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Nicht irgendein Ort auf der Weltkugel

Nicht irgendein Ort auf der Weltkugel

Marpingen. "Wir stehen in engem Kontakt mit einer örtlichen Missionsstation. Der Kontakt zu unseren Partnern im ehemaligen Zaire ist nicht immer einfach, manchmal bricht er auch völlig ab. Was dann passiert, können wir nur erahnen: Überfälle bewaffneter Gruppen, Vergewaltigungen, Verschleppungen

Marpingen. "Wir stehen in engem Kontakt mit einer örtlichen Missionsstation. Der Kontakt zu unseren Partnern im ehemaligen Zaire ist nicht immer einfach, manchmal bricht er auch völlig ab. Was dann passiert, können wir nur erahnen: Überfälle bewaffneter Gruppen, Vergewaltigungen, Verschleppungen. Wir müssen davon ausgehen, dass auch Schüler unserer Partnerschule dazu gezwungen werden, als Kindersoldaten in verschiedenen Armeen zu dienen", erklärt Anita Hanske, Mitorganisatorin der Zaire-Arbeitsgemeinschaft an der Gesamtschule Marpingen. "Und dennoch geben wir unser Engagement nicht auf. Die an unserer Schule durchgeführten Hilfsprojekte, wie Spendensammlungen, der Verkauf fair gehandelter Produkte, die Blumentombola, welche auch wieder im Dezember in der Aula der Gesamtschule Marpingen stattgefunden hat, werden von Schülern durchgeführt. Hierbei geht es nicht nur um die bloße Spendensummen, die direkt den Kindern - es sind zumeist Waisenkinder - in Ndoluma zu Gute kommen". Erklärtes Ziel ist es auch, diese Region Afrikas nicht der Vergessenheit preiszugeben."Es ist die Verantwortung, die wir als Europäer auch 100 Jahre nach der Zeit des Kolonialismus immer noch zu tragen haben", betont Elisabeth Becker-Mazietele. Die willkürlichen Grenzziehungen aus dieser Zeit, die wirtschaftliche Ausbeutung der afrikanischen Länder bis in unsere Tage spielen bei der gegenwärtigen schier hoffnungslosen Lage in Ndoluma eine große Rolle. In Marpingen sind es vor allem Schüler der Klassenstufen 5 und 8, die sich für ihre afrikanischen Partner engagieren. "Wir arbeiten hier bei der Blumentombola mit, damit die Kinder in Ndoluma ihr Schulgeld bezahlen können", erklärt Helen Deutsch aus der 8b.

Zum Hintergrund: Die Schulen im Osten des Kongo werden privat, meist von Hilfsorganisationen und Kirchen, betrieben. In einem Gebiet, in dem der Staat fast gänzlich die Kontrolle verloren hat, ist das die einzige Möglichkeit, die Menschen aus dem Kreislauf von Armut, Gewalt und Zukunftslosigkeit zu befreien. Für die Marpinger Schüler ist der Kongo zwar auch ganz weit weg, doch mit ihren Aktionen für dieses entfernte Land beweisen sie nicht nur Interesse und Offenheit, sondern auch Einsatzbereitschaft.

Ndoluma ist jetzt nicht mehr irgendein Ort auf der Weltkugel. Ndoluma wird so zur Heimat von Mitschülerinnen und Mitschülern, deren schweres Schicksal niemanden in Marpingen unberührt lässt. red

Hintergrund

Ndoluma, 0 Grad, 18 Minuten nördliche Breite, 29 Grad, 8 Minuten östliche Länge, Kleinstadt im Osten der Demokratischen Republik Kongo nahe der Grenze zu Uganda und Ruanda. Gebiet kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen verschiedener Völker. Als dramatischer Höhepunkt der Gewalttätigkeiten gilt der Völkermord an den Tutsi im Nachbarland Ruanda 1994 mit schätzungsweise 500 000 - 1 000 000 Todesopfern. red