Alle Parteien wollen Ferienpark

St. Wendel. Die Parteien im Kreistag stehen geschlossen hinter dem Ferienparkprojekt am Bostalsee, sehen es als Riesenchance für den Landkreis und das ganze Land. Und doch haben am Montagabend der Vertreter der FDP, der Grünen und die beiden Parteilosen (ehemals Linke) den Verträgen die mit Center Parcs und den übrigen Investoren vereinbart wurden, nicht zugestimmt

St. Wendel. Die Parteien im Kreistag stehen geschlossen hinter dem Ferienparkprojekt am Bostalsee, sehen es als Riesenchance für den Landkreis und das ganze Land. Und doch haben am Montagabend der Vertreter der FDP, der Grünen und die beiden Parteilosen (ehemals Linke) den Verträgen die mit Center Parcs und den übrigen Investoren vereinbart wurden, nicht zugestimmt. Das finanzielle Risiko sei für den Landkreis zu groß, hatte Lars Schlaup (Grüne) bereits im öffentlichen Teil der Kreistagssitzung seine spätere Entscheidung im nichtöffentlichen Teil der Sitzung angedeutet. Gestern teilte er dann per E-Mail mit, dass auch die übrigen Vertreter der kleinen Parteien im Kreistag den Verträgen deshalb nicht zugestimmt hätten.Landrat Udo Recktenwald hatte zuvor die 20-jährige Entstehungsgeschichte des Projektes kurz angerissen. Dabei bescheinigte er SPD und CDU im Kreistag und im Nohfelder Gemeinderat das Projekt "parteiübergreifend, sehr konstruktiv und verantwortungsvoll" begleitet und vorangetrieben zu haben. Mit Gründung der Projektgesellschaft 2004 zusammen mit der Landesentwicklungsgesellschaft und Center Parcs, die vor drei Jahren als Betreiber gewonnen werden konnten, habe das Projekt neuen Schub bekommen. Das finanzielle Engagement des Landkreises begründete Recktenwald mit der derzeitigen Schwierigkeit, Investoren zu finden. Das liege zum einen an der noch nicht ganz bewältigten Finanzkrise, zum anderen an den sehr hohen Gewinnerwartungen der Investoren. "Der Kreis ist Platzhalter für Private", sieht der Landrat gute Chancen, das finanzielle Engagement des Landkreises mit den Jahren zu beenden. "Center Parcs hat bisher immer alle Ferienhäuser verkauft", hält Recktenwald die Wahrscheinlichkeit, dass der Landkreis nach 2017 Ferienhäuser kaufen muss, für nicht besonders hoch. "Das Risiko für den Landkreis ist so überschaubar, dass es vertretbar ist."

Gerade der Vertrag, dass der Landkreis Ferienhäuser kaufen muss, wenn bis 2017 nicht 60 Prozent verkauft sind, bereite seiner Fraktion Sorgen, erklärte Magnus Jung für die SPD. Deshalb habe seine Fraktion schon vorige Woche eine Wirtschaftlichkeitsberechnung angefordert. Bekommen habe man bislang nur fehlerhafte Berechnungen. Erst eine halbe Stunde vor der Kreistagssitzung habe man die letzte erhalten. Die zu überprüfen sei keine Zeit gewesen. Unter solchen Umständen zu entscheiden, sei eine Zumutung für alle Kreistagsmitglieder. Deshalb erwäge seine Fraktion, die im nichtöffentlichen Teil vorgesehene Entscheidung zu vertagen. Jung machte das davon abhängig, ob in der nichtöffentlichen Beratung, die Wirtschaftlichkeit plausibel dargelegt werden kann.

Ebenso wie Jung hob CDU-Fraktionschef Friedbert Becker die riesigen Chancen hervor, die der Ferienpark für den Landkreis und das Land bringe. Beispielhaft sei der Park in Medebach, der 1993 "mitten in der Pampa" gebaut worden wäre und sich schon bald zur Erfolgsgeschichte entwickelt habe. Das Risiko aus den Verträgen für den Kreis ist nach Beckers Ansicht überschaubar. Er sieht sogar große Chancen, dass das, was bisher an Schulden aufgenommen worden ist, wieder ausgeglichen werden könne. An die SPD appellierte er, die Entscheidung nicht weiter hinauszuschieben und "heute ein großes Signal zu setzen".

Meinung

Energie nicht ganz vergeudet

Von SZ-RedakteurDagobert Schmidt

Der Ferienpark am Bostalsee ist ein Paradebeispiel dafür, dass es unendlich lange dauert, bis in Deutschland ein großes Projekt umgesetzt werden kann. Rund 20 Jahre ist es her, dass der erste Interessent im St. Wendeler Landratsamt vorstellig wurde. Mit viel Elan stürzten sich die Nohfelder, allen voran ihr damaliger Bürgermeister Heribert Gisch, in das Projekt und wurden immer wieder ausgebremst. Erst bremste die Landesregierung, dann fehlte Geld, dann ein Betreiber, Gegner zogen vor Gericht. Jetzt kann endlich gebaut werden. Gut, dass jahrzehntelange Arbeit, Ärger, Zeit und Energie nun doch nicht komplett vergeudet sind.