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Aus dem Eisenwerk ins Rampenlicht

Aus dem Eisenwerk ins Rampenlicht

Kreis Neunkirchen/ Berlin. Aus der Industriestadt zog es Rolf Bauer vor über 50 Jahren in die Metropolen der Kunst. Ende der 50er Jahre kam der Neunkircher in Berlin an - und er ist dort bis heute daheim

Kreis Neunkirchen/ Berlin. Aus der Industriestadt zog es Rolf Bauer vor über 50 Jahren in die Metropolen der Kunst. Ende der 50er Jahre kam der Neunkircher in Berlin an - und er ist dort bis heute daheim. Der "Schauspieler, Kabarettist, Komponist und Rentner", der für Theater, Film und Fernsehen spielte, ist noch immer überzeugt: "In Berlin zu leben, ist die aufregendste Sache der Welt." Dennoch: "Ich könnte auch sofort wieder in Neunkirchen leben, wenn die Lebensumstände mich nicht davon abhalten würden, was ich manchmal sehr bedauere."Seinen Lebensweg bedauert oder bereut Bauer, Jahrgang 1938, nicht. Über 700 Kilometer weg von daheim zog es den Neunkircher über Umwege, die seinen künstlerischen Werdegang besonders machen. Sein Studium der darstellenden Kunst führte ihn 1957 zunächst nach Saarbrücken, ein Jahr später nach Wien, in das renommierte Max-Reinhardt-Seminar. Noch ein Jahr später, 1959, wurde der heute 74-Jährige in der Fritz-Kirchhof-Schule für darstellende Kunst in West-Berlin aufgenommen. Und Berlin blieb er treu.

Zurück ins Saarland zog es ihn damals nie, sagt er. "Als junger Kunstschaffenwollender stellt sich die Frage nach dem Saarland nicht. Aus dieser Perspektive würde ich immer wieder Berlin wählen." Denn in der Kulturstadt fand der gelernte Bauschlosser nach dem Neunkircher Eisenwerk eine zweite Karriere.

Und ein wandlungsfähiges Leben, oft im Rampenlicht. In den Medien stand Bauer aber nicht nur als Künstler, so unter anderem vor drei Jahren, als eine Zeitschrift über ihn als "inoffiziell ersten Elektromobilitäts-Tester in der Bundeshauptstadt" berichtete. Seinen Weg nach und in Berlin beschreibt er dabei fast poetisch: "Das Glück wurde die Schwester der Leichtigkeit und ihr Bruder der Zufall." Im Zentrum des damals "weltpolitischen Geschehens" angekommen, habe sich sein Blut sofort "vom Grinzinger Grandelwein in perlenden Champagner" verwandelt, berichtet der Auswanderer mit Augenzwinkern.

Er weiß zu berichten von Bekanntschaften, die zu Verträgen oder Engagements führten, er nahm Platten auf und "Paulchen Kuhn war der Produzent". Bauer arbeitete als Schauspieler oder Sprecher für Hörspiel-Regisseur Ulli Herzog, trat in Theatern auf, spielte in Stücken Goethes oder Zweigs. "Obwohl in meinem Element, das heißt der 'Großen Schauspielkunst' verpflichtet, war die Gitarre bei mir nie arbeitslos, um da und dort noch Zeit und Muse zu haben, ein Lied zu komponieren", sagt Bauer. Dann kam er zu Didi Hallervorden, spielte im Kabarett "Die Wühlmäuse", auch ein Spielfilm entstand. Bauer spielte in der TV-Serie "Familie Werner geht auf Reisen" (1971) und komponierte die Musik zur Serie "Die drei Damen vom Grill" (ab 1976). Der deutsche Hit landete auf Platz 1 der italienischen Hitparade, "das hatte es noch nie gegeben".

In Berlin erlebte Bauer den Mauerbau und die Wiedervereinigung, eine vielfältige Berufstätigkeit, auch privates Glück. Mit seiner Frau Renate, damals ARD-Fernsehansagerin, bekam Rolf Bauer 1970 Tochter Julia. "Federleicht" sei der Abschied aus Neunkirchen vor über 50 Jahren gewesen, erinnert sich Bauer, "die Faszination der Fremde ließ keinen Raum für Vermissen". Heute fehle ihm die Heimat zuweilen, und er komme jährlich zu Klassentreffen nach Hause. Denn eines bleibe nach den Rollen seines Lebens klar: "Saarländer ist man nie einen Moment, sondern immer." "In Berlin zu leben, ist die aufregendste Sache der Welt."

Rolf Bauer