Als Neuber mit Worten werben wollte

Als Neuber mit Worten werben wollte

Neunkirchen. Die Neunkircher steckten tief in den roten Zahlen. Das lag nicht daran, dass die Mehrheit der Bürger in der Stadt "Rot" auch als parteipolitische Lieblingsfarbe schätzte, sondern an den Krisenzeiten. Im städtischen Haushalt liebten auch die Roten selbstverständlich Schwarz

Neunkirchen. Die Neunkircher steckten tief in den roten Zahlen. Das lag nicht daran, dass die Mehrheit der Bürger in der Stadt "Rot" auch als parteipolitische Lieblingsfarbe schätzte, sondern an den Krisenzeiten. Im städtischen Haushalt liebten auch die Roten selbstverständlich Schwarz. Daher stellte der damalige Oberbürgermeister Peter Neuber im kleinen Kreis fest: "So lange die Ausgaben höher sind als die Einnahmen, kommen wir aus den roten Zahlen nicht mehr raus."Diese Feststellung traf der Verwaltungschef nicht nur weil er ein kluger Mann war, sondern weil er eine Idee hatte. Er sagte weiter: "Also müssen wir neue Geldquellen erschließen, wie die Banken, zum Beispiel die Volksbank und die Sparkasse, es vormachen." Dann legte er eine kleine Pause ein, schaute zum Vertreter der Saarbrücker Zeitung und forderte ihn auf: "Die Namen müssen Sie veröffentlichen, sonst geht meine Rechnung nicht auf."

Kurze Zeit darauf erläuterte Neuber anlässlich einer Ausstellung im Bürgerhaus in aller Öffentlichkeit seine etwas rätselhafte Aussage. Er wolle, so bemerkte er, in Zukunft in seinen Reden vor Volk und Rat, Namen von Unternehmen oder auch Personen nennen, die dann dafür bezahlen, dass sie in den anspruchsvollen Ansprachen Erwähnung finden. Daraufhin sprach Neuber vor den Versammelten von der "weltweiten Bedeutung" der Neunkircher Druckerei und der Leistungsfähigkeit des Uhren- und Schmuckgeschäfts auf dem Oberen Markt, dem Haus mit dem Glockenspiel. Über das Honorar, das beide Institutionen der Stadt zukommen ließen, schwiegen sich Oberbürgermeister und Unternehmer aus. Angedacht wurde seinerzeit auch, dass die Fraktionsvorsitzenden als Werbeträger genutzt werden, wie heute beispielsweise berühmte Sportgrößen, die an ihren Jacken- und Hemdenaufschlägen die Namen von Sponsoren in die Kameras halten. Schon wurde in der Saarbrücker Zeitung ein Redebeitrag des Oberbürgermeisters ausgedacht, der wie folgt hätte lauten können. (Hier ein Auszug): "Sehr geehrte Stadtverordnete, meine Damen und Herren! Bevor ich mit meinen Ausführungen zur städtischen Haushaltslage beginne, beachten sie bitte meine großkarierte Jacke mit den modischen Lederflecken auf den Ellenbogen. Sie stammt aus dem Hause Krutmann. Heute verabschieden wir nun den Haushalt. Es heißt, das gebundene Zahlenwerk, gedruckt wurde es in der Neunkircher Druckerei, sei das Schicksalsbuch der Stadt. Bücher, so möchte ich erinnern, kaufen wir in der Buchhandlung Schubert . . ."

Zugegeben, die Idee des Oberbürgermeisters, geboren nach einem langen, langen Arbeitstag im Kreis des Verkehrsvereinsvorstandes in der Pizzeria La Botte, wurde so im Stadtrat nie realisiert. Allerdings waren die Menschen von ihr angetan, nachdem die SZ diese Idee des Rathauschefs veröffentlicht hatte.

Wie sehr das Volk damals dankbar für jeden Vorschlag war, der aus der Krise hätte führen können, zeigt das Vorgehen des bekannten Bütten- und Kerweredners, des Finanzbeamten Georg Schmidt, auf dem Weihnachtsmarkt, der damals (1985) hinter der Christuskirche durchgeführt wurde. Schmidt bestellte mit weitsichtigem Kaufmannsgebaren: "Unn jedzd hädd ich gähre noch e Glühwein uff Leasing-Basis . . ."

PS. Ein Hoffnungsschimmer zeigte sich dann in den Dezembertagen 1985 doch. Die Stadt schloss einen Vorvertrag mit der ECE-Projektmanagement in Hamburg auf Ansiedlung eines Einkaufszentrums in der Stadt. "Die Namen müssen Sie aber veröffentlichen!"

Peter Neuber anlässlich seiner Werbe-Idee zur SZ

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