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Neue Sirenen warnen im Landkreis St. Wendel künftig vor Katastrophen

Modernes Alarmsystem im Landkreis St. Wendel : Neue Sirenen warnen künftig vor Katastrophen

Der Ausbau eines flächendeckenden Alarmsystems im St. Wendeler Land hat begonnen. Die erste von 84 Anlagen wurde in Oberthal installiert.

Mit Schlamm bedeckte Straßen, weggerissene Ortschaften und zahlreiche Tote – die Bilder der verheerenden Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz haben sich in die Köpfe der Menschen eingebrannt. Auch vier Monate nach dem Unglück beschäftigt viele die Frage: Wie konnte es nur so weit kommen? Experten führen dies unter anderem auf das Versagen der Warnsysteme zurück. Die lebensrettenden Informationen seien nicht bei den Anwohnern angelangt.

Eine Erkenntnis, die die Verantwortlichen im Landkreis St. Wendel aufhorchen ließ. „Wir hatten bereits vor dem Unwetter mit Planungen für ein neues Sirenenwarnsystem begonnen“, blickt Landrat Udo Recktenwald (CDU) zurück. In den 1990er-Jahren seien die Sirenen des Bundes in das Eigentum der Kommunen übergegangen. Sie wurden seither ausschließlich genutzt, um die Feuerwehren zu alarmieren. Als die Einsatzkräfte mit digitalen Meldeempfängern ausgestattet wurden, verloren die Sirenen an Bedeutung und wurden teilweise sogar abgebaut. Am bundesweiten Warntag im September 2020 waren im St. Wendeler Land nur noch 40 Anlagen aktiv. „Wir hatten uns damals dazu entschlossen, ein neues, flächendeckendes Warnsystem einzuführen und mit der Suche nach passenden Anlagen begonnen“, erinnert sich Recktenwald.

Als das Thema nach der Flutkatastrophe in den Fokus rückte, hatte der Landkreis St. Wendel schon jede Menge Vorarbeit geleistet. Es fehlte lediglich noch die Zustimmung der Mitglieder des Kreistages – und die waren sofort einverstanden. Bei einer Sitzung im September segneten die Fraktionen einstimmig die Anschaffung von 84 Sirenen ab (wir berichteten). Am Montag hat nun der Ausbau des modernen Warnsystems begonnen. Die erste Anlage wurde in der Gemeinde Oberthal aufgestellt. Als nächstes folgen Tholey und Namborn, danach reihum die restlichen Kommunen. Voraussichtlich bis Anfang Mai werden alle Sirenen installiert sein.

Insgesamt kostet das flächendeckende Warnsystem rund eine Million Euro. 200 000 Euro davon sind Bundes- und Landesmittel. Es sei eine Investition in die Sicherheit der Bevölkerung. „Über das reine Sirenenwarnen hinaus bieten die neuen Anlagen die Möglichkeit, Sprachdurchsagen zu tätigen und damit wichtige Hinweise an die Bürger weiterzugeben“, erläutert Recktenwald. Außerdem würden sie auch noch bei einem Stromausfall funktionieren. „Das System ist so ausgelegt, dass wir es 14 Tage lang über Batterien betreiben können“, ergänzt Dirk Schäfer, der Leiter des Katastrophenschutzamtes.

Ihm ist es besonders wichtig, die Menschen mitzunehmen, sie ausführlich über die neuen Sirenen und die Bedeutung der unterschiedlichen Signale zu informieren. „Erste Befragungen im Ahrtal haben ergeben, dass die Leute die Sirenen zwar gehört, aber nicht darauf reagiert haben. Sie waren der Meinung, die Warnungen seien nur für die Feuerwehrleute gedacht gewesen“, weiß Schäfer. Daher müsse man mit den Anlagen „dosiert“ umgehen. Je öfter die Sirenen läuten, desto weniger würden sich die Bürger dafür interessieren. „Wir müssen uns davon verabschieden, dass wir für einen umgestürzten Baum oder fünf Zentimeter Wasser im Keller die Sirenen laufen lassen. Dafür gibt es die Meldeempfänger für die Feuerwehrleute. In Zukunft wollen wir die Anlagen nicht mehr so oft einsetzen, sondern nur noch in Ausnahmesituationen“, erläutert Schäfer.

Ganz abgeschlossen seien die Planungen diesbezüglich aber noch nicht. So stehe es beispielsweise noch in den Sternen, ob die Sirenen weiterhin jeden Samstag um 12 Uhr aufheulen sollen. „Wir wollen weiterhin wöchentlich testen, ob die Anlagen funktionieren. Aber mit dem neuen System ist dies auch möglich, ohne dass dabei ein Ton zu hören ist“, erklärt Schäfer. Sein Team habe permanent Zugriff auf den Status aller Sirenen. Die Mitarbeiter können so beispielsweise überwachen, ob die Verbindung steht und wie es mit dem Status der Stromverbindung aussieht. „Wir müssen uns daher noch überlegen, ob wir künftig nur lautlose Prüfungen oder auch welche mit Ton durchführen“, sagt der Leiter des Katastrophenschutzamtes. Auf jeden Fall aber wolle sich der Landkreis auch weiterhin an den bundesweiten Warntagen beteiligen. Außerdem solle es einen Probealarm geben, bevor die neuen Anlagen ihren Betrieb aufnehmen. „Wenn alles fertig ist, möchten wir den Leuten vorführen, wie sich die Signale anhören. Auch, um Rückmeldung von den Bürgern zu bekommen, ob sie die Töne überall wahrnehmen konnten oder ob wir noch mal nachjustieren müssen“, sagt Schäfer.

 Das sind die einzelnen Sirenen, die inzwischen übereinander gestapelt auf dem Dach des Oberthaler Feuerwehrgerätehauses thronen.
Das sind die einzelnen Sirenen, die inzwischen übereinander gestapelt auf dem Dach des Oberthaler Feuerwehrgerätehauses thronen. Foto: Sarah Konrad
 Bevor die neue Sirene im Oberthaler Feuerwehrgerätehaus montiert werden konnte, musste die alte Sirene weichen. Sie stammt aus dem Jahr 1957.
Bevor die neue Sirene im Oberthaler Feuerwehrgerätehaus montiert werden konnte, musste die alte Sirene weichen. Sie stammt aus dem Jahr 1957. Foto: Sarah Konrad
 St. Wendels Landrat Udo Recktenwald und Oberthals Bürgermeister Stephan Rausch unterhalten sich, während die neue Sirene montiert wird.
St. Wendels Landrat Udo Recktenwald und Oberthals Bürgermeister Stephan Rausch unterhalten sich, während die neue Sirene montiert wird. Foto: Sarah Konrad

Bei dieser Gelegenheit soll es dann auch eine Info-Kampagne geben. In Zeiten der Pandemie sei es äußert schwierig, die Menschen zu versammeln und Treffen zu organisieren. „Wir werden daher andere Wege gehen müssen, um sie über die Bedeutung der Signale in Kenntnis zu setzen“, kündigt Oberthals Bürgermeister Stephan Rausch (CDU) an. Er regt an, die Verhaltensregeln beispielsweise über Flyer kundzutun, die an die einzelnen Haushalte verteilt werden und vor allem auch die digitalen Medien zu nutzen. „Mit der Installation der ersten neuen Sirene ist ein erster Schritt gemacht, die weiteren werden folgen“, sagt Rausch. Er ist überzeugt, dass die Menschen im Landkreis St. Wendel dem Thema Warnsystem offen gegenüberstehen – insbesondere nach den grausamen Ereignissen im Ahrtal.