Braune Vergangenheit – daheim

Die Nazis aus der Nähe: Das ist der Titel eines im Land einzigartigen Buches, das ab Mittwoch im Buchhandel ist und am Donnerstag offiziell vorgestellt wird. Zwei Dutzend Autoren haben in mehrjähriger Arbeit die Nazi-Zeit im St. Wendeler Land aufgearbeitet.

Das Terrorregime der Nationalsozialisten hat sich nicht irgendwo in der Ferne abgespielt, sondern direkt vor und hinter den Haustüren der Menschen, auch im St. Wendeler Land. Umfangreiche Untersuchungen über die Nazizeit in der Provinz sind bisher jedoch Mangelware. Allerdings nicht mehr im Landkreis St. Wendel. Zwei Dutzend Historiker und Heimatforscher entwerfen in einem neuen Buch ein Detailbild des NS-Regimes im St. Wendeler Land. Der Titel: "Die Nazis aus der Nähe. Im Mikrokosmos der Hitler-Diktatur - Eine Spurensuche im St. Wendeler Land."

Ab dem heutigen Mittwoch ist das Werk im Buchhandel erhältlich. Es kostet 39,90 Euro. Vorgestellt wird das Buch am Donnerstag, 13. März, um 19 Uhr bei einer Veranstaltung in der Europäischen Akademie in Otzenhausen. Eine weitere Präsentation ist eine Woche später, am Mittwoch, 19. März, um 19 Uhr in der Stadt- und Kreisbibliothek im Mia-Münster-Haus in St. Wendel.

Herausgeber sind Klaus Brill, Bernhard W. Planz, Inge Plettenberg und Klaus Zimmer. Erschienen ist das Buch im Verlag Edition Schaumberg.

Am Beispiel des St. Wendeler Landes schildern die Autoren den Aufstieg und Aufbau der NSDAP, ihren Überwachungs- und Unterdrückungsapparat sowie die Mechanismen der Propaganda, mit denen Adolf Hitler und seine Gefolgsleute zwischen 1933 und 1945 die Deutschen in die größte Katastrophe ihrer Geschichte führten, heißt es in einer Pressemitteilung des Verlages. Die zentrale Fragestellung laute: Was hat die Menschen damals zu dem gebracht, was sie getan oder zugelassen haben? Und was hat andere dazu veranlasst und befähigt, Widerstand zu leisten?

"Darüber ist, so paradox es klingt, aus der Distanz eines Menschenalters besser zu urteilen als aus der Zeit des unmittelbaren Erlebens und der Nachkriegszeit heraus", heißt es dazu im Vorwort der Herausgeber. In der NS-Zeit seien die Menschen systematisch in die Irre geführt, eingeschüchtert und durch soziale Wohltaten sowie pompöse Inszenierungen verführt worden. Viele profitierten auch vom System, und viele wollten das Verhängnis nicht wahrhaben. Auch im St. Wendeler Land unterstützten zahlreiche Menschen begeistert die Diktatur.

Auf der Basis langjähriger Forschungsarbeit haben die Autoren nach Verlagsangaben eine Fülle von Unterlagen zuAufsätzen und Erzählungen verarbeitet, die das NS-System unter verschiedensten Aspekten beleuchten. Im Unterschied zu bisherigen Veröffentlichungen will das Buch einen kompakten, anschaulichen und allgemein verständlichen Überblick geben, der gerade auch für junge Menschen gedacht ist. Die Verschleppung politischer Gegner ins KZ, die Vernichtung der Juden und Behinderten, die Kriegsereignisse, die Arbeit der Propagandamaschine, der Druck auf die Schulen und Kirchen sowie die Versklavung der Zwangsarbeiter - all dies werde detailliert an konkreten Beispielen aus dem St. Wendeler Land dargestellt.

Originaldokumente und Berichte von Zeitzeugen ergänzen die Analysen, ebenso eine Großzahl bisher noch unveröffentlichter Fotos. Außerdem verweisen historische Karten und Graphiken auf die Sonderrolle, die das Saargebiet und das St. Wendeler Land bis 1935 und teilweise auch danach noch spielten. Der Lyriker Johannes Kühn aus Hasborn hat eigens für das Buch ein Mundartgedicht mit dem Titel "Neinzehhonnertfejreverzisch em Hirbscht" geschrieben.

"Die Nazis aus der Nähe, Im Mikrokosmos der Hitler-Diktatur - Eine Spurensuche im St. Wendeler Land", herausgegeben von Klaus Brill, Bernhard W. Planz, Inge Plettenberg und Klaus Zimmer, 480 Seiten, Marpingen 2014, 39,90 Euro, ISBN 9783941095151. Erhältlich im Buchhandel oder direkt bei: www.edition-schaumberg.de.