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Autor arbeitet Erinnerung an schlimme Schulzeit auf

Autor arbeitet Erinnerung an schlimme Schulzeit auf

In ihrem Bosener Manifest hat sich die Arbeitsgemeinschaft für rhein- und moselfränkische Mundart – Bosener Gruppe – zum Ziel gesetzt, die Mundarten der Region in ihrer Schönheit darzustellen. Als Konsequenz hieraus soll die Regionalsprache als Möglichkeit einer anspruchsvollen literarischen Gestaltungsform präsentiert werden. Dazu wird einmal im Monat ein Text interpretiert.

Als Mundarttext des Monats August wird das Gedicht "Grobbschnitt odder Feinschnitt?" des saarländischen Mundartautors Gérard Carau prämiert. Darauf hat sich bei seiner jüngsten Tagung das Kolloquium der Bosener Gruppe verständigt. Wie die Sprecherin der Gruppe, die saarländische Schriftstellerin Karin Klee, mitteilte, habe man diesen Text von Carau ausgewählt, um den besonderen Wert der Mundartsprache in der knapp pointierten Aussage eines literarischen Textes zu verdeutlichen.

Moderne Mundartdichtung

Gérard Carau ist ein Autor, der eine moderne Variante der Mundartdichtung vertritt. Zuletzt veröffentlichte er das Buch "Schdraauobschd - Moselfränkisch Texter" in der Edition Gau und Griis Bouzonville. Carau ist auch Chefredakteur der dort erscheinenden literarischen Zeitschrift Paraple.

Georg Fox , Schriftsteller und Mitglied der Bosener Gruppe, zu dem Text von Gérard Carau: Die Erinnerung an die Schulzeit ist fest verankert im Gedächtnis aller Kinder. Nicht immer war das Schulleben leicht zu ertragen. Es war oft gekennzeichnet von Angst; denn es gab neben verständnisvollen Lehrkräften auch solche, die mit dem Stock regierten. Gérard Carau hat dies in seiner Schulzeit der 1950er Jahre erlebt. Dabei ist bekannt, dass seit den Anfängen der Volksschule im 19. Jahrhundert ausgediente Soldaten in den Lehrberuf versetzt wurden, die dann das strenge Regiment auf die Kinder übertragen wollten. Im Schulmuseum Ottweiler kann man dies noch sehr genau nachverfolgen. Carau hat diese früheren Erziehungsmethoden, die oft auch im Elternhaus vorherrschten und bis weit in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts üblich waren, in seinem Text dargestellt. Dabei erzählt der Autor auch von den subtilen Strafmethoden des Erziehers, der die Kinder den Strafstock selber aussuchen und beibringen ließ. Das Strafmaß reichte von den Ohrfeigen, Kneifen in die Wangen, Ziehen an den Ohrläppchen bis zu den härteren Strafen wie Schläge mit dem Stock auf die Finger (oft bei Mädchen) und auf das Gesäß (bei Jungen). Der Autor setzt die Schulstrafen in einen Bezug zur kriegerischen Gewaltausübung, rechtfertigt aber diese Erziehungsmethode nicht. Auch heute hört man bisweilen noch entschuldigend, die Prügelstrafe damals habe nicht geschadet. Im pädagogischen Bereich ist man jedoch längst zu einer anderen Überzeugung gekommen. Angst ist ein schlechter Lehrmeister, das gilt auch für die Angst vor Strafe. Carau beginnt und schließt seinen Text mit der vielleicht bedauernden Feststellung "Wenn aich nommòh so klään wär. . .". Der Leser soll deuten, was dann wäre. Der Titel bezieht sich auf die Art der Rute, die verwendet wurde, erinnert aber auch an eine Bezeichnung aus der Tabakherstellung: Feinschnitttabak bezeichnet fein geschnittenen, manchmal gesoßten (mit flüssigem Aroma getränkten) Tabak. Aufgrund seines Schnittes brennt er relativ schnell ab und wird daher für Zigaretten verwendet.

Meinung:

Grobbschnitt odder Feinschnitt?

Von Gérard Carau

En zornijer Erénnerong an bestémmt "Pädagogen", wo us én de 50er Joaren - nadierlich óngestròòft - durch user Kéndhäät "mangeijt" hann.

Wenn aich nommò so klään wär,

so wie aich fréijer woar. . .

Am Ohr hodder us

aus der Bank geróppt

én de Laiskaul geschlaa

óff de Féngern gekloppt

Der Kréich woar lang erémm

Awwer nét de Gewalt

awwer nét de Gewalt

De Stecken fer us Ärsch

hammer selwer geschnied

méttes nò der Schol ómm Berch

Hasel hodder am leiwschden

Der Kréich woar lang erémm

Awwer nét de Gewalt

awwer nét de Gewalt

"Grobbschnitt odder Feinschnitt?"

De Dénnen hann gepéff

de Dicken besser gegréff

Er hott sich de Hänn gerief

Der Kréich woar lang erémm

Awwer nét de Gewalt

awwer nét de Gewalt

Et woarenner én der Klass

die hotten jeden Dach

en Zeidong én der Box

Genotzt hat et en nix

Der Kréich woar lang erémm

Awwer nét de Gewalt

awwer nét de Gewalt

Wenn aich nommò so klaän wär,

so wie aich fréijer woar. . .