Aufforstung anlässlich der Schaffung des Bostalsees

Kostenpflichtiger Inhalt: Aufforstung am Bostalsee : Baum-Mix von damals kann heute Vorbild sein

Zur 40-jährigen Geschichte des Bostalsees gehört auch das Aufforstungsprojekt an Rundweg und Campingplatz. Wie das ablief, verrät der damalige Umweltamts-Leiter.

Fast täglich passieren es viele Spaziergänger, schnüffeln Hunde in dem derzeit farbenfrohen Laub am Boden. Dass das Waldstück nahe des Seglerhafens am Bostalsee gleich in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes ist, dürfte wohl kaum jemandem beim Vorübergehen bewusst sein. Anton Wicken-
brock hingegen betrachtet jeden einzelnen Baum mit Aufmerksamkeit. War der 79-Jährige doch einst dabei, als die Setzlinge gepflanzt wurden. Auch sie sind Teil der Geschichte „40 Jahre Bostalsee“.

Als die Arbeiten zu dem Großprojekt, das heute ein Tourismusmagnet ist, Mitte der 1970er-Jahre begannen, gab es die vielfältigen Wälder, die jetzt den Rundweg flankieren, noch nicht. Sie wurden von Menschenhand geschaffen. Wickenbrock, der damals Leiter des Umweltamts beim Landkreis St. Wendel war, erinnert sich noch gut daran, dass es der Wunsch war, dass eine Art Landschaftspark entsteht. Doch womit sollten die vielen Hektar an Land bestückt werden? Bei dieser Frage sei nichts dem Zufall überlassen worden, und die Planer gingen neue Wege. In Absprache mit Forstdirektor Karl Leonard und Forstamtsmann Herbert Rixecker vom Türkismühler Forstamt fiel die Entscheidung, dass Mischwälder angepflanzt werden sollten – mit Ahorn, Kirsche, Eiche und Buche. „Auch Fichten gehörten dazu, damit noch etwas Grün vorhanden ist, wenn das Laub im Winter abgefallen ist“, erläutert der 79-Jährige. Einen weiteren Farbakzent sollten die Roteichen setzen. „Diese zu pflanzen, war damals noch nicht üblich.“

Ungewöhnlich auch die Zahl der Sträucher und Bäume, die am Bostalsee ihren Platz fanden. Wickenbrock spricht von 645 000. Darin enthalten sind auch die Wasserpflanzen für das Biotop am südlichen Zipfel des Sees. „Diese wurden übrigens von den Damen vom Bund Naturschutz Ostertal (BNO) gepflanzt“, erinnert sich der 79-jährige Gartenbau-Ingenieur.

Neben den Naturschutz-Ladies haben auch Kinder und Jugendliche der Deutschen Waldjugend einen Teil zur Aufforstung am Bostalsee beigetragen. Anlässlich des „Tages des Baumes“ 1979 brachten sie 100 Bäume in die Erde. So gab es bei dem Pflanzprojekt zum einen ehrenamtliches Engagement, zum anderen waren Firmen im Einsatz. Einen wichtigen Beitrag zum Gelingen haben aber auch Arbeitslose geleistet. „Es gab damals eine Maßnahme über das  Arbeitsamt“, blickt  Wickenbrock zurück. Im Schnitt seien täglich 40 Arbeitslose auf den Flächen am See am Werkeln gewesen. Etwa eineinhalb Jahre hätten sie die unterschiedlichen Sträucher und Bäume angepflanzt.

Anton Wickenbrock (links) im Gespräch mit Werner Feldkamp. Foto: Evelyn Schneider

Anton Wickenbrock hält für einen Moment inne und schaut auf das Waldstück mit leuchtend gelben, roten und grünen Blättern an den schier endlos erscheinenden Ästen. „Dass sich das alles so entwickelt, hätte ich nicht geahnt“, sagt er leise. Konrad Funk, Förster im Nationalpark Hunsrück-Hochwald, Werner Feldkamp, Ehrenvorsitzender der Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land, und Thomas Gebel, Leiter Entwicklung ländlicher Raum beim Landkreis, folgen dem Blick des 79-Jährigen. „Diese Aufforstung hier kann als Vorbild für die Zukunft dienen“, findet Feldkamp. Der ehemalige Türkismühler Forstamtsleiter vergleicht das Waldstück am Bostalsee mit Aufforstungsflächen, die in den 1950er- und 1960er-Jahren geschaffen wurden – beispielsweise im Raum Bosen nahe des Peterbergs. Dort entstanden Nadelwälder mit Fichten, die inzwischen ziemlich ausgedünnt seien. Die Bäume hätten Schneelast, Stürmen oder Käferbefall nicht standhalten können. Anders die Mischwälder am Bostalsee. Während die Esche aufgrund eines Pilzbefalls in den zurückliegenden Jahren ausfiel, hätte sich der Bergahorn auf den Flächen unter den absterbenden  Eschen verjüngt.  Auch Förster Konrad Funk bekräftigt, dass es wichtig sei, auf Vielfalt zu setzen. So wie bei der Aufforstung vor gut 40 Jahren am Bostalsee geschehen. „Das hier ist eine Fläche, die den Klimawandel aushält“, sagt Gebel und blickt in Richtung der Baumwipfel.

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