Mehr als nur Gelee Quitte in der Küche und als Heilmittel (mit Rezept)

Baltersweiler · Bei einem Vortrag, zu dem der Obst- und Gartenbauverein Baltersweiler Kräuterpädagogin Christel Trost eingeladen hatte, ging es um die Frucht und ihre Verwendungsmöglichkeiten.

Die Expertin hatte Quittenlikör und Quittengelee, beides selbst hergestellt, im Gepäck.

Die Expertin hatte Quittenlikör und Quittengelee, beides selbst hergestellt, im Gepäck.

Foto: Jennifer Fell

Zwölf Personen hatten sich beim Obst- und Gartenbauverein (OGV) Baltersweiler eingefunden um Näheres über die Quitte, zu erfahren. Christel Trost, Kräuterpädagogin aus Altenkirchen im Landkreis Kusel, gab zunächst einen Überblick über die Historie der unterschätzten Zitrusfrucht, die im Volksmund auch als Kittenapfel bezeichnet wird: „Die exotische Quitte, die zugleich fruchtig, süß und aromatisch schmeckt. Kommt ursprünglich aus Nordpersien, wo sie auch heute noch wild in den Wäldern wächst. In Europa wurde sie erstmals auf Kreta gesichtet, und zwar in der Stadt Kydonia, die der Frucht auch ihren Namen gab“, erzählte die Expertin und ergänzte, dass Karl der Große durch einen Erlass, eine Landverordnung, maßgeblich zur Verbreitung der Zitrusfrucht, von denen vor allem Apfel- und Birnenquitten bekannt seien, in Deutschland beigetragen habe: „Zum einen wollte er mit den heidnischen Bräuchen aufräumen, aber er hatte wohl auch noch andere Gründe. Beispielsweise ist der Quittenbaum ideal für Anfänger geeignet und zudem trägt er etwa 50 Jahre lang Früchte“, erläuterte Trost, die davon ausging, dass der Herrscher wohl auch in den Aufzeichnungen des Hippokrates von der für Heilzwecke günstigen Frucht gelesen habe, die im neunten Jahrhundert von Mönchen über die Alpen gebracht worden und bereits von der Heiligen Hildegard von Bingen sehr geschätzt worden sei.

 Kräuterpädagogin Christel Trost informierte auf Einladung des OGV Baltersweiler über die Geschichte, die Verwendung und die Heilwirkung der Quitte.

Kräuterpädagogin Christel Trost informierte auf Einladung des OGV Baltersweiler über die Geschichte, die Verwendung und die Heilwirkung der Quitte.

Foto: Jennifer Fell

Die Kräuterpädagogin sprach davon, dass die Quitte, die botanisch gesehen zu den Rosengewächsen gehöre, im Frühjahr wunderschöne Blüten ansetze, die bestäubt würden und dann Früchte ausbildeten. Im Herbst beginne dann die Erntezeit, in der die reife Frucht einen intensiven Duft verströme. Bevor man die Quitte verarbeite, so die Fachfrau weiter, solle man den Pelz entfernen, da dieser viele Bitterstoffe enthalte: „Man sollte die Frucht mit einem Küchentuch abreiben und anschließend eventuell noch waschen.“ Zur Zerkleinerung empfiehlt Trost ein scharfes Küchenmesser, die Axt müsse es nun wirklich nicht sein. Die in Würfel geschnittenen Früchten koche man und passiere sie danach durch, was am besten mit einer Passiermühle, auch „Flotte Lotte“ genannt, funktioniere.

Während man aus dem so gewonnenen Saft das klassische Quittengelee herstelle, gebe es auch für das Fruchtmark, eine Art Trester, eine Verwendungsmöglichkeit: „Daraus kann man das sogenannte Quittenbrot herstellen. Dazu süßt man das Mus leicht, kocht es, streicht es in einer dünnen Schicht auf ein Backblech und trocknet es an der Sonne oder im Ofen, ehe man es schneidet. In einer Blechdose aufbewahrt ist das fruchtige Konfekt mehrere Wochen haltbar“, schwärmte sie und fügte hinzu, dass man Quittensaft auch kochend heiß in Flaschen abfüllen könne, um ihn haltbar zu machen. Zudem könne die Frucht zu einem Kompott verarbeitet werden und bereichere im zuvor gekochten Zustand auch viele Kuchenrezepturen.Erstmals habe sie auch einen Quittenlikör angesetzt, dessen Rezeptur sie den SZ-Lesern sehr gern verrate.

Christel Trosts Vortrag beschränkte sich jedoch nicht auf die kulinarische Verwendung der Quitte, sie gab auch ihr Wissen in Bezug auf die Heilwirkung sowie die kosmetische Anwendung weiter. So führte sie aus, dass die Zitrusfrucht dreimal so viel Vitamin C wie ein Apfel, viel Kalium und auch viel Pektin enthalte. Letzteres spare nicht nur Geliermittel bei der Gelee-Herstellung, es habe darüber hinaus als Ballaststoff positive Auswirkungen auf den Darm. Neben den ebenfalls vorkommenden sekundären Pflanzenstoffen wirke sich auch der gelbe Farbstoff günstig aus, könne er doch entzündliche Prozesse bremsen. Wenig gesüßtes Quittenkompott werde traditionell bei Magen-Darm-Problemen eingesetzt, der Kern könne bei Rachenentzündungen und Halsschmerzen gelutscht werden: „Das ist eine natürliche Halspastille, die uns der Quittenbaum schenkt“, informierte die Expertin, die ferner darauf hinwies, dass man die Schale, die viele ätherische Öle enthalte, frisch oder getrocknet zu einem Tee aufgießen, aber auch als Grundlage für ein duftendes und pflegendes Körperöl verwenden könne.

Aus den Kernen lasse sich, im Verhältnis eins zu acht mit Wasser verdünnt, ein Gel gewinnen, das seine besondere Wirkung bei Hautproblemen entfalte. Nachdem die Kräuterpädagogin ihre Ausführungen beendet hatte, durften die Besucher des Kelterhauses noch Trosts selbstgemachtes Quittengelee kosten, das sie auf einem frisch gebackenen Dinkel-Hefe-Kranz servierte.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort