Als Caesar vor dem Hunnenring lagerte

Als Caesar vor dem Hunnenring lagerte

Gut 140 Archäologen und Interessierte waren von Freitag bis Sonntag zu den ersten Archäologentagen nach Otzenhausen gekommen. Ein Thema war das große römische Militärlager bei Hermeskeil, unweit des saarländischen Hunnenrings.

Mindestens mehrere Wochen, vielleicht sogar mehrere Monate lagerten römische Truppen in den 50er Jahren vor Christus bei Hermeskeil. In Sichtweite des fünf Kilometer entfernten Hunnenrings, der mächtigen Befestigungsanlage der keltischen Treverer, hatten die Römer ihr Lager aufgeschlagen. Seit vier Jahren arbeitet Archäologin Sabine Hornung von der Universität Mainz Umstände und Hintergründe dieses bisher ältesten römischen Militärlagers auf. Bei einer Archäologentagung am vergangenen Wochenende in Otzenhausen stellte sie ihre bisherigen Erkenntnisse vor.

Forscher fanden Schuhnägel

Die Datierung des Lagers im heutigen Grenzgebiet zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz in die Zeit des Gallischen Krieges sei weitgehend gesichert, sagte Hornung. Eine wichtige Rolle bei der zeitlichen Einordnung spielten Schuhnägel, die die Forscher gefunden hatten. "Die stammen von den Legionärssandalen und steckten glücklicherweise sehr häufig im Pflaster", erklärte die Archäologin. Rund 90 solcher Nägel, die die römischen Soldaten wie Spikes unter ihren Sandalen getragen hatten, hätten die Wissenschaftler schon gefunden. Form und Beschaffenheit der Nägel wiederum ermöglichten Rückschlüsse auf die Zeit, in der die Truppen bei Hermeskeil lagerten.

Die Hauptanlage des Militärlagers war gut 18 Hektar groß, sie bot demnach Platz für mehrere tausend Soldaten. Dazu kam eine 7,60 Meter große Erweiterung. Um die Hauptanlage herum hatten die Erbauer einen Erdwall und bis zu 3,50 Meter breite Gräben gezogen. "Vor allem die Dimensionen der Befestigungen sprechen dafür, dass wir es hier mit einem Lager aus einem Feldzug zu tun haben", sagte Hornung.

Ob die Truppen von Hermeskeil aus aber wirklich einmal in eine Schlacht gezogen waren, etwa gegen die nur wenige Kilometer entfernten Treverer, "das wissen wir nicht", sagte sie. Auch sei unklar, wohin die römischen Truppen weitergezogen seien.

Funde wie Scherben oder Münzen verrieten etwas über das Innenleben des Stützpunkts. Die Wissenschaftler gingen derzeit davon aus, dass in einem Bereich des Hauptlagers die römischen Legionäre lebten und in einem anderen die keltischen Hilfstruppen. "Das berichtete Caesar letztlich ja auch, dass er in Gallien immer Verbündete von keltischen Stämmen als Reiterei mit sich führte, weil die römische Armee in dieser Zeit noch keine reguläre Reiterei hatte", sagte Hornung.

Doch nicht nur das römische Lager in der Nähe des Keltenrings war Thema bei den Archäologentagen, die die Europäische Akademie Otzenhausen gemeinsam mit der Gemeinde Nonnweiler veranstaltet hatte. "Von Belgien bis zum Elsass und von Lothringen bis nach Rheinland-Pfalz" seien die Wissenschaftler gekommen, um über ihre Arbeiten in der Großregion zu berichten, sagte Projektleiter Michael Koch. Dabei ging es auch um andere saarländische Fundstätten wie die Römische Villa Borg oder den Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim.

Die Tagung diene dazu, Wissenschaftler zu vernetzen, solle aber auch den heimischen Archäologie-Laien die Großregion als "kulturelle Drehscheibe" nahe bringen, sagte Koch. Die Veranstaltung solle künftig jedes Jahr stattfinden.

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