Auf den Spuren des Rötels

Einen Monat lang dreht sich im Kunstzentrum Bosener Mühle am Bostalsee alles um den Rötel. In einer Ausstellung erfahren die Besucher viel über das besondere Gestein aus dem St. Wendeler Land. Eröffnet wird die Ausstellung an diesem Samstag.

Schon seit Tagen ist sie an der Straße zwischen Bosen und Eckelhausen weithin sichtbar: eine täglich anwachsende Schubkarreninstallation am Weg zum Kunstzentrum Bosener Mühle. Neugierig gewordene Einheimische und Touristen erfahren auf einem großen Plakat, dass dies der Auftakt zum großen Rötelreich-Projekt ist, das von morgigem Samstag, 3. September, bis 3. Oktober im Kunstzentrum gezeigt wird.

Zur Vernissage an diesem Samstag um 19 Uhr erwarten die Veranstalter zahlreiche Neugierige, die das künstlerische Angebot mit allen Sinnen wahrnehmen und sich überraschen lassen wollen. Die Performance-Künstlerin Nadiya Morenko wird dabei auf ihre ganz eigene Weise mittels Tanz und Bewegung, zu Pianoklängen von Bernd Mathias, mit dem Material Rötel umgehen.

Das Rötel-Projekt ist in Zusammenarbeit mit der Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land (Kulani) und dem Künstlerforum 2.1 entstanden. Die beiden Kuratoren der Ausstellung, Edgar Brück, Dozent an der Hochschule Rhein-Main, und Christoph M. Frisch, der Vorsitzende des Kunstzentrums, haben dafür weiträumig den Außenbereich mit eingebunden. An verschiedenen Stationen erfahren die Besucher alles über den Rötel im St. Wendeler Land, einem der wenigen Gebiete mit Rötelvorkommen auf der Erde.

Schier unerschöpfliche Vielfalt

Den Eingang des Kunstzentrums passiert man durch ein monumentales blaues Eingangsportal, in dem die Entstehungsgeschichte des Rötels vor etwa 260 Millionen Jahren optisch und akustisch erklärt wird.

Der angedeutete Nachbau einer historischen Förderanlage, des sogenannten Duckels, demonstriert im großen Ausstellungsraum der Mühle den Rötelabbau in unserer Heimat.

In welch vielfältigen Formen man den Rötel verwendete, ob als Schreib- und Malwerkzeug, zum Pigmentieren von Farben oder zum Abdichten von Booten, in der Medizin, für Kosmetik oder Kult: Das erfährt man ebenso wie auch etwas darüber, wie mit Rötel gehandelt wurde und wohin die Handelswege führten. Dazu ist im Außenbereich in Nähe des Seeufers auch ein Boot installiert. Natürlich sind auch Zeichnungen zu sehen und Fotos und Plakate, die die vielfältigen künstlerischen Möglichkeiten des Rötels in der Kunst, von den Höhlenzeichnungen bis zur heutigen Street Art, belegen.

Auch der bislang größte gefundene Rötelstein mit einem Gewicht von 28 Kilogramm ist ausgestellt. Ebenso ein 1999 bei Neipel gefundener Mahlstein, mit dem man Rötelpulver gemahlen hat, um Verputze und Stoffe zu färben. Daneben können die Besucher die weltweit erstmals produzierte Rötelseife testen, sowie im Kultur- und Kunst-Café Rötelkekse probieren. Wer nicht zur Vernissage kommen kann, hat dann den ganzen weiteren September bis 3. Oktober jeweils von Mittwoch bis Sonntag, 13 bis 18 Uhr, Gelegenheit, dieses besondere Rötelprojekt zu erleben.

Eingebunden in die Ausstellung ist eine Schulaktionswoche mit Dritt- und Viertklässlern aus verschiedenen Grundschulen des Kreises. Bei der Finissage am 1. Oktober werden die drei besten Rötel-Werke aus den zehn teilnehmenden Grundschulklassen prämiert. Zusätzlich ist eine Vortragsreihe mit Workshops zum Thema Rötel geplant. Den Anfang macht am 10. September der Geologe Herbert Jaeckel mit einer historischen Wanderung, während der er "Auf den Spuren des ehemaligen Rötelbergbaus zwischen Theley und Selbach" unterwegs ist.

Zum Thema:

Schubkarren symbolisieren den Abbau. Foto: Frisch. Foto: Frisch
Auch zur Herstellung von Farbe dient der Rötel-Stein.

Auf einen Blick Das Begleitprogramm zur Rötel-Ausstellung: Samstag, 10. September, 14 Uhr: historische Wanderung mit Herbert Jaeckel, Geologe, auf den Spuren des ehemaligen Rötelbergbaus zwischen Theley und Selbach. Treffpunkt ist die Johann-Adams-Mühle in Theley. Freitag, 30. September, 19 Uhr: Vortrag von Eric Glansdorp, Archäologe im Kunstzentrum Bosener Mühle: Spuren römerzeitlicher Rötelverarbeitung im Saarland. Freitag, 14. Oktober, 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr: Workshop mit David Kremer, Kremer-Pigmente GmbH aus Aichstetten im Kunstzentrum: Farbherstellung mit Erdfarben Weitere Veranstaltungen sind zu den Themen "Von Rötelpigmenten bis Nano-Partikel" sowie "Rötel in Naturkosmetik, Körperpflege und Wellness" geplant, die Termine stehen aber noch nicht fest. red