Auf Suche nach der Bestimmung

Nicht alle Schüler wissen, wohin es mit ihnen nach dem Abschluss gehen soll. Die Ludweiler Graf-Ludwig-Gesamtschule will dem nicht tatenlos zusehen. Drum lud sie erneut mehrere Betriebe zur Präsentation ein.

Schulabschluss, und dann? Diese Frage beschäftigt viele Jugendliche. Auch Schülerin Natascha Beiche (14) von der Graf-Ludwig-Gesamtschule in Ludweiler ist verzweifelt: "Ich kann mich nicht entscheiden." Um ihr und ihren Mitschülern mit der Entscheidung zu helfen, hat ihre Lehrerin Nina Macek im Rahmen der Projektwoche zum zweiten Mal eine Berufsmesse ins Leben gerufen. Dazu hat sie 15 verschiedene Betriebe eingeladen, die sich an zwei Tagen an der Schule vorstellen. "Dabei habe ich mich gegen einen typischen Messeaufbau entschieden", erklärt Macek, "damit die Kinder mit den Firmen besser ins Gespräch kommen und auch heikle Themen wie die Gehaltsfrage besprochen werden können."

Raum an Raum veranstalten so saarländische Betriebe wie das Bestattungsunternehmen Duchene, das Finanzministerium oder ZWF Software & Consulting Workshops, in denen sie ihre Firma und die Ausbildungsmöglichkeiten vorstellen. Die Schüler konnten sich insgesamt vier Workshops davon aussuchen.

Soziale Berufe

"Ich könnte mir vorstellen etwas Soziales zu machen", meint Natascha, deshalb hat sich die Neuntklässlerin im Workshop der Caritas angemeldet. Zusammen mit acht weiteren Schülerinnen schlüpft sie hier in die Rolle einer Altenpflegerin, analysiert Krankheiten und Aufgabenfelder des Berufes. Zu einer wichtigen Aufgabe des Altenpflegers gehört es auch, sich in die Patienten hineinversetzen zu können. Dazu simulieren Nicole Adam und Christel Ewald den Schülern mittels eines Anzuges Alterserscheinungen. Ein Gehörschutz simuliert das schlechte Gehör, Knieschoner engen die Bewegungsfreiheit ein, Gewichte an den Gelenken lassen Arme und Beine ganz schwer werden. "Es ist sehr anstrengend, das konnte ich mir vorher gar nicht vorstellen - und ich habe die Gewichte nur an den Beinen", staunt Natascha.

Weniger anstrengend geht es ein paar Räume weiter bei Saarstahl zu. Dass dieser Workshop mit 31 Jugendlichen am besten besucht ist, freut Karl Kunz, zuständiger Ausbilder für den Schlossereibereich. "Eine große Anzahl von Schülern heißt ein großes Interesse an unserem Betrieb", so Kunz.

Große Bandbreite

Er führt dies auf die große Bandbreite an Ausbildungsmöglichkeiten vom Industriemechaniker über Kaufmann/frau für Bürokommunikation bis hin zu Chemielaborant bei Saarstahl zurück. 75 neue Auszubildende will Saarstahl dieses Jahr einstellen. "Unser Hauptziel ist es, das Werk aber auch die Ausbildungsmöglichkeiten vorzustellen", erklärt Kunz. Dazu hat er mit seinem Kollegen Eric Coenen eine Präsentation mitgebracht.

Mittlerweile darf Natascha die Gewichte wieder ablegen und macht sich nun auf den Weg zu ihrem nächsten Workshop "Bewerbungsschreiben". Neben den Workshops der Betriebe gibt es nämlich auch welche zu den Themen Einstellungstest, Bewerbungsschreiben, Benimmtraining, Naturwissenschaftliches Experimentieren und MINT-Berufe, die von den Lehrern der Schule geleitet werden. "Ich finde gut, dass wir so viel ausprobieren können", lobt die Neuntklässlerin die Projektwoche. Teilnehmen durften alle Schüler der Klassenstufe 8, 9 und 10, sowie die Oberstufe.

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