Ausstellung von Winfried Groke zeigt "Lost Places" im Schloss Dagstuhl

Interview mit Winfried Groke : Wenn Pilze arbeiten und ein Orkan Gesicht zeigt

Eiweiler Fotograf erzählt anlässlich seiner Ausstellung „Lost Places“ in Dagstuhl, wie er die Ideen für seine Bilder entwickelt.

Um „Lost Places“ geht es bei einer Ausstellung von Winfried Groke, die derzeit im Schloss Dagstuhl zu sehen ist. Dabei zeigt der Fotograf zwei Serien von Bildern. Ein Teil der Ausstellung zeigt Fotomontagen auf der Grundlage von Aufnahmen einer längst verlassenen Fabrikanlage – dieser hat Groke aber neues Leben eingehaucht, indem er Fliegenpilze die Rolle der Arbeiter übernehmen lässt. Ein weiterer Teil der Ausstellung befasst sich mit dem Orkan Kyrill, der im Jahr 2007 über Europa zog. Groke hat vom starken Wind umgefegte Bäume, die im späteren Verlauf des Jahres mit einer Eisschicht überzogen wurden, abgelichtet und die Bilder so bearbeitet, dass Gestalten und Gesichter entstehen. Über die Idee für seine Arbeiten und deren Entstehungsgeschichte sprach der Fotograf aus Eiweiler im Interview.

Herr Groke, die Ausstellung „Lost Places“ zeigt einerseits Kyrill, andererseits die verlassene Fabrikhalle. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diese beiden Sachen gemeinsam hier auszustellen?

GROKE Ich hatte nicht geplant, es so auszustellen. Die Ausgangsfotos der Eisberge hatte ich, aber ich wusste noch nicht genau, was ich mache. Ähnlich war es mit der Fabrikruine. Die habe ich auch fotografiert und erstmal liegen lassen. So wie sie waren, gefielen mir die Aufnahmen nicht – es musste etwas passieren. Ich musste etwas anderes haben. Dann kam ein Jahr, in dem viele Fliegenpilze im Wald waren. Ich habe zirka 30 Fliegenpilze geholt, im Studio fotografiert, freigestellt und dann habe ich an einem Bild ausprobiert, die anstatt der Belegschaft einzusetzen. Das gefiel mir gut und dann habe ich die ganze Serie so gemacht.

Warum ausgerechnet Fliegenpilze?

GROKE Weil ich sie schön finde (lacht). Ich kenne keine farbigeren Pilze, die es in Deutschland gibt. Pilze kann man auch noch ein bisschen verformen – bei manchen meint man, sie lehnen irgendwo an oder sie bücken sich.

Wie sind Sie auf die Ruine aufmerksam geworden?

GROKE Durch meine Tochter. Die war dort mit Bekannten und hat mir davon erzählt. Wir waren dann da und es ist wirklich sehr schön: schön alt und alles kaputt, sehr attraktiv.

Die Gestalten und Gesichter von „Kyrill“ hat Winfried Groke in mehreren Aufnahmen eingefangen. Foto: Winfried Groke

Die andere Hälfte der Ausstellung zeigt eine Art Sturmgesichter . . .

GROKE Genau, den Kyrill. Mal ist er sehr deutlich zu erkennen, manchmal kaum. Das überlasse ich der Fantasie des Betrachters, wo er dieses Wesen sieht. Bei manchen Bildern ist es sehr offensichtlich, aber es gibt auch welche, da ist es diffus und ein bisschen im Nebel.

Winfried Groke. Foto: Barbara Scherer

Die Grundlage sind ja einfach Bäume, die vom Orkan umgeweht wurden. Wie genau war das?

GROKE Die wurden aufgestapelt, das waren riesengroße Berge. Die waren haushoch. In dem Lager, wo ich fotografiert habe, lagen 30 000 Festmeter. Nur Holz und Eis. Es war so etwas Unwirkliches, man hat gedacht, man wäre in einer ganz anderen Welt.

Wann haben Sie sich dann auf die Suche nach den Gesichtern und Gestalten begeben?

GROKE Ich habe es erst mit unterschiedlichen Bearbeitungen versucht, aber es gefiel mir alles nicht. Auf einmal hatte ich die Idee, einen Ausschnitt zu nehmen, zusammenfügen und zu schauen, was dann passiert. Da habe ich gesehen, dass da zufällig ein Wesen war. Ich habe den Ausschnitt dann bei allen Fotos so gewählt, dass ein Wesen, der Kyrill, immer wieder in anderen Gestalten auftritt.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit Fotografie?

GROKE Ich bin als Fotograf Autodidakt und habe Buchdrucker gelernt. Das habe ich zwölf Jahre gemacht. Da ich damals schon verheiratet war und eine Familie hatte, konnte ich keine Lehre machen – als Fotograf ist das nicht so gut bezahlt. Also habe ich es zu Hause selbst gelernt und mich nur zu den Prüfungen angemeldet. Das war ein bisschen schwierig, aber es hat geklappt. Als ich dann meinen Meisterbrief hatte, habe ich mich sofort selbstständig gemacht.

Als Fotograf bilden Sie weniger die Wirklichkeit ab, sondern verformen Sie und arbeiten mit Fotomontagen. Macht Ihnen das mehr Spaß?

GROKE Ja, das ist mein Stil und meine Richtung. Und es freut mich, wenn es anderen gefällt.

Die Ausstellung „Lost Places“ ist noch bis 20. Dezember im Schloss Dagstuhl zu sehen. Die Ausstellung ist für jeden zugänglich, allerdings ist eine Anmeldung vorab notwendig per Telefon (0 68 71) 90 50. Mehr Informationen gibt es im Internet.

www.dagstuhl.de/kunst

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