Sie gibt den Ahnen ein Gesicht

Für Familienforscher, aber auch für Interessenten der Kirchengeschichte bietet das Buch von Claudia Schmitt Wissenswertes aus 124 Jahren. Darin sind etwa Taufen, Hochzeiten und Sterbefälle aufgezeichnet.

Bericht über die Namborner Kirchenbücher. Foto: Schmitt. Foto: Schmitt

Claudia Schmitt aus Eisweiler hat ein Nachschlagewerk über die Namborner Kirchenbücher von 1769 bis 1893 mit Edition und Bestandsaufnahme geschrieben. Es ist eine bewegte Geschichte der Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt Namborn. "Ich habe nach den ehemaligen Einwohnern unseres kleinen Dorfes Eisweiler im Archiv der Gemeinde Namborn recherchiert. Dabei fiel mir auch ein alter Band mit Namborner Kirchenbüchern in die Hand", sagt die Autorin, die auch Vorsitzende der Heimatfreunde Eisweiler-Pinsweiler ist.

Und weiter: "Beim Durchblättern der alten vergilbten Seiten aus den Jahren 1770 bis 1788 fand ich die Namen der alten Namborner, die in dieser Zeit lebten: Naumann, Massing, Simon, Trapp, Sesterheim, Born, Johann, Wagner, Greff, Wilhem. All diese Namen sind auch heute noch in Namborn gegenwärtig. So bekamen diese Ahnen auch irgendwie ein Gesicht, denn in Gedanken verglich ich sie mit denen, die ich kannte. Ich war der Meinung, diese alten Kirchenbücher verdienen Beachtung und sie sollten Interessierten einfacher zugänglich sein. Die Suche nach den zeitlich folgenden Büchern in den verschiedenen Archiven und das Lesen der oftmals undeutlichen Schrift und das Transkribieren der lateinischen und französischen Texte war eine große Herausforderung und sehr zeitintensiv", sagt Claudia Schmitt.

Das Buch über die Namborner Kirchenbücher umfasst die von der Kirche geführten amtlichen Beurkundungen zu den Taufen, Heiraten und Sterbefällen der katholischen Pfarrei Namborn, einige Verzeichnisse der Firmlinge sowie ein Rechnungsbuch. Unter den Geburten findet man auch Zwillinge und Drillinge. Zugehörig war von 1803 bis zur Eigenständigkeit im Jahre 1947 der Nachbarort Güdesweiler, Heisterberg ab 1835, später, 1953 kamen aus der Pfarrei Furschweiler die Orte Eisweiler und Pinsweiler hinzu.

Bisher gab es keine Publikation der Kirchenbücher Namborn in Form von Transkriptionen oder Familienbüchern. Dieses Buch soll eine möglichst nutzbare Grundlage für Familienforscher und Genealogen zur weiteren Auswertung bieten und offen sein für verschiedene Benutzerinteressenten, betont die Autorin. Zur Vervollständigung der Daten für frühere Zeiten verweist sie auf die Kirchenbücher Bliesen und für die Zeit davor auf die St. Wendeler Kirchenbücher. Es folgen Statistiken und ein zeitlicher Abriss über die Geschichte von Namborn.

Kirchenbücher und Matrikel gehören zu den wichtigsten und unverzichtbaren Quellen der Familienforschung. Sie enthalten die Vitaldaten, die vor allem in der historischen Demografie von Bedeutung sind. Sie erzählen vom Wechsel der Pfarrer und dem Streben nach der Unabhängigkeit von der Mutterpfarrei Bliesen. Sie veranschaulichen die politischen Geschehnisse, wie die wechselnden herrschaftlichen Verhältnisse und die Auswirkungen des Kulturkampfes in der Namborner Pfarrei Ende 1871. Der damalige Pfarrer von Namborn, Jakob Isbert und weitere Namborner Bürger wurden am 6. Juli 1874 verhaftet und am 9. November bei einem Prozess in Saarbrücken vor dem Asissenhof zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. 1884 bekam die Pfarrei Namborn mit Pfarrer Adolph Weyrich wieder einen Seelsorger.1770 wurde Namborn zur Vikarie von Bliesen ernannt.

Das Buch beschreibt auch die politische Situation bis zur Französischen Revolution. Die Wurzeln der Pfarrei Namborn sind in Bliesen und auch davor in Tholey zu suchen und zu finden.

Das Buch Namborner Kirchenbücher 1769 bis 1893 umfasst 714 Seiten, ist gebunden mit Abbildungen, kostet 29 Euro. Es ist bei Claudia E. Schmitt, Tel. (0 68 57) 12 49, E-Mail: ces-Verlag@gmx.de, erhältlich.

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