Bekenntnis zu Hochschulen gefordert

Bekenntnis zu Hochschulen gefordert

Der Saartalk ist eine Gesprächsreihe von SR und SZ. Diesmal stellten sich Prof. Volker Linneweber, Präsident der Universität des Saarlandes, Prof. Wolrad Rommel, Rektor der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW), und die Bildungsexpertin der Arbeitskammer, Carolin Lehberger, den Fragen von SR-Chefredakteur Norbert Klein und SZ-Chefredakteur Peter Stefan Herbst. SZ-Redakteur Oliver Schwambach hat das Gespräch in Auszügen dokumentiert.

Herbst: Herr Professor Rommel, ist aus Ihrer Sicht die Eigenständigkeit des Saarlandes dauerhaft zu sichern?

Rommel: Ich bin Rektor an der HTW Saar geworden mit der festen Überzeugung, dass das Saarland eine sehr wichtige Aufgabe hat in Deutschland und auch in Europa und darum setze ich langfristig auf die Eigenständigkeit des Saarlandes, und die Hochschulen werden ihren Beitrag dazu tun. (…)

Klein: Die Arbeitskammer hat vor einem Jahr eine Studie zur Zukunft der Hochschulen im Saarland vorgelegt. Haben Sie den Eindruck, dass man die Ergebnisse in der Diskussion schon berücksichtigt hat?

Lehberger: Aktuell habe ich persönlich Sorge, dass man statt des Todes den Selbstmord wählt in der aktuellen Kürzungsdebatte, da gerade in den Bereichen Bildung und Hochschule der Rotstift angesetzt wird und letzen Endes das Saarland eventuell dadurch auf dem Weg ist, politischen Selbstmord zu begehen.

Herbst: Herr Linneweber, hilft Ihnen sowas wie die Saarland-Kampagne? Ist das Image des Saarlandes für sie erkennbar besser geworden und führt das auch dazu, dass mehr junge Leute zu Ihnen kommen?

Linneweber: Ich wünsche mir eine Wirkung, aber ich kann noch keine wahrnehmen. Ich fand es aber sehr positiv, dass Forschung - außeruniversitäre und inneruniversitäre Forschung - einbezogen wurde in die Überlegungen, welches Image hat das Land und welches Image möchte man transportieren. (…)

Herbst: Wie sind die Vorgaben der Landesregierung zu bewerten. Ist der Spardruck im Bildungsbereich zu groß?

Lehberger: Die Arbeitskammer spricht sich klar dafür aus, den Landeshaushalt bis 2020 nochmal zu überdenken und die Kürzungen gerade im Hochschulbereich zurückzunehmen.

Klein: Wenn Sie mit der Ministerpräsidentin als Hochschulministerin sprechen, finden Sie da nicht das offene Ohr?

Linneweber: Ich finde schon das offene Ohr, aber ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass es derzeit im Kabinett oder für das Land wirklich nicht anders geht.

Herbst: Herr Rommel, wie groß ist das Drama um den Neubau der HTW wirklich?

Rommel: Ich hoffe, dass es kein Drama wird. Wir haben die Ausgangssituation, dass wir dieses Hochhaus nicht beziehen können, obwohl es eigentlich baulich fertig gestellt worden ist. Es geht aber um den Brandschutz, nicht darum, ob 200 oder 800 Studierende dort sind, sondern, ob wir überhaupt dieses Gebäude benutzen können. (…) Für mich ist das Drama aktuell, dass wir seit über einem Jahr auf eine Entscheidung der Unteren Bauaufsicht warten. (…) Wir kommen durch diese Hängepartie der Bauaufsicht dazu, dass ich irgendwann als Rektor dieser Hochschule das Gesamtgeschehen nicht mehr vernünftig steuern kann. Wenn wir keine Teilnutzung des Hochhauses vor Beginn des Sommersemesters 2015 haben, kann ich keine neuen Studierenden mehr aufnehmen. (…) Da möchte ich endlich auch mal Aktionen von der Stadt Saarbrücken, von der Oberbürgermeisterin und der Stadtbaurätin ein klares Bekenntnis dazu, dass diese Gebäude endlich für die Hochschule genutzt wird, und nicht nur Reden nach außen, dass sie um jeden Studierenden in Saarbrücken kämpfen. Das sehe ich mit Blick auf die HTW im Moment anders: Die Stadtpolitik kämpft dafür, dass wir Studenten verlieren.

saarbruecker-zeitung.de/

saartalk

sr-online.de

Herbst: Die dauerhafte Eigenständigkeit des Saarlandes kann nur gesichert werden, wenn…?

Lehberger: …es von Seiten der Landesregierung einen Landesentwicklungsplan gibt.

Klein: Die Frankreichstrategie der Landesregierung ist…

Rommel: …eine sehr zielführende Strategie zur Sicherung der Eigenständigkeit des Landes.

Klein: Die Zukunft der Saar-Universität wird vor allem bestimmt von…

Linneweber: …den Rahmenbedingungen, die vom Land vorgegeben werden und der Bereitschaft des Bundes, auch Hochschulen von unserem Typ zu unterstützen und nicht nur die großen in den großen Städten.