Bundespolizeipräsidium räumt akute Personalnot ein

Bundespolizeipräsidium räumt akute Personalnot ein

Bundespolizisten sollen freiwillig bis zu zwei Jahre später in Pension gehen. Das Potsdamer Präsidium will so Personallücken stopfen. Allein im Saarland sind derzeit nach Gewerkschaftsangaben 60 Stellen nicht besetzt.

. Das Schreiben, das das Potsdamer Bundespolizeipräsidium Mitte des Monats an seine Direktionen adressierte, birgt Zündstoff. In verklausuliertem Beamtendeutsch wird darin die akute Personalnot bei der Polizei des Bundes, die aktuell 40 200 Beschäftigte zählt, eingeräumt: "Aufgrund geringer Einstellungen" von uniformiertem Nachwuchs in den Jahren 2010 und 2011 bestehe "aktuell ein zusätzlicher Bedarf an Polizeivollzugsbeamten des mittleren Polizeivollzugsdienstes". Deshalb soll Beamten, die 2014 und 2015 planmäßig in den Ruhestand gehen, eine Verlängerung ihrer Dienstzeit um ein oder zwei Jahre angeboten werden. In der Betreffzeile des Briefes aus dem Haus von Bundespolizeipräsident Dieter Romann, der unserer Redaktion vorliegt, heißt es wörtlich: "Zusätzliche Optionen für den mittleren Polizeivollzugsdienst."

Nach SZ-Informationen sind bundesweit derzeit etwa 1000 Stellen bei der Bundespolizei nicht besetzt. Bei der Inspektion in Bexbach, die für das ganze Saarland zuständig ist und der Koblenzer Direktion unterstellt ist, sind nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) rund 60 Stellen vakant. Aktuell stehen dort nach offiziellen Zahlen 295 Dienstposten im Plan, von denen 266 besetzt sind. Zudem fehlt aber angeblich ein Zug der Mobilen Kontroll- und Überwachungseinheit.

GdP-Bezirkschef Roland Voss erklärte auf Anfrage, nach seinen Informationen könnten in den nächsten beiden Jahren etwa 15 bis 20 Beamte den Antrag stellen, ein oder zwei Jahre später in Pension zu gehen. Für die Bundespolizei gilt eine Altersgrenze von 62 Jahren. Voss: "Wir haben viel mehr Aufgaben, als wir Leute haben." Er spricht zudem von "Missmanagement im personellen Bereich". Das vorhandene Personal werde überstrapaziert. Seine Kollegen hätten oft und viel Stress, was sich auch an dem überdurchschnittlichen Krankenstand bemerkbar mache. Voss widersprach früheren Angaben der Koblenzer Direktion, die eine Krankheitsquote von 9,7 Prozent veröffentlicht hat. Die GdP gehe vielmehr von etwa 14 Prozent aus.

Aus Personalnot wird bei der Bundespolizei das Revier in Perl zu bestimmten Zeiten geschlossen. Dort wird heute eine neue Dienststelle eingeweiht.

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