So war das erste Jahr mit den Drillingen

Zu Besuch bei den Neujahrs-Drillingen : Dreifaches Babyglück wurde ein Jahr alt

An Neujahr feierten die Drillinge der Familie Schmitt in Namborn ihren ersten Geburtstag. Die Eltern berichten, wie der Alltag mit den Jungs ist.

Die lange Tafel ist noch aufgebaut. Familie und Freunde haben an Neujahr zusammen gebruncht. Den Start von 2019 gefeiert und den ersten Geburtstag der Drillinge. Niclas, Felix und Jacob sind der ganze Stolz ihrer Eltern Michael Josef Schmitt und Nicole Schmitt-Schwindling. Fröhlich lächelnd und vor sich hin glucksend, krabbeln die drei kleinen Jungs durch die Wohnung, ziehen sich an Stühlen oder Schränken hoch, räumen akribisch die Kommode aus oder flitzen mit den Bobby Cars übers Parkett. „Manchmal ist es schon anstrengend“, gesteht Mehrlings-Papa Michael Schmitt. „Aber mit nur einem Kind wäre uns bestimmt langweilig“, fügt er an und lacht. Nach der Elternzeit geht er wieder Vollzeit arbeiten. „Meine Frau wuppt das alles“, sagt er stolz.

Mama Nicole hält gerade Felix auf dem Arm, während die anderen beiden eine Kiste ausräumen. „Er ist der größte und der eher besonnene“, sagt sie über den Sprössling auf ihrem Schoß. Seine beiden Brüder seien eher Draufgänger. Entspannt schaut sie dem Entdeckungsdrang des Duos zu. Mit eben jener Gelassenheit meistert die Drillingsmama auch den Alltag. „Wenn man nur ein Kind hat, muss man es ständig beschäftigen. Ich setze die drei zusammen und sie spielen dann miteinander“, sagt sie. So kriege sie auch nebenbei den Haushalt erledigt – ohne eine Haushaltshilfe. „Die Drei brauchen auch kein teures Spielzeug“, sagt Nicole Schmitt-Schwindling. „Sie haben einander.“ „Und den Teigschieber“, fügt sie lachend an. Von dem sind die Jungs fasziniert.

Zum ersten Mal haben die Fünf als Familie zusammen Silvester gefeiert. Ganz gemütlich. Der Jahreswechsel zwölf Monate zuvor war da um einiges aufregender. Da wurde,  während die Raketen gen Himmel stiegen, aus dem Paar Michael und Nicole auf einmal  Mama und Papa.

Entgegen der Empfehlung der Ärzte im Dezember 2017 wollte Nicole Schmitt-Schwindling über Silvester nicht in die Klinik. „Es war der erste Jahreswechsel in unserem neuen Haus. Den wollte ich alleine mit meinem Mann verbringen“, erinnert sie sich. Doch ihr Nachwuchs hatte andere Pläne. Mit einem Blasensprung ging es für die werdende Mutter am 29. Dezember ins Homburger Uniklinikum. Zwei Tage habe sie wehenhemmende Mittel bekommen, erinnert sie sich.  An Silvester sei alles noch ruhig gewesen. Deshalb schaute sich der Vater in spe nach einem geeigneten Plätzchen im Krankenhaus um, von wo aus er zusammen mit seiner Frau das Feuerwerk anschauen könnte. Dann eilte er flugs noch in die Stadt, um alkoholfreien Piccolo zu besorgen.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte Nicole Schmitt-Schwindling schon, dass aus dem gemütlichen Silvester zu zweit nichts mehr werden würde. Die Babys wollten raus. Sie wartete, bis ihr Mann wieder da war,  dann riefen sie die Ärzte. Diese entschieden aufgrund erhöhter Entzündungswerte, dass die Drillinge noch in dieser Nacht das Licht der Welt erblicken per Kaiserschnitt erblicken sollten. „Normalerweise ist ein Team von 45 Leuten bei einer Drillingsgeburt dabei“, erklärt Michael Schmitt. „Bei uns haben sie es mit 30 Leuten bewältigt.“

