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Auf den Spuren des legendären Albert Schweitzer

Auf den Spuren des legendären Albert Schweitzer

Kreis Neunkirchen. "Es ist nicht entscheidend, wo man ist, sondern was man tut, dort wo man ist", zitiert Dr. Ernst-Peter Mues ein tansanisches Sprichwort. Diese Volksweisheit trifft auf jene Mediziner zu, die aus der Region Neunkirchen in Drittländern über längere Zeit oder kurzfristig im Einsatz Hilfestellung geben

Kreis Neunkirchen. "Es ist nicht entscheidend, wo man ist, sondern was man tut, dort wo man ist", zitiert Dr. Ernst-Peter Mues ein tansanisches Sprichwort. Diese Volksweisheit trifft auf jene Mediziner zu, die aus der Region Neunkirchen in Drittländern über längere Zeit oder kurzfristig im Einsatz Hilfestellung geben.Dabei stoßen die Europäer häufig an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Nicht nur die intensive Arbeit in den tropischen Gebieten machen ihnen zu schaffen, mehr noch die Situation der Patienten, die aus entlegenen Winkeln von Familienmitgliedern zu Krankenstationen getragen werden oder sich zu Fuß heranschleppen, bestenfalls noch mit dem Fahrrad die Krankenzentren erreichen. Die medizinische Hilfe, die ihnen dann zuteil wird, können sie häufig nicht bezahlen. Sie sind (in Afrika beispielsweise) auf die finanzielle Hilfe der Familie, der Verwandten und Freunde angewiesen. Mit den für Europäer unvorstellbaren Krankheitsbildern lagern sie vor den Kliniken, wo sie von Angehörigen bekocht werden. In den Operationsräumen aber haben die wenigen Mediziner mit Stromausfällen, mit Gerätedefekten, mit unzureichenden Instrumenten zu kämpfen. Hilfe aus Europa ist dringend notwendig. Dr. Rudolf Kneip, 30 Jahre Facharzt für Urologie in Neunkirchen, reist seit 2005 nach Tansania und Ghana zur mehrwöchigen Unterstützung. Dr. Ernst-Peter Mues, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Allgemein- und Viszeral-Chirurgie (Viszeral = Eingeweide, die Red.) im St.-Josef-Krankenhaus, kennt die afrikanischen Probleme aus seiner Zeit als Entwicklungshelfer. Er hat inzwischen einen Verein gegründet, der das Diözesanhospital in Mnero (Tansania) unterstützt. Die Doktoren Rosemarie und Hans-Jakob Masson (Spiesen-Elversberg) sind in Kalkutta oder auf den Philippinen im Einsatz, allerdings nicht in Kliniken, sondern in einer "Rolling Clinic", einer rollenden Klinik. Ingeburg Vogel (Ottweiler) war in Tansania tätig. Die Dominikanerschwester Edgitha Gorges aus Heiligenwald ist in Battor (Ghana) tätig.Die Berichte der Ärzte und Helfer ähneln sich. Zum Beispiel Ghana. "In Ghana gibt es für mehr als 20 Millionen Einwohner weniger als zehn urologische Fachärzte", berichtet Dr. Rudolf Kneip. Deshalb wartet eine Menge Arbeit auf die europäischen Mediziner. Bei den mehrwöchigen Einsätzen versorgen beispielsweise zwei Urologen kostenlos eine größere Anzahl von Patienten "sowohl ambulant in so genannten Out Patient Departments, als auch stationär und operativ". Die Patienten werden durch Rundfunk-Aufrufe auf das jeweilige Urologenteam aufmerksam gemacht und finden sich dann nach abenteuerlichen Reisen am "OPD" ein. Um bessere Hilfestellung zu geben, haben sich etwa 15 Urologen zusammengefunden, die ihren jahrelangen Erfahrungsschatz den Not leidenden, zum Teil bettelarmen Patienten in Ghana zur Verfügung stellen. In Zusammenarbeit mit den "German Rotary Volunteer Doctors" und dem Verein "Hilfe für Afrika" sei es möglich, so Dr. Kneip, vier Missionskrankenhäuser in Ghana in Intervallen urologisch zu betreuen.Kneip macht aber keinen Hehl daraus, dass diese Arbeit "nur von Kollegen wahrgenommen werden kann, die durch jahrelange Erfahrung das Fachgebiet beherrschen und mit Unwägbarkeiten fertig werden". Außerdem sei eine gewisse physische und psychische Robustheit erforderlich. "Dankbare Patienten und das Gefühl, helfen zu können, sind die Motivation, die die Ärzte zu diesem Einsatz treibt", versichert der Neunkircher Arzt.