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C&F-Beschäftigte senden Signal der Entschlossenheit nach Irland

C&F-Beschäftigte senden Signal der Entschlossenheit nach Irland

Neunkirchen. "Die Stimmung in der Belegschaft ist allmählich explosiv", hatten IG Metall und Betriebsrat schon vor geraumer Zeit festgestellt

Neunkirchen. "Die Stimmung in der Belegschaft ist allmählich explosiv", hatten IG Metall und Betriebsrat schon vor geraumer Zeit festgestellt. Am frühen Freitagmorgen wurde bei der C&F Automotive im Neunkircher Boxbergweg, der früheren Decoma, gehandelt: Rund 100 der 153 Beschäftigten - die gesamte Frühschicht - ging zum Warnstreik auf die Straße, die Produktion stand still bis zum Nachmittag.Das Ziel: Die Belegschaft will einen Tarifvertrag. Seit die irische C&F-Gruppe die Firma 2009 als "Schnäppchen" übernahm, gibt es nur Einzelarbeitsverträge. Sie forderten den Beschäftigten für den Erhalt der Arbeitsplätze rund ein Drittel Lohnverzicht gegenüber dem Tarifstandard und Urlaubskürzung ab, die Arbeitszeit ist länger, Urlaubsgeld und Zulagen sind tabu. "Laut Arbeitgeber-Statistik sind wir der am niedrigsten bezahlte metallverarbeitende Betrieb im Saarland", hat Betriebsratschef Guntram Brenner festgestellt. Dabei sei das Werk in Neunkirchen recht gut ausgelastet und sei für die irische Mutter wohl Gewinn bringend. Bei C&F werden hochwertige Zierteile aus Aluminium oder Chromstahl hergestellt, unter anderem für den Maybach, für Rolls Royce, Audi, Opel und BMW.

Nun fordern Gewerkschaft und Betriebsrat eine monatliche Einkommenserhöhung von 385 Euro für alle Mitarbeiter, um wenigstens einen Teil des Rückstandes aufzuholen. Und einen Tarifvertrag. Die irischen Eigentümer aber lassen bisher wenig Verhandlungsbereitschaft erkennen. "Seit Anfang August fordern wir den Eigentümer auf, endlich Verhandlungen mit uns zu führen", so der Neunkircher IG-Metall-Bevollmächtigte Jörg Caspar. "Jetzt hat er uns zwar drei Gesprächstermine im Oktober angeboten, aber sie sollen auf dem Flughafen Hahn in englischer Sprache stattfinden. Wir fühlen uns durch dieses Verhalten nicht ernst genommen und fordern, dass die Verhandlungen in Neunkirchen stattfinden. Und wenn der Eigentümer des Deutschen nicht mächtig ist, sollte er sich einen Dolmetscher mitbringen."

Wenn die Iren sich nicht bewegen, kommt es zu einer Urabstimmung über einen unbegrenzten Ausstand, ist sich Caspar sicher. "Die Leute sind entschlossen, für ihr Recht zu kämpfen." Mit guten Aussichten glaubt der Neunkircher IG-Metall-Funktionär mit einem Anflug von Galgenhumor: "Hundert Saarländer sind stärker als ein Highlander", unkt Caspar mit Blick auf den Namen des irischen C&F-Chefs. Der Mann heißt Tom Highland. gth

100 Saarländer sind stärker als ein Highlander!"

Der IG-Metall-Bevollmächtigte Jörg Caspar