Während die Menschen in der Nacht auf den 1. Januar 2018 das neue Jahr begrüßten, hießen Mama und Papa Schmitt ihre drei Jungs auf der Welt willkommen. Im Minutentakt wurden sie geboren: Niclas um 0.02, Felix um 0.03 und Jacob um 0.04 Uhr. „Dreifaches Glück“, sagt Papa Michael und strahlt. Für Mama Nicole sind ihre drei Jungs ein unglaubliches Geschenk. „Andere haben Probleme, ein Baby zu bekommen. Und wir haben gleich drei und sie sind alle gesund.“ Auch dem besonderen Geburtsdatum kann Michael Schmitt nur Positives abgewinnen. „Die drei kriegen immer ein Feuerwerk zum Geburtstag und die nächsten 20 Jahre steigen die Silvesterpartys bei uns“, sagt er und lacht.

Vier Wochen lang mussten Niclas, Felix und Jacob auf der Frühchenstation bleiben. Täglich kamen ihre Eltern zu Besuch, legten die Kleinen dann zusammen in ein Bettchen. „Da hat man schon gemerkt, dass sie miteinander interagieren“, sagt Michael Schmitt. Inzwischen scheinen sich die Drei bestens wortlos untereinander zu verständigen. Ein eingeschworenes Team.

Im Februar vergangenen Jahres ging es nach Haus. Im großen VW-Bus. Den hatte Papa Michael schon gekauft, ehe seine Jungs unterwegs waren. Das muss wohl glückliche Fügung gewesen sein. Ebenso wie das große Haus, das er 2016 gekauft hat und nun liebevoll renoviert. Eine ehemalige Gaststätte in Namborn hat er in ein Heim für seine Familie verwandelt. „Es ist noch viel zu tun“, gesteht er. Aber es sei ihm wichtig, nach der Arbeit Zeit mit seiner Frau und den Drillingen zu verbringen.

Zwei bis drei Kinder habe sich das Paar ohnehin gewünscht. Nun wurden es drei Babys auf einen Streich. Ganz überraschend kam es für die beiden nicht. Obwohl Nicole Schmitt-Schwindling damals bei der Gynäkologin nochmal ungläubig nachfragte, als diese vor sich hinzählte: „Eins, zwei, drei“. Bei den Ehepartnern liegen jeweils Zwillingsgeburten in der Familie. Da sei die Chance auf zwei Säuglinge schon mal größer gewesen, so Papa Michael. Doch das Ehepaar hat noch eins draufgesetzt.

Wenn die Familie zum Einkaufen geht, muss das geplant sein. Einer schiebt den Einkaufswagen, der andere manövriert den Drillings-Kinderwagen durch die Supermarkt-Gänge. Und die Ration an Windeln, die über das Kassenband geht, ist eben etwas größer als bei einem Kind. Wobei die beiden Eltern nach eigener Aussage das Wickeln als nicht als stressig empfinden. Es seien etwa 15 Windeln pro Tag.

Wenn die Fünf unterwegs sind, erwecken sie Aufmerksamkeit. Viele nette, aber auch blöde Kommentare kriegen sie dann schon mal zu hören – hinter vorgehaltener Hand, versteht sich. „Aber das ignoriere ich“, sagt Mama Nicole.

Ihre Drillinge klettern derweil auf die Couch, lehnen sich an die  Fensterbank. „Die Rasselbande steht gerne zusammen am Fenster“, erklärt Michael Schmitt lächelnd und deutet auf die Abdrücke kleiner Hände auf der Scheibe. Er hat alles so abgesichert, dass nichts passieren kann. Das Fenster hat die ideale Höhe für das Trio. Und da steht es nun und blickt neugierig in die Zukunft.

Mehr von Saarbrücker Zeitung