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Alt-Hippie wirbt für Umweltschutz

Alt-Hippie wirbt für Umweltschutz

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace besteht aus vielen lokalen Initiativen. In St. Wendel hat sich vor drei Jahren eine kleine Gruppe gebildet. Rien Achterberg, ein Veteran der Bewegung, besuchte die Kreisstadt, um Werbung für den Umweltschutz zu machen.

 Auf dem Schloßplatz zeigte die Greenpeace-Gruppe St. Wendel einen Einkaufswagen mit Lebensmitteln.
Auf dem Schloßplatz zeigte die Greenpeace-Gruppe St. Wendel einen Einkaufswagen mit Lebensmitteln.

Rien Achterberg (geboren 1949) verließ seine Heimat, die Niederlande, wegen der nuklearen Bewaffnung des europäischen Kontinents im Kalten Krieg. Er emigrierte nach Neuseeland. Dort traf der gelernte Koch 1973 auf Martini Gotjé. Noch heute sind sie beste Freunde. Sie stachen gemeinsam auf dem Segelboot Fri in See, um gegen Atomtests auf dem Insel-Atoll Moruroa zu protestieren. Bis 2005 durchquerte Achterberg auf Schiffen der Umweltorganisation Greenpeace die Weltmeere.

1985 war Achterberg Schiffskoch auf der Rainbow Warrior, als das Boot in Auckland - der größten Stadt Neuseelands - zum Auftanken anlegte. Er erlebte, wie nachts zwei Bomben Löcher in den Rumpf rissen. Die Sprengsätze wurden vom französischen Geheimdienst angebracht. Fernando Pereira, Fotograf der Crew, starb bei der Detonation.

"Sie wollten uns vernichten, aber einen Regenbogen kann man nicht versenken", sagt Achterberg. Die Zerstörung der Rainbow Warrior hat Greenpeace in der Tat bekannter gemacht. Spenden flossen und vier Jahre später legte die Rainbow Warrior II Leinen los.

Achterberg bezeichnet sich selbst als Alt-Hippie, als normalen Menschen, der Auto fährt und Partys feiert. Er wird bald 65; zu alt um noch selbst auf Greenpeace-Schiffen unterwegs zu sein. Aber er engagiert sich nach wie vor. Seit Mai vergangenen Jahres lebt er in Marburg. Er unterstützt Umwelt-Aktivisten in Osteuropa und Deutschland. Aus diesem Grund ist Achterberg nach St. Wendel gekommen, um für die lokale Greenpeace-Gruppe zu werben.

Im Kino Neues Theater wurde in seiner Anwesenheit der Film "The Rainbow Warriors of Waiheke Island" gezeigt. Er behandelt die Geschichte der ersten Rainbow Warrior und die von sechs Besatzungs-Mitgliedern. Sie leben heute auf Waiheke, einer neuseeländischen Insel, wenige Kilometer östlich von Auckland. Weniger als 9000 Menschen leben dort. Der Ort sei ein Sammelbecken alternativer Menschen. Susi Newborn nennt Waiheke im Film augenzwinkernd eine "Greenpeace Rentnersiedlung". Achterberg führte dort von 1983 an ein einfaches Leben.

"Ich brauche nicht viel", sagt der Mann mit langer grauer Mähne und streicht sich grinsend über seinen dürren Bauch. Er war schon bei Hunderten Vorführungen der Dokumentation. An der Stelle, die den Untergang des Schiffs und den Tod seines Freundes zeigt, kommen trotzdem wieder die Gefühle hoch. Es habe sich zwar viel getan und Greenpeace sei auch durch dieses Geschehen viel größer als damals, doch man komme gegen große Konzerne, die der Umwelt Schaden zufügen, nur in kleinen Schritten voran. Erfolge wie die Verlängerung des Moratoriums in der Antarktis 1991, das den Abbau von Mineralrohstoffen für weitere 50 Jahre verbietet, seien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.Die Greenpeace-Gruppe St. Wendel machte mit ihren 14 Mitgliedern auf dem Schloßplatz Werbung für den Umweltschutz. "Viele Läden schmeißen Lebensmittel weg, wenn sie kleine Mängel haben, auch wenn sie für den Verzehr absolut in Ordnung sind", sagt Franz Eckert, Leiter der Gruppe.

Zusammen mit der St. Wendeler Tafel machten sie auf diese Verschwendung aufmerksam. Sie kochten mit Rien Achterberg, Umweltaktivist der viele Jahre seines Lebens auf Schiffen von Greenpeace verbracht hat, Gemüsesuppe aus Zutaten, die wegen kleiner Macken nicht mehr in Geschäften angeboten werden. Das kostenlose Essensangebot wurde vorbehaltlos angenommen und als lecker befunden.

Die St. Wendeler Gruppe nimmt an den gemeinsamen Aktionstagen (GAT) von Greenpeace teil. Dann gehen die Umweltschützer bundes- und weltweit auf die Straßen, um auf ökologische Missstände hinzuweisen. "Wir verteilten vor der Filiale einer Baumarktkette Informationsmaterialien und sammelten Unterschriften, um auf Pestizide in Pflanzen aufmerksam zu machen, die dort verkauft werden", berichtet Noah Lischke (16). Die Gifte in den Kübeln bedrohten die heimischen Bienen, da sie diese Schadstoffe in ihren Stock trügen.

Franz Eckert zeigt eine Möglichkeit auf, den persönlich verursachten Kohlenstoffdioxid-Ausstoß - den sogenannten CO{-2}-Fußabdruck - zu kompensieren: "Ich unterstütze die Organisation Atmosfair. Die legen Regenwälder in Costa Rica an." Die neuen Wälder tragen dazu bei, das Treibhausgas in Sauerstoff umzuwandeln, was dem weltweiten Klima zu Gute kommt.