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Bernd Müller erinnert sich eine Fast-Katastrophe am Bostalsee

40 Jahre Bostalsee : Als ein Taucher im Bostalsee um sein Leben bangte

(red) Bernd Müller aus Pinsweiler gehörte von 1968 bis 1980 dem Polizeirevier Nohfelden-Türkismühle an. Ab 1976 sogar als verantwortlicher Dienstgruppenleiter.

„Ich habe also den Bau des Bostalsees von der Entstehung bis zur Fertigstellung hautnah mit erlebt“, schreibt er auf den Aufruf der SZ hin, ihr anlässlich des 40. See-Geburtstages Erinnerungen zuzusenden. Nach 1980, nach dem Studium für den gehobenen Polizeidienst in Koblenz und Beförderung zum Polizeikommissar, war er bis zu seiner Pensionierung 2003 beim Polizeirevier in St. Wendel eingesetzt. Er habe also den Bostalsee nie ganz aus den Augen verloren. Hier sind seine Erinnerungen:

Der Bostalsee wurde von 1973 bis 1975 erbaut. Im Winter des Jahres 1975/76 wurde der See erstmals angestaut. Er wurde und wird gespeist von den beiden aus Richtung Bosen zufließenden Gewässer Bos und Dämelbach. Im Verlaufe der Jahre 1976/77 war das Becken etwas mehr als zur Hälfte gefüllt – „ich habe  seinerzeit den See und seine umliegenden Dörfer gefilmt“, so Müller. Und weiter: „Ach, war das noch angenehm, als man von Bosen ohne Umweg direkt nach Gonnesweiler fahren konnte. Der geteerte Verbindungsweg führte direkt vom heutigen Hotel Weingärtner in Bosen ziemlich als gerade Strecke durch den Staudamm und mündete in Gonnesweiler, gegenüber dem ehemaligen Hotel Gierend, in die damalige B 269.“

In dieser Zeit des ersten Anstauens sei in den umliegenden Dörfern des Sees eine rege Bautätigkeit besonders in der Gastronomie festzustellen gewesen. Dazu Müller: „Alle Menschen, insbesondere die Bosener, waren sehr euphorisch und freuten sich auf das, was da noch kommen könnte. So entstand das Hotel Weingärtner, Werner Merker baute seinen Kuhstall um zu einem allseits beliebten Hotel.“ Es entstanden nach Angaben Müllers die Lokalitäten Seeblick und Seeschenke und noch viele andere. Auch in den Nachbargemeinden war man nicht untätig, es wurde so manches Gasthaus aufgehübscht.

„Ich war zu dieser Zeit Dienstgruppenleiter beim damaligen Polizeirevier in Türkismühle, in dessen Dienstbezirk der Bostalsee liegt, als
plötzlich an einem Nachmittag die Meldung auflief, der Staudamm ist nicht dicht, es bricht Wasser aus dem Damm.“ Müller fuhr sofort mit einem Beamten zu besagter Stelle. Hier stellten sie fest, dass in halber Dammhöhe, rechter Hand aus Richtung Gonnesweiler gesehen, Wasser aus dem Abwasserschacht schoss. Alle Menschen wollten nun helfen. „Ich entsinne mich noch gut, dass einer der Wirte aus einem der vorgenannten Lokale versuchte, mit Sandsäcken und anderen Materialien, den Wasserfluss zu stoppen. Er lag regelrecht auf dem Abwasserschacht“, so Müller. Diejenigen, die sich bei dem Bau des Sees engagiert hatten, bangten um ihre Existenzen. Das Wasser des erst halbhoch angestauten Sees schoss über die Staudammstraße nach Gonnesweiler in die Nahe.

Auch Müller beschäftigte das Thema: „Oft habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wenn der Staudamm einmal brechen sollte, was wäre zu tun?“ Da wäre einmal der Rückstau der Nahe, des Söterbaches und des Walhauser Baches, die beide in Türksmühle in die Nahe mündeten. Das würde Rückstaus verursachen bis Neunkirchen/Nahe und Walhausen. Ganz zu Schweigen von Überschwemmungen in den Ortslage von Gonnesweiler und Türkismühle bis hin nach Nohfelden, führt der pensionierte Polizist weiter aus. Wege und Straßen müssten gesperrt werden. Ebenso wäre der Zugverkehr in Türkismühle und Nohfelden beeinträchtigt. „Dies brachte mir manche schlaflose Nacht ein. Gott sei Dank ist bis heute dieser Ernstfall nicht eingetreten.“

Die herbei gerufenen Baufirmen konnten sich anfangs keinen Reim auf den starken Wasseraustritt am Staudamm machen. Nach längeren Untersuchungen stellte man fest, dass ein Rohr, das die Abwässer von Eckelhausen und Bosen aufnahm und am östlichen Rand durch den See geführt wurde, infolge der Bauarbeiten beschädigt worden war und nun, nachdem der Wasserstand des Sees eine gewisse Höhe erreicht hatte, durch diese Beschädigung im Rohr in den Schacht am Staudamm schoss und sich dann seinen Weg mit aller Macht suchte.

Es waren einige Wochen und Monate vergangen, Müller hatte mit seiner Dienstgruppe wieder einmal Mittagsdienst, als ihn kurz nach Schichtwechsel gegen 14 Uhr ein Hilferuf der Reparaturfirma des Kanalrohrs erreichte: Ein Taucher der mit der Reparatur des Rohres beschäftigt sei, könne nicht mehr auftauchen, da er durch den Sog des eindringenden Seewassers sich nicht mehr lösen könne. Er habe noch Luft für eine Dreiviertelstunde. „Mein Team und ich checkten alle Möglichkeiten ab, entsprechende Hilfskräfte herbei zu rufen. Aber alle Möglichkeiten der im Kreis ansässigen Hilfsorganisationen scheiterten daran, dass sie keine Taucher zur Verfügung hätten“, führt Müller weiter aus. Fünf Minuten nach dem Notrufeingang habe er die Berufsfeuerwehr in Saarbrücken angerufen. Er wusste, dass diese über Taucher verfügten. Diese rückten auch sofort aus.

Nach einer halben Stunde aufgeregten Wartens habe sich die Reparaturfirma vom Bostalsee mit der Nachricht gemeldet: Der Taucher habe sich selbstständig befreien können. Hilfskräfte seien somit nicht mehr erforderlich. „Uns allen fiel ein Stein vom Herzen, denn der Taucher hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch für eine Viertelstunde Sauerstoff in seiner Flasche.“ Sofort informierte Müller per Funk die ausgerückten Kräfte der Saarbrücker Berufsfeuerwehr, die sich schon in Höhe von Quierschied befanden. Sie konnten umkehren.

Nachdem später die Reparatur des Abwasserrohres erfolgt war und sich alle Welt, insbesondere die Bosener, wieder beruhigt hatten und freuen konnten, wurde der See erneut angestaut und auf seine heutige Höhe gebracht. Die Einweihung erfolgte 1979. Der Damm und alle Abwasserleitungen haben bis heute gehalten.