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Pilger trotzen klirrender Kälte

Pilger trotzen klirrender Kälte

Bereits zum 147. Mal fand in Roschberg wieder die Sebastianswallffahrt statt. Schon um 6.30 Uhr in der Früh trafen sich rund 60 Pilger am Roschberger Kelterhaus und machten sich gemeinsam auf die acht Kilometer lange Strecke.

"Ich gehe schon lange mit, und es gefällt mir immer wieder, in diesem Kreis zu beten", sagt Marie Luise Steppuhn. Die 72-Jährige meinte damit die Sebastianswallffahrt von Roschberg zum Missionshaus in St. Wendel. Die Seniorin war der älteste Fußpilger in dieser Gruppe und wurde von ihren Enkelsöhnen, Daniel Steppuhn (24 Jahre) und Conner Steppuhn (19) begleitet. Die Beiden waren Schüler des Arnold-Janssen-Gymnasiums.

Bei minus acht Grad machte sich eine zwölfköpfige Fußgruppe mit dem Roschberger Ortsvorsteher Norbert Jung und Pater Ignasius Maros zu für manchen Menschen noch nachtschlafender Zeit um 6.30 Uhr in der Früh ab dem Roschberger Kelterhaus auf die acht Kilometer lange Strecke.

"Ich gehe öfter wegen der Tradition mit", sagte Sabine Johann. Die 55-Jährige berichtete, der Weg durch den Roschberger Wald nach Urweiler sei glatt und daher schlecht zu gehen gewesen. Ab der Urweiler Hauptstraße sei es besser geworden.

Für Gisela und Franz Panzner, 64 und 72 Jahre alt, ist die Teilnahme an dieser Wallfahrt ein Muss. "Wir haben eine Landwirtschaft mit 300 Stück Großvieh. Früher gingen unsere Eltern mit und wir mussten auf das Vieh aufpassen. Heute passen unsere Kinder darauf auf." Neben den Stammteilnehmern reihten sich auch Neulinge in die Gruppe ein: "Ich wollte schon immer mal mitgehen, heute hat es endlich gepasst", sagte Robert Haßdenteufel.

Oranna Loch gehörte über Jahrzehnte zu den Fußpilgern, fährt aber inzwischen mit dem Auto zum Gottesdienst. Die 80-Jährige erinnert sich: "Am Anfang gingen die Pilger zur Kapelle ins Wendelstal und zur Messe auf den Alten Hof, was sich als zu kalt herausstellte. Bei Eis und Schnee zogen wir zur Sicherheit Strümpfe über die Schuhe. In den 50er-Jahren hat sich dann die Örtlichkeit geändert". Auch Elvira und Martina Haßdenteufel, beide 88, kamen mit dem Auto zur Messe.

Den Wallfahrts-Gottesdienst mit Pater Ignasius Maros und dem MGV Liederkranz Roschberg unter der Leitung von Konrad Ludwig besuchten um die 60 Pilger . Anschließend wurde im Pilgersaal gefrühstückt. Es war die 147. Sebastianswallfahrt. Die Roschberger erfüllen damit ein Gelübde aus dem Jahre 1870. Damals waren im Ort Typhus und Rinderpest ausgebrochen mit drei Sterbefällen und mehreren verendeten Rindern. Nach den überstandenen Heimsuchungen sieht man die Beharrlichkeit Sebastianus als Vorbild für den Kampf gegen die Krankheit.