Da erwacht der Jagdinstinkt

Neunkirchen. "Wenn das so weiter geht, kann ich mir ein Auto zusammenbauen", scherzte Tim Oliver Schwarz von der katholischen Jugend Furpach, als er mit einem grünen, verbeulten Kotflügel aus dem Waldstück kam. In seiner blauen Mülltüte hatten sich zu zahlreichen leeren Flaschen und Unmengen an Papiermüll auch noch zwei Radkappen und ein Schlauch gesellt

Neunkirchen. "Wenn das so weiter geht, kann ich mir ein Auto zusammenbauen", scherzte Tim Oliver Schwarz von der katholischen Jugend Furpach, als er mit einem grünen, verbeulten Kotflügel aus dem Waldstück kam. In seiner blauen Mülltüte hatten sich zu zahlreichen leeren Flaschen und Unmengen an Papiermüll auch noch zwei Radkappen und ein Schlauch gesellt. Gemeinsam mit weiteren fünf jungen Männern war er gegenüber des neuen Hallenbades an der Straße damit beschäftigt, sauber zu machen. Knapp eine Stunde zuvor waren die Jugendlichen von Einsatzleiter Heiner Bauer am Gutshof Furpach in diese Richtung geschickt worden. Gut 55 Teilnehmer hatte Bauer in Furpach bei strahlendem Sonnenschein in Gruppen aufzuteilen und mit Tüten und Handschuhen auszurüsten, ehe auch er sich auf den Weg machte, das "Saarland Picobello" zu machen. Derweil hatte sich der Müllsack von Jürgen Ziegler, der am Ortseingang Ludwigsthal durch die Wiese watete, bereits gut gefüllt. Mit acht Teilnehmern war man in diesem Neunkircher Stadtteil nicht so aktiv. "Wir haben leider jedes Jahr weniger Teilnehmer, aber viele Jugendliche beteiligen sich in ihren Vereinen in Kohlhof und Furpach", erklärte er. Seit Beginn der Aktion vor sechs Jahren ist Ziegler dabei. Das "dumme Geschwätz der Leute", wie er es nennt, macht ihm längst nichts mehr aus. "Einer muss ja sauber machen, und es hat keinen Zweck, darauf zu warten, dass die, die den Dreck machen, ihn auch wegmachen." Mit dieser Meinung stand er am Samstagmorgen nicht allein da. Auch Dechant Jochen Gabriel, der mit 30 Jugendlichen aus seiner Gemeinde an der Aktion teilnahm, sieht die Verantwortung bei allen. "Wir müssen uns alle verantwortlich fühlen für den Müll an den Straßen. Es ist doch wie zu Hause. Entweder wir kommen im Müll um oder wir tun etwas dagegen", erklärte er und zog seine gelben Handschuhe an. Eine Rundfahrt entlang der Einfallstraßen rund um Neunkirchen zeigte dann, dass überall fleißig gesammelt wurde. Immer wieder standen bereits gefüllte blaue Mülltüten am Straßenrand und größere Teile lagen daneben. So wie auch am Ortseingang Kohlhof. "Vor allem der übliche Müll wird aus dem Gebüsch geholt, wir haben aber gerade eben auch einen leeren Sandkasten gefunden", erzählte Jugendwart Christian Milz. Er hat schon seit Jahren gute Erfahrungen mit der Aktion gemacht, und seine Jugend ist immer gerne dabei. "Ich hoffe, dass die Konfrontation mit dem Müll dazu beiträgt, dass die Jugendlichen sensibler werden und einmal anders handeln." Das ist auch das erklärte Ziel der Aktion Saarland Picobello, wie Neunkirchens Projektleiter Thomas Haas weiß. "Zuerst ist da der Jagdinstinkt. Gerade die Jugendlichen streiten fast darum, wer den Müll zuerst gefunden hat und wer ihn wegmachen darf. Doch danach beginnen sich die meisten Gedanken darüber zu machen und werden manchmal sogar richtig sauer", erzählte er. Haas konnte am späten Samstagvormittag zum Glück keine Zwischenfälle vermelden, auch ganz spektakuläre Funde blieben aus. "Dennoch finden wir immer wieder Kühlschränke oder Monitore. Das erstaunt mich immer mehr, da es mittlerweile einfacher ist, die Sachen legal zu entsorgen, als sie bei Nacht und Nebel in den Wald zu werfen", so Haas.Auch im übrigen Kreis waren die fleißigen Müllsammler aktiv. > Bericht folgt

Auf einen BlickBei der Aktion Saarland Picobello in Neunkirchen beteiligten sich Dank des guten Wetters gut 1700 Menschen. Etwa 20 Tonnen Müll dürften nach ersten Schätzungen zusammengekommen sein. Neben 15 offiziellen Treffpunkten in der Stadt sowie in den Stadtteilen gesellten sich noch sieben weitere Gruppen, die auf eigene Initiative in ihrem Umfeld für Sauberkeit und Ordnung sorgten. cim