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Archive arbeiten für die Zukunft

Archive arbeiten für die Zukunft

Neunkirchen. Der Einsturz des Historischen Stadtarchivs Köln und der damit einhergehende Verlust von Archivgut höchsten Ranges beschäftigt die Menschen in ganz Deutschland. Die Katastrophe weckt auch das Interesse für das, was in den heimischen Archiven schlummert

Neunkirchen. Der Einsturz des Historischen Stadtarchivs Köln und der damit einhergehende Verlust von Archivgut höchsten Ranges beschäftigt die Menschen in ganz Deutschland. Die Katastrophe weckt auch das Interesse für das, was in den heimischen Archiven schlummert. Über ein umfangreiches Stadtarchiv verfügt die Kreisstadt Neunkirchen, allerdings hieße es, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, wollte man eine Parallele zu Köln ziehen. Zum einen besteht hier natürlich keine Gefahr, dass das Rathaus einstürzen könnte, und auch gegen Brände und Diebstahl wird größtmögliche Vorsorge getroffen. Zum anderen sind die Bestände des Neunkircher Stadtarchivs sehr viel jüngeren Datums. "Außer den Flurbüchern, den Steuerkatastern aus der Fürstenzeit, stammen die ältesten Stücke aus der napoleonischen Zeit", berichtet die Leiterin des Stadtarchivs, Susanne Neis. Es handelt sich um Fragmente von Dokumenten betreff Meyerei und Mairie Neunkirchen, wie es auch in der "Geschichte des Stadtarchivs Neunkirchen" nachzulesen ist, die Susanne Neis im Jahr 1996 in dem "Saarländischen Archivführer" veröffentlicht hat. Trotz mancher Ansätze zur Einrichtung eines Stadtarchivs in der Zwischen- und Nachkriegszeit führten Dezentralisierung und Umzüge kommunaler Dienststellen, frühere unkontrollierte Aktenvernichtungen, zerstörerische Kriegseinwirkungen und fehlende sachgemäße Betreuung zwischen 1888 und dem Bezug des neuen Rathauses 1962 zu beträchtlichen Schriftgutverlusten. Erst ab den 70er Jahren kümmerte sich ein Verwaltungsbeamter intensiv um die Archivarbeit. Bis zu seiner Pensionierung Ende 1991 ordnete er die weiter angewachsenen Bestände, erstellte erste Findmittel und widmete sich dem Benutzerdienst. 1977 wurde mit der Führung der Stadtchronik begonnen.Anfang 1990 entschied sich der Stadtrat erstmals für eine fachliche Leitung des Neunkircher Stadtarchivs, die seither Susanne Neis innehat. Das Stadtarchiv habe "eine Scharnierfunktion zwischen Verwaltung und Forschung". Und weil die Bestände des Neunkircher Archivs wegen der Geschichte der Stadt so einmalig und wertvoll seien, bestehe schon seit Jahren ein sehr reger Besucherverkehr, betont die Leiterin. "Die Leute denken, dass Archive nur etwas mit der Vergangenheit zu tun haben. Archive haben genauso mit der Zukunft zu tun", sagt Neis. Eine zukunftsgewandte und benutzerorientierte Arbeit sei deshalb das A & O einer professionellen Archiv-Arbeit. Diese wird übrigens im Saarländischen Archivgesetz vom 23. September 1992 ganz offiziell geregelt: "Archivierung bedeutet die Aufgabe, das Archivgut auf Dauer zu übernehmen, in Stand zu setzen, sachgemäß zu verwahren, zu erfassen, zu erschließen und für die Bedürfnisse der Rechtspflege, der Forschung sowie für Informationsinteressen der Öffentlichkeit bereitzuhaltenund auszuwerten."Eine gewaltige Aufgabe für die Mitarbeiter des Stadtarchivs, dessen Hauptmagazin in der Grundschule Furpach eingerichtet ist. Das Depositum Saarstahl AG lagert im Haus am Hammergraben, und imRathaus lagern Archivalien in diversen Räumen. Hier sind auch die Funktionsräume des Stadtarchivs, sprich die Infostelle, das Leiterbüro und der Benutzersaal mit vier Arbeitsplätzen. Es dürfen nämlich keine Archivalien ausgeliehen werden. Direkt angeschlossen ist die Präsenzbibliothek, die dem Archivpersonal und der Verwaltung als Dienstbibliothek sowie den amtsexternen Benutzern des Stadtarchivs zu Recherchezwecken zur Verfügung steht.Um im Stadtarchiv zu forschen, braucht man ein berechtigtes Interesse. Dies kann sowohl wissenschaftlicher als auch persönlicher Natur sein. An solchen Anfragen herrscht wie oben bereits erwähnt kein Mangel. Denn auch wenn das Stadtarchiv der Kreisstadt Neunkirchen nicht mit dem Historischen Stadtarchiv Köln - das zum Großteil nun unwiderruflich verloren scheint - verglichen werden kann. Wer Neunkirchens Schätze zu würdigen weiß, wird hier bei der Recherche reich belohnt. "Die ältesten Stücke stammen aus der napoleonischen Zeit." Stadtarchivarin Susanne Neis