das gilt für alle, ganz gleich, ob bei der Ausbildung von Jugendlichen zwischen 16 und 25, bei der Hilfe zum Wiedereinstieg in den Beruf, Kreis oder bei der Unterstützung von Arbeitnehmern über 50, einen neuen Job zu finden. Gleiches gilt nach Darstellung von Rink und seinem Stellvertreter Thomas Zehren auch bei der Integration von Migranten. Dafür arbeiten 80 Leute - 67 Festangestellte und 13 Teilzeitkräfte - in der Merziger Torstraße 28 und in der Waderner Unterstraße 11 bis 15 zusammen.

"Im vergangenen Jahr haben wir rund 1000 Leute vermittelt", zieht der Geschäftsführer Bilanz. "Natürlich kommt der eine oder andere zu uns zurück", gesteht er ein. 4000 Bezieher von Leistungen zählten die rund 80 Mitarbeiter nach Darstellung von Rink 2012. "Die 4000 Leistungsberechtigten in den Bedarfsgemeinschaften (in Ehe und Familie) unterscheiden sich in rund 3000 Leistungsbezieher, die erwerbsfähig sind, und circa 1000 Sozialhilfeempfänger. Sie sind nicht erwerbsfähig, da sie zum Beispiel Kinder unter 15 Jahren haben", erläutert Rink. Aber auch dieser Gruppe von oftmals Alleinerziehenden versuche man Türen zu öffnen, Betreuungsmöglichkeiten für den Nachwuchs zu vermitteln, damit ein Einstieg in den Beruf möglich ist - etwa durch Qualifizierungskurse bei Jung hilft alt. Und für Beratungsgespräche für Frauen, die einen Wiedereinstieg in den Beruf wagen wollen, ist das Jobcenter ebenfalls Anlaufstelle.

"Zwischen acht und neun Millionen jährlich gibt der Kreis für Sozialhilfe aus", sagt die Landrätin. Im vergangenen Jahr hat das Jobcenter nach Darstellung von Rink 10,3 Millionen Euro zum Lebensunterhalt gewährt und rund acht Millionen für Unterkunft und Heizung. Dass dieser Betrag sinkt, daran können Schlegel-Friedrich wie auch Rink nicht glauben. "Ab dem 1. Januar ist die monatliche Hilfe zum Lebensunterhalt um bis zu acht Euro angehoben worden. Das bedeutet für das Jobcenter Merzig-Wadern Mehrausgaben von rund 32 000 Euro", haben beide ausgerechnet.

Was sie freut: Die Zahl der Menschen, die Leistungen zum Lebensunterhalt erhalten, ist im Grünen Kreis im Verhältnis zu anderen Kreisen gesunken, die Integration gestiegen.

Zum Thema:

Auf einen BlickEin Jobcenter ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts für einen Landkreis oder eine kreisfreie Stadt in Deutschland. Ihre Aufgabe ist, Leistungen zu gewähren und durch "Fördern und Fordern" Menschen Perspektiven und Möglichkeit zu bieten, ihren Lebensunterhalt künftig aus eigenen Mitteln, langfristig und ohne weitere öffentliche Unterstützung zu bestreiten - ob durch Qualifizierung, Schulungen oder Ausbildung.Mitte 2011 schloss der Kreis Merzig-Wadern eine Vereinbarung mit der Agentur für Arbeit zur Weiterführung der Zusammenarbeit im Jobcenter Merzig-Wadern ab. Diese Vereinbarung war notwendig geworden, weil von Bundesseite 2010 per Gesetz eine Neuregelung der Betreuung von Hartz-IV-Empfängern gefordert wurde. Die bis dahin bestehenden Arbeitsgemeinschaften zwischen Kreisen und Agenturen waren nicht mehr zulässig. mst

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