Bei Dunkelheit ins Paradies

Im Dunkeln wirkt das Weltkulturerbe mit seinem Industriegarten noch einmal ganz anders. Bei Fackelschein und zusätzlich mit einer Taschenlampe ausgerüstet, starteten die Besucher am Donnerstag zu einem kostenlosen Rundgang.

Einmal im Dunkeln bis ins Paradies und zurück. Mit der Taschenlampe in der Hand wird die alte Völklinger Hütte zum diebischen Vergnügen. Alles sieht geheimnisvoll aus. Die Schritte hallen. Statt schnurstracks über den alten Kohleweg zu marschieren, macht Leiter Hendrik Kersten einen Schlenker. In Schmalspur tasten die Besucher mit der Taschenlampe hinter dem Erlebnistourleiter zwischen alten Waggons und Schallmauer durch. Hinter der nächsten Biegung taucht die quietschbunt beleuchtete Hüttenkulisse auf. Statt auf Rost und Stahl schaut man auf eine Fläche in Pink, auf rote Streifen und giftgrüne Spitzen und darf unter einem blau angestrahlten Schrägaufzug durch.

Im Büro des Baudirektors brennt noch Licht. Eine neue Idee werde ausgearbeitet, verrät Kersten. Für die Atmosphäre hat der Kunsthistoriker ein halbes Dutzend Fackeln verteilt. Die Taschenlampen sind vor allem dazu da, dass man im Dunkeln einen Spot auf Details werfen kann und jeder sich quasi einen eigenen intensiven Erlebnisraum schaffen kann. Höhepunkt der Nachtpartie ist der Landschaftgarten. Eine Brücke über den Roheisenkanal führt in das sogenannte Paradies. Wo früher die Kokerei war, "eine höllische Arbeitsstelle, brüllend heiss und stinkend", sagt Hendrik Kersten, ist heute Natur. Besucherführer Detlef Thieser erzählt, dass er hier einen kleinen Fuchs füttert. Er habe ihn Rocky, wie die Katze seiner Enkelin, getauft. Bei den vielen Tachenlampen geht Rocky lieber in Deckung. Kräuterbeete, beschildert wie in einem Apothekengarten, gibt es hier. Im Licht der Taschenlampen entziffern die Besucher: "Liebstöckel, Baldrian, Eisenkraut und Schlangenknöterich". Im Sommer soll es nach Flieder und Teer riechen. "Eine einzigartige Mischung", sagt Hendrik Kersten, und weiter sagt er, dass es demnächst auch Bienen und Hüttenhonig geben wird. Die mit Schamotte gemauerten Fassaden der Koksbatterie wirken irgendwie surreal. Geräusche aus einem Dokufilm, der in der alten Kokerei läuft, kommen gespenstig rüber. FUTURING in rosa Leuchtbuchstaben stimmt auf Eva & Adele ein. Autogrammkarten des schrillen Künstlerpaares säumen den Weg durch eine Unterführung mit wuchtigen Bögen. Ein Schornsteinstumpf, der aus alten Steinen aufgebaut wurde, wurde zum kreisrunden Event-raum mit romantischem Burgencharakter. Zum Entzücken der jungen Mitwanderer geht es auch noch an die Stelle, wo Szenen der "Wilden Kerle" mit den Ochsenknecht Söhnen gedreht wurden. Zum Abschluss dürfen sie an einer echten Requisite aus den Bavaria-Filmstudios wackeln: Ein rostigen Behältnis, aus dem Pater Braun einen Schatz klaubte.

Erlebnisführungen gibt es sonntags um 15 Uhr. Im Herbst soll es wieder mit Taschenlampen und Fackeln durch das Weltkulturerbe gehen.