Ausstellung in Bosen zu Ehren des Fotografen Hans-Peter Hewer

Ausstellung ehrte Hans-Peter Hewer : Der scheue Fotograf mit Tarnkappenmodus

Im vergangenen Jahr ist Hans-Peter Hewer gestorben. Seine Fotos sind geblieben. Kürzlich wurde ein Teil in einer Schau präsentiert.

In Memoriam hat das Kunstzentrum Bosener Mühle dem 2018 verstorbenen, aus Alsweiler stammenden Fotografen Hans-Peter Hewer eine Ausstellung gewidmet. Der zu Lebzeiten zurückhaltend agierende Künstler wurde von der Stiftung Kulturbesitz in die Liste der Kunstschaffenden der Region St. Wendeler Land aufgenommen. Dies sei als symbolischer Akt der Wertschätzung gegenüber eines Künstlers zu verstehen, der zeitlebens seine Kunst im Privaten gehalten und sich nie um Öffentlichkeit bemüht habe. „Hewer ist eine Entdeckung: scheu und im Ringen mit seinen Motiven“, hieß es in der Ausstellungsankündigung. Es war die erste Einzelschau mit ausgewählten Fotografien des Künstlers. Beim Betrachten der gerahmten Aufnahmen offenbart sich schnell die besondere Handschrift Hewers. Seine Motive fand er in seiner Heimat im Landkreis St. Wendel. Diese fotografierte er aber nicht alleine um ihrer selbst willen. Er versuchte die Strukturen zu ergründen und diese in einen neuen Zusammenhang zu stellen. Strukturen, die dem einfachen Blick zu banal vorkommen und übersehen werden, machte er durch seine individuelle Art des Fotografierens sichtbar.

Im Juni 2018 hatte die Bosener Kunstmühle den Fotografen bereits in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Gleich mit zwei Fotografien belegte er bei einem Fotowettbewerb die beiden vorderen Plätze. Der Wettbewerb war eine Aktion des Projektes „Straße der Skultpuren – Reloaded“. Dabei rankte sich um die Auswahl der beiden Siegerfotos eine kuriose Geschichte. „Wir haben die Fotos nicht personalisiert gesichtet. Das heißt, wir wussten nicht, welcher Fotograf sich hinter jeder Aufnahme versteckt. Umso überraschter waren wir bei der Zuordnung der Fotografen, dass wir rein zufällig die ersten beiden Preise an ein- und denselben Fotografen vergeben haben“, erinnert sich Christoph M. Frisch.

Hans-Peter Hewer hatte die Jury mit zwei stilistisch unterschiedlichen Fotografien überzeugt. Besonders das Siegerbild hatte damals den Leiter des Kunstzentrums Bosener Mühle sehr beeindruckt. Hewer hat sich der Plastik von Vallerie Tullier, die unter dem Titel „Chemin amusement 1993“ im St. Wendeler Stadtpark steht, experimentell mit einer Doppelbelichtung genähert. Diese Aufnahmetechnik lagert zwei Aufnahmen in einer Bildebene übereinander. Das Ergebnis ist nicht ein typisches Abbild der Realität, sondern eine die Skulptur kunstvoll in einen neuen Zusammenhang stellende Fotografie. Das Foto verlangt einen zweiten Blick, um es zu durchdringen und das Motiv zu erfassen. Die erdigen Farbnuancen verleihen der Aufnahme einen mystischen Charakter. Die Preisverleihung im Juni erlebte der Fotograf nicht mehr. Im April war er bereits gestorben. Sein Bruder Manfred Hewer nahm damals gerührt die Auszeichnung für den verstorbenen Bruder entgegen

Hans-Peter Hewer war ein Autodidakt in Sachen Fotografie. „Mein Bruder hat in seiner frühen Jugend mit der Fotografie angefangen. Er hat schon immer lieber experimentell vor Ort gearbeitet und die Bildbearbeitung am Computer abgelehnt“, erinnert sich Manfred Hewer an die Schaffensweise des Bruders. Christoph M. Frisch hat die Aufgabe übernommen, den fotografischen Nachlass von Hans-Peter Hewer zu sichten: „Seine Fotoarbeiten sind unsystematisch auf verschiedenen Festplatten gespeichert. Für die Ausstellung habe ich aus diesem Fundus an geschätzten 7000 Aufnahmen mühsam die Motive ausgewählt.“

Dabei musste Frisch die nur im Rohformat vorhandenen Fotodateien noch nachbereiten und entsprechend ausbelichten für ein gutes Ergebnis bei der Entwicklung der Fotos. Interessant seien die Blickwinkel des Fotografen: „Er wählte gerne auch eine minimalistische Perspektive, ging nah an das Motiv ran und schuf bemerkenswerte Makroaufnahmen. Sein Hauptaugenmerk lag auf Natur- und Architekturthemen.“ Mit der Technik der Doppelbelichtung legte er sich eine eigenwillige Handschrift zu.

Der Fotograf Hans-Peter Hewer. Foto: Christoph M Frisch

Besonders spannend seien seine  Architekturaufnahmen: „Wie er genau diese Aufnahmen gemacht hat, wissen wir nicht“, so Frisch. Alle Aufnahmen scheinen Hewers Naturell widerzuspiegeln. Frisch: „Hewer hat im Tarnkappenmodus gearbeitet. Ich habe das Bild eines streunenden Hundes vor Augen, der mit sich alleine unsichtbar durch die Natur streift auf der Suche nach seinen Motiven. Er scheute die Öffentlichkeit. Der ganze Kunstbetrieb hat ihn nicht interessiert. Dadurch war er aber auch frei, unbeeinflussbar und nicht korrumpbierbar in seinem Schaffen.“ Das Interesse an Hewers Fotografien war groß. Besucher der Ausstellung konnten sich in eine Liste eintragen, um am Ende eine Fotografie zu erhalten. „Die Bilder der Ausstellung sind alle vergeben, und das eine oder andere Bild wurde nachbestellt“, verrät Frisch. In den kommenden Monaten wird er sich weiter in das umfangreiche Fotoarchiv einarbeiten und die Fotos in einen Kontext stellen, um sie systematisch zu archivieren und Themen für einen Fotoband herauskitzeln zu können

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