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Schau: Auf Spurensuche unter rauchenden Schloten

Schau : Auf Spurensuche unter rauchenden Schloten

Die saarländische Künstlerin Ursula Bauer begeistert derzeit mit einer Ausstellung rund um die Industrielandschaften.

(red) „1500 Grad – Spurensuche“: Unter diesem Titel zeigt derzeit Ursula Bauer Acryl-Malerei, Zeichnungen, Mischtechnik, Radierung rund um das Thema Industrielandschaften. Geboren im Jahre 1951, hat Ursula Bauer als Kind die Kohle- und Stahlindustrie als festen Bestandteil ihrer saarländischen Heimat erlebt. Noch deutlich sind Erinnerungen an Fördertürme, rauchende Schlote, rußgeschwärzte Gebäude und feuerspeiende Kolosse aus Eisen und Stahl.

Inzwischen stehen diese Anlagen still, der Lärm ist verklungen, die Hochöfen sind runtergefahren. Aber noch immer erzählen Architektur und die technischen Anlagen vom vergangenen Jahrhundert, vom strengen Zeittakt der industriellen Produktion, von der Hitze der Hochöfen, dem kontinuierlichen Lauf der Maschinen und der schweren Arbeit. Dieses industrielle Umfeld bietet der Künstlerin Ursula Bauer eine Vielfalt an Formen, Strukturen, Texturen und Farben. Hier sucht und entdeckt sie unscheinbare Details, Wände mit bröckelndem Putz- und Farbflächen, Rost und Kratzer an Eisenwänden, mit Ruß und Staub verkrustete Oberflächenstrukturen, die ihre bizarren Formen und Farben über die einstige Funktion legen.

Ihre Spuren-Suche – sie ist Liebe zum Detail, in dem eigentlich alles enthalten ist. Das Phänomen des Makrokosmos im Mikrokosmos. Ursula Bauer macht sich auf den Weg und hält ihren Blick auf Details in diesen stillgelegten, Anlagen in Fotografien und Skizzen fest. Sie fixiert Ausschnitte dieser Wirklichkeit, die sie in ihrer Malerei und ihre Radierungen umsetzt. Was sie bewegt, ist scheinbar Nebensächliches, Unscheinbares und das, was die Natur, die Zeit, die Witterung aus der Hütte gemacht hat.

Ihre künstlerische Intention ist die Dokumentation dieser Spuren und die Umsetzung der wunderbaren Farbspiele der Natur mit den Mitteln der Malerei, Zeichnung und Grafik.

Die Industrie-Bilder von Ursula Bauer sind Ausschnitte einer Wirklichkeit. Manche Titel weisen auf die ursprüngliche Funktion der Anlagen hin wie: Winderhitzer, Steuerung, Rieselkästen oder sie erinnern in der Serie „Über Tage“ an den 2012 beendeten Bergbau im Saarland.

Man erkennt zwei Ebenen, eine lineare, das Gerüst, die Strukturen der Hütte und der Bergwerksanlagen, Rohren, Konstruktionen und die räumliche malerische Ebene, in Verbindung mit dem kontrastierenden Hell-Dunkel. Skelett und Körper (gleich dem Menschen). Die lineare Komposition hat ihre eigene Dynamik, führt uns in die Tiefe der Bilder. Es lohnt sich, die tiefe fein nuancierte Farbigkeit zu betrachten. Die Farben erinnern an Feuer, Abstich und Glut in der Hütte, an verrostetes Eisen, die Moose und Flechten, Verkrustungen aus Staub und Ruß, an Kalkausblühungen.

Oft sind Detailausschnitte so eng gefasst, dass man ihre Maßstäbe nur erahnen kann. Zusätzlich verändern Licht und Schatten die Wirklichkeit das Motiv derart, dass eine gegenständliche Wiedererkennung verloren scheint.

Dennoch geht der Bezug zur Realität nie ganz verloren. Wenn auch das Bild in seiner autonomen Ausdrucksfähigkeit nur noch in Versatzstücken oder in der Farbigkeit an den realen Ursprung erinnert.

Ursula Bauer arbeitet in zyklischen Schaffensperioden an verschiedenen Werkgruppen – oft parallel. Vor einigen Jahren hat die Künstlerin die Radierung für sich entdeckt. Sie ist fasziniert von der einzigartigen Mischung aus Technik und bildnerischem Schaffen und den sich daraus ergebenen neuen Möglichkeiten, ihr Thema Industrie künstlerisch umzusetzen.Die aktuelle Ausstellung zeigt einige dieser Arbeiten.Es sind dichte Bilder. Die Gewaltigkeit von Rohren scheint auf, manchmal haben sie menschliche Formen. In Gewaltigkeit steckt Gewalt... Wir erkennen starke Hell-Dunkel-Kontraste, aber auch feingliedrige Strukturen. Das Bild eines Tunnels steht auch sinn-bild-haft für Hoffnung.

In anderen Bildern Menschen, oft nur in Schatten erkennbar. Schatten-Menschen. Schatten ihrer selbst? Der Mensch, der moderne Mensch, eingesetzt als Produktionsmittel. Ursula Bauer selbst erläutert diese Serie: „Der Mensch ist Mittelpunkt. Der Mensch ist Mittel [Punkt].Der Mensch in der modernen Arbeitswelt. Einsam, kommunikationsarm, isoliert. Die Figuren scheinen typisiert, ohne Gesicht, beliebig einsetzbar und austauschbar, ohne individuellen Wert., wie einst die Arbeiter in Hütte und Bergbau.“

In den Radierungen ist der bildnerische Gedanke auch in der Technik umgesetzt. Für diese Bilder fertigte Bauer nicht zufällig Schablonen an. Figuren, gruppiert, in einer für unsere Zeit nicht untypischen Laisser-faire-Haltung, einer gewollt lässigen Haltung, die Oberflächlichkeit bezeichnet, die Unfähigkeit zu echter Kommunikation.

Die Vernissage zu dieser Ausstellung ist für Sonntag, 13. August, 16 Uhr terminiert.