Ausstellung Hautnah in der Bosener Mühle in Bosen

Ausstellung in der Bosener Mühle : Künstlerinnen und deren Werke hautnah

Der Fotograf Werner Richner hat für ein Buch statt Landschaften diesmal kreative Damen in Szene gesetzt.

Einer, der sonst mit einem Stativ in der Landschaft steht und diese fotografiert, hat sich in seinem Buchprojekt „Hautnah“ einem ganz neuen Genre angenähert. Der Saarlouiser Fotograf Werner Richner lud 70 saarländische Künstlerinnen, auch aus dem Saarpaflz-Kreis,  zu sich nach Hause ein, um sie in seinem für dieses Vorhaben eingerichteten Fotostudio zu porträtieren. „Meine bisherigen Bücher handeln von Landschaften und Regionen. Wenn Menschen vorkommen, dann fotografiert in ihrem natürlichen Umfeld. Neu war für mich, dass ich alle Fotos in einem Studio machte“, erklärte der Fotograf.

Die Ergebnisse dieser Arbeit sind noch bis zum 29. September im Kunstzentrum Bosener Mühle unter dem Titel „Das Werner Richner Projekt – part two. Hautnah“ zu sehen. Eine weitere Besonderheit während des Projekts Bildband war, dass Richner alle Künstlerinnen in Schwarz-Weiß aufgenommen hat. „Meine Landschaftsfotos sind Farbfotos, was bei diesem Thema besser ankommt“, so Richner. Eine, die er porträtiert hat, ist Helga Koster. Die Lyrikerin aus Saarlouis erinnert sich noch an ihren Fototermin. „Er empfing mich in den Räumen des Erdgeschosses seines Hauses. Wir kamen schnell ins Gespräch. Als er dann plötzlich fragte, ob wir nun nach oben gingen, war ich so überrumpelt“, verriet sie mit einem Augenzwinkern. Später stellte sie den Kontakt zu Tanja Endres-Klemm her. Die Klangkünstlerin ist eine, die gerne lacht. Sie sagte: „Mein Fototermin dauerte etwa zehn Minuten. Um eine einheitliche Linie bei den Aufnahmen zu erreichen, durften wir nichts machen.“

Zur Vernissage der Schau kamen  60 Besucher. Die Wände des unteren Ausstellungsbereichs säumten großformatige Schwarzweiß-Porträts von zehn Künstlerinnen. Ausdrucksstark, keine Mine verziehend empfangen sie den eintretenden Besucher. Im Obergeschoss ergänzen Arbeiten der von Richner porträtierten Künstlerinnen die Foto-Ausstellung. So unterschiedlich die Typen der Künstlerinnen auf den Fotos erscheinen, so vielfältig sind die Stile, Themen und Materialien der gezeigten Werke. „Wir sehen hier in der Ausstellung verschiedene Positionen von unterschiedlichen Generationen und unterschiedlichen Sparten wie Kunst, Literatur und Musik“, so Christoph M. Frisch.

Auch die Vernissage präsentierte diese Facetten in einem gelungenen Mix. Ursula Weiland, die Frauenbeauftragte des Landkreises St. Wendel, stellte in Kurzporträts die anwesenden Künstlerinnen vor. Die Jüngste im Bunde, die Musikerin Lisa Saterdag, stellte ihre Geigenkunst live mit einem musikalischen Vortrag vor. Heidrun Günter aus Tholey, die älteste Künstlerin der Ausstellung, findet Inspiration für ihre Arbeiten auch im Abfallsack. „Das Material für ihre übergroßen, aus Plastikfolien geformten Figuren haben Freunde und Bekannte beigesteuert“, verriet Ursula Weiland in ihrer Vorstellung über die Künstlerin. Tanja-Endres Klemm stellte sie als „multifunktionale Universalkünstlerin“ vor, die immer wieder als Klangkünstlerin und als Grafikerin neue Ausdrucksformen finde. Tanja Kleber, die Kuratorin der Ausstellung, hat dafür aus ihrem Werk verschiedene Arbeiten ausgewählt, bei denen sie das Geheimnisvolle im Menschen abbilden wollte. „Sie hat Mut, auch unsere Schattenseiten zu zeigen“, so Ursula Weiland.

Ungewöhnliche Kunstobjekte hat Isabell Federkeil mitgebracht. Sie setzt sich mit dem Menschen und seiner gesellschaftlichen Entwicklung auseinander. So auch in ihrer Wandinstallation in Bosen. Die aus Freisen stammende Bildhauerin und Malerin hat 16 Straußeneier mit Acryl verziert. Die auf Edelstahlhaken der Wand vorgelagerten Eier sind drehbar, sodass immer wieder neue Perspektiven entstehen. Es sind vor allem die Frauenbildnisse, die den Betrachter in ihren Bann ziehen. Mal skeptisch und misstrauisch, mal melancholisch der Realität entrückt. Aufsehen erregen auch die dreidimensionalen Objekte von Regina Zapp. Aus starkem Eisendraht hat die in Saarlouis lebende Künstlerin filigrane Installationen geschaffen, die unter dem Titel „Membrane“ einzelne Buchstaben der Blindenschrift Braille nachfühlen.

Den Literaturpart präsentierte bei der Vernissage Helga Koster. In der Begegnung mit Menschen und im Erleben der Natur findet die aus Saarlouis stammende Lyrikerin ihre Inspiration. Sie trug aus ihrem Werk kleine Texte und Gedichte vor, die sich allesamt einfühlsam mit dem Sinn des Lebens auseinandersetzen.

Die Ausstellung in der Bosener Mühle ist noch bis Sonntag, 29. September, von Mittwoch bis Sonntag jeweils in der Zeit von 13 bis 18 Uhr zu sehen. Am Sonntag, 29. September, um 11 Uhr ist eine musikalische Lesung mit Petra Auernhammer und Tanja Endes-Klemm geplant. Weitere Informationen gibt es im Internet auf

Christoph M. Frisch (rechts) stellt Werner Richner vor. Foto: Marion Schmidt

www.bosener-muehle.de

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