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Corona-Krise: Wenn der Traumurlaub zum Albtraum wird

Corona-Krise : Wenn der Traumurlaub zum Albtraum wird

Manuel Jung aus Selbach und seine Freundin Henrike sitzen seit Tagen in Neuseeland fest. Das junge Paar kann nicht nach Hause kommen. Weil die neuseeländische Regierung sich weigert, Touristen ausreisen zu lassen.

Es begann als echter Traumurlaub. Der 28-jährige Manuel Jung und seine 30-jährige Freundin Henrike Reder aus der Nähe von Heidelberg machten sich Anfang März auf den Weg nach Neuseeland. Dort verbrachten die beiden eine romantische Nacht am Meer im Camper, machten eine Rafting-Tour, ausgedehnte Wanderungen oder besuchten gemeinsam „Hobbingen“, das berühmte Filmset von „Herr der Ringe“. Doch mittlerweile ist der Traumurlaub für die beiden zu einem echten Albtraum geworden. Seit mehreren Tagen sitzt das Paar in einem acht Quadrat-Meter großen Zimmer in der 1,4 Millionen Einwohner zählenden Stadt Auckland auf der Nordinsel fest. Denn seit dem 26. März gibt es in Neuseeland einen extrem strengen Lockdown, der noch weiter geht, als die in Deutschland herrschenden Ausgangsbeschränkungen.

Dabei hatten die beiden noch Glück, dass ihnen dieses Zimmer überhaupt zur Verfügung steht. „Wir wohnen bei einer Familie, die Henrike noch von einem Schüleraustausch kennt“, berichtet Jung. Wären sie dort nicht untergekommen, würde es richtig schlecht aussehen. Denn die Hotels und Campingplätze sind alle geschlossen. „Wenn wir hier raus müssten, wüssten wir echt nicht, was wir machen sollten. Wir versuchen deshalb, fast den ganzen Tag im Zimmer zu bleiben, damit wir unseren Gastgebern, denen wir sehr dankbar sind, nicht auf die Nerven gehen“, berichtet Jung.

Vom Rückholprogramm, dass das von Heiko Maas (SPD) geführte Außenministerium gestartet hat, können die beiden – ebenso wie geschätzte 12 000 bis 16 000 weitere in Neuseeland gestrandete Deutsche – nicht profitieren. Denn die neuseeländische Regierung lässt nicht zu, dass Touristen mit diesen Flügen ausreisen dürfen. „Zunächst sagte die Premierministerin Jacinda Ardern, dies sei bis 31. März so. Nun wurde das auf unbestimmte Zeit ausgedehnt, mit der Begründung, dass nicht gewollt ist, dass die Leute innerhalb des Landes reisen. Dabei sind 80 Prozent der Deutschen meiner Meinung nach ohnehin in den Städten, wo die Flughäfen sind, weil jeder versucht hat, schon vor dem Lockdown auszureisen“, erklärt Jung kopfschüttelnd.

„Wir stehen dazu mit der neuseeländischen Regierung und den zuständigen Behörden in engem Kontakt – auch Außenminister Maas hat mit seinem neuseeländischen Amtskollegen telefoniert –, und arbeiten mit Hochdruck daran, eine schnelle Lösung zu finden“, erklärt Botschafter Stefan Krawielicki zu dem Thema auf der Homepage der Deutschen Botschaft in Wellington. Wann diese Lösung kommen wird, sei aber noch nicht abzusehen.

Was Jung besonders ärgert: „Die Neuseeländer holen ihre Landsleute aus dem Ausland zurück, uns erlauben sie aber nicht, nach Hause zurückzukehren.“ Dies wäre zwar über reguläre Flüge einer bekannten Fluggesellschaft noch möglich, doch hier sind laut Jung die Preise durch die Decke gegangen. „Die verlangen 12 000 Dollar für ein Ticket. Das ist Wahnsinn“, berichtet der 28-Jährige.

Dabei ist die Corona-Lage in Neuseeland noch längst nicht so dramatisch wie anderswo auf der Welt. „Das komplette Land hat weniger Fälle als das Saarland“, berichtet der Selbacher. Unter den 4,8 Millionen Einwohner gab es gestern zirka 700 Corona-Fälle und einen Toten. Im Saarland sind es aktuell knapp 1000 Fälle.

Trotzdem sei die Angst vor dem Virus auf den beiden großen Inseln des Landes riesig. „Die übertreiben hier völlig“, berichtet Jung. Als Beispiel zeigt er ein Bild und eine Schlagzeile aus einer großen Tageszeitung. Dort sind die Einwohner eines Ortes zu sehen, die mit grimmigen Mienen neben Schildern stehen auf denen zu lesen ist. „Ohinemutu ist für alle geschlossen. Auswärtige und Touristen bleibt draußen.“

Der Selbacher ergänzt: „In Deutschland wird ja aktuell viel von Zusammenhalten gesprochen. Hier habe ich das Gefühl, dass nur die Neuseeländer zusammenhalten und wir nicht dazugehören.“ Schon in den beiden Tagen vor dem Lockdown am 26. März seien Reisende von Einheimischen schlecht oder zumindest äußerst reserviert behandelt wurden.

Hier war die Welt noch in Ordnung: Manuel Jung und Henrike Reder im Dorf Hobbingen, bekannt aus „Herr der Ringe“. Foto: Manuel Jung
Kein Urlaubsflair: In diesem acht Quadratmeter großen Zimmer sitzen Manuel Jung und Henrike Reder moment in Neuseeland fest. Foto: Manuel Jung
Auckland ist eine Großstadt auf der Nordinsel Neuseelands. Dort wohnen die beiden Saarlander zurzeit bei einer Gastfamilie. Foto: Manuel Jung

„Neuseeland ist ja ein Land, in das viele gerne reisen möchten. Ich denke, wie es uns aktuell hier geht, das sollten alle wissen, die auch einmal dorthin wollen“, erklärt der Selbacher nachdenklich. Jung feiert am 5. April seinen 29. Geburtstag. Dann wieder zu Hause zu sein – das ist aktuell sein größter Wunsch.