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Aus Brasilien auf Spurensuche im Kreis

Aus Brasilien auf Spurensuche im Kreis

Ein Aufruf in der Saarbrücker Zeitung vor fünf Jahren hat es ermöglicht. Die Brasilianerin Benisia Maria Telöcken suchte im Landkreis Familien, die den Namen Utzig tragen. Marliese Deubel aus Nohfelden meldete sich. Nun kam es zum ersten Besuch der weitläufig Verwandten.

Die Nohfelderin Marliese Deubel, geborene Utzig, hat gleich mehrere Ordner mit Chroniken, Namenslisten und Geburtsdaten auf den Tisch gelegt. Die 67-Jährige ist Hobby-Ahnenforscherin. Zu Besuch beim Ehepaar Deubel waren Benisia Maria Telöcken und ihr Sohn Jonas Augusto aus Chapecó, eine Stadt im südbrasilianischen Bundessstatt Santa Catarina. Rückblick: Vor fünf Jahren weilte Benisia Maria Telöcken bei Werner und Katharina Schuld in Oberkirchen, die sie auf einer Fahrt mit dem Glacier-Express durch die Schweizer Bergwelt zufällig kennen lernte. "Die sprechen ja das gleiche Plattdeutsch wie meine Mutter und Oma", hörte die Brasilianerin und sprach das Ehepaar aus Oberkirchen spontan an. Vor fünf Jahren besuchte sie die Familie Schuld und startete vor ihrer Abreise in der SZ noch einen Aufruf, weil sie mehr über ihre Vorfahren wissen will. Benisia Maria Telöcken ist eine geborene Utzig, ein Name, der im Landkreis St. Wendel noch öfter vorkommt. "Ich habe den Artikel in der Zeitung gelesen. Das hat mich buchstäblich stutzig gemacht und deshalb habe ich mich daraufhin gemeldet", erzählte Marliese Deubel. Sie und ihr Besuch gingen akribisch die ihnen vorliegenden Schriftstücke, Namenslisten und Geburtsdaten durch. "Ich denke, wir sind weitläufig miteinander verwandt, aber eine direkte Linie ist nicht zu erkennen", stellte Marliese Deubel fest. Dennoch blieb die Spurensuche nicht erfolglos. "In meinen Unterlagen kann ich den Stammbaum der Utzigs bis 1675 zurückverfolgen. Aber manchmal stimmen die Geburtsdaten halt nicht überein", berichtete die Hobby-Ahnenforscherin aus Nohfelden . Die Auswanderergeschichte der Vorfahren von Benisia Maria Telöcken konnten beide nachvollziehen. Um 1856 haben die Großeltern der Brasilianerin, Peter Utzig und seine Frau Katharina, geborene Trokur, sich aus Hasborn-Dautweiler aufgemacht, um sich in Brasilien anzusiedeln. "Sie bekamen eine Schneise zugewiesen und mussten das Land urbar machen", schilderte die Seniorin. Der Name Telöcken habe wohl seinen Ursprung in Niedersachsen. Ihr Vater Armelo war Metzger. "Die Berufsbezeichnung habe ich erst in Deutschland erfahren, in Brasilien wird der Metzger noch als Schlachter bezeichnet", schilderte die 69-Jährige.

In der Schule habe sie die portugiesische Sprache gelernt. "Mit den Eltern habe ich Deutsch gesprochen. Allerdings war das nach dem Zweiten Weltkrieg verboten, wir mussten alle deutschen Bücher verstecken", sagte Benisia Maria Telöcken. Mittlerweile leitet sie im Heimatort Chapecó eine Seniorengruppe und will mit ihrem Programm dafür sorgen, dass die deutsche Sprache weiterhin erhalten bleibt.

Während ihres Aufenthaltes machte sie mit den Deubels eine Stippvisite auf dem Friedhof und in der Pfarrkirche St. Bartholomäus von Hasborn-Dautweiler. Über E-Mail werden nun die weitläufig Verwandten miteinander in Kontakt bleiben und weitere Ergebnisse bei der Ahnenforschung austauschen. Die Einladung zum Gegenbesuch in Südbrasilien für Marliese und Wolfgang Deubel steht.