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Weil Erste Hilfe Leben retten kann

Weil Erste Hilfe Leben retten kann

Schnittwunden oder amputierte Finger: Ob auf der Arbeit oder zu Hause – passieren kann immer etwas. Wichtige Tipps zum richtigen Verhalten gibt es im Erste-Hilfe-Kurs.

Kompresse auspacken, auf die Wunde legen, dann den Verband abwickeln. Diese einmal kreuzen - im Idealfall direkt über der Blessur - und dann mehrmals weiter abwickeln. Zu diesem Zeitpunkt sucht man sich noch einen Geldbeutel oder ein Handy, dass man als Druckpolster auf den Verband über die Wunde packt. "Irgendwas Festes", erklärt Referent Rüdiger Staudte, "um die Blutung zu stoppen". Wenn die Binde komplett abgewickelt ist, wird das Ende einfach in den angelegten Verband gestopft. Zu fest darf das Ganze natürlich nicht gewickelt sein, sonst entsteht eine Stauung. Geldbeutel oder Handy dienen dazu, den Druck auf die Wunde zu konzentrieren.

DRK-Ausbilder Rüdiger Staudte ist in seinem Element, während er diesen Teil der lebensrettenden Sofortmaßnahmen erklärt und anschließend selbst Hand anlegen lässt. Elf Teilnehmer zählt der Erste-Hilfe-Kurs, der vor zwei Wochen nach 16 Gesamtstunden mit dem zweiten und somit letzten Teil zu Ende gegangen ist. Im DRK-Vereinsheim in Hirstein traf sich das knappe Dutzend aus dem Kreis St. Wendel aus ganz unterschiedlichen Motiven.

Gerüstet für den Ernstfall

Alexandra Glod zum Beispiel arbeitet seit 14 Jahren als Gärtnerin. "Das ist richtige Knochenarbeit", erzählt sie. Nicht nur, dass sie und ihre Kollegen teilweise mit dem Klein-Lkw Unimog oder einem Bagger umgehen müssen. "Man muss ja auch viel mit der elektrischen Heckenschere arbeiten", so Alexandra Glod. Und diese wiege immerhin knapp sieben Kilogramm. "Gott sei Dank passieren wenig Unfälle", sagt sie, doch Vorbereitung für den Ernstfall schadet ja nichts. Ihr insgesamt vierter Erste-Hilfe-Kurs ist dies. Er wird von der Berufsgenossenschaft bezahlt, weil sie den Kurs nutzt, um in ihrem Betrieb als Ersthelferin eingesetzt zu werden.

Ein "Schockbild" eines schwereren Unfalls sorgt für einen kurzen Moment der Irritation. "Wenn man solche Bilder zeigt", erklärt Rüdiger Staudte, "wird den Teilnehmern bewusst, dass auch mal was Schlimmes passieren kann." Amputations-Verletzungen zum Beispiel. Hier sei es wichtig, alle Teile mit Handschuhen aufzusammeln, das gelte auch für Haare oder Zähne: "Man kann so ziemlich alles wieder annähen", so der Ausbilder. Einen abgetrennten Finger sollte man mit einer Kompresse bedecken und dann mit dem Handschuh ummanteln, keinesfalls jedoch mit Wasser in Berührung kommen lassen. Auch wenn selbstverständlich die Nothilfe an oberster Stelle steht, das Amputat also erst mal gar nicht interessiert, sind solche Infos ebenfalls wichtig.

Die meisten der Teilnehmer kommen wie Alexandra Glod aus betrieblichen Gründen oder weil sie den Führerschein erlangen wollen, erzählt Staudte. Ab und an kommen auch Interessenten, die ihre Kenntnisse auffrischen möchten. Seit vielen Jahren schon ist er als Ausbilder für den Kreisverband St. Wendel im Einsatz. Er selbst wohnt in Freisen, war bis 2010 dort auch Vorsitzender des Ortsvereins, 20 Jahre lang.

Sein Wissen gibt er an die Kursteilnehmer weiter. Oder auch an Kollegen. Elena Wüst beispielsweise hospitierte bei dem Erste-Hilfe-Kurs in Hirstein . Die junge Frau vom Ortsverband Oberkirchen ist seit ihrem zehnten Lebensjahr beim Deutschen Roten Kreuz, kürzlich wurde sie von ihrem Ortsverband zur Bereitschaftsleiterin gewählt. Die Hospitation ist nötig, weil sie ebenfalls bald Erste-Hilfe-Ausbilderin werden möchte. Die Prüfung wird im Oktober in der DRK-Rettungsdienstschule in St. Ingbert abgelegt. "Eine Ausbildung zur Ausbilderin", erzählt sie.

Infektionen vorbeugen

Mit dem Überreichen eines Zertifikates endet der Kurs am Nachmittag. Neben Übungen und Informationen erhielten die Teilnehmer auch einen Einblick darin, wie man mit Fremdkörpern in Wunden umgeht. "Da darf man den Fremdkörper nicht herausziehen und nichts in die Wunde eintreten lassen", so Rüdiger Staudte. Auch scheinbar profanere Sachen wie ein Zeckenstich werden behandelt. Um einer Infektionskrankheit vorzubeugen, sollte man am Besten mit einer Zeckenzange den Kopf abtrennen. "Geht damit am Besten zum Arzt", so der Ausbilder, "eine Borreliose ist zwar nicht tödlich, aber man hat Schmerzen fürs Leben".

Ob man offene Wunden notbehandelt, Knochenbrüche erkennt oder einfach ein Pflaster aufklebt: Man sollte sich bewusst sein, dass die Ersthilfe nicht nur eine gesetzliche Pflicht ist - man kann damit auch Leben retten